Ein neues Hausgewässer - Der lange Weg

Nach meinem Umzug in die Neue alte Heimat hielt ich es ganze 4 Tage mit dem Zusammenbauen von Schränken und weiteren Möbeln aus. Schuld daran war mein Hund, als Ausrede immer gut, denn bei meinen Spaziergängen mit dem Vierbeiner kam ich immer wieder an spannenden Gewässern vorbei. Ein Hafen, ein kleiner Fluss, die Elbe und Kieslöcher. Alles in relativ kleinem Radius. Irgendwann ist das Maß dann aber wirklich voll gewesen und die Lust auf das Unbekannte war einfach Grenzenlos. Stell dir einen Hund vor, dem ein Leckerlie vor die Nase gehalten wird, der Moment wo er es aber bekommen darf künstlich hinausgezögert wird. Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit anfangen zu Sabbern. So verhielt es sich bei mir, als ich die Gewässer sah.

5 Minuten Weg für eine kurze Session

erste Hürde, Wasserpflanzen im Nahbereich

Ich entschied mich für das Gewässer unweit meiner Haustür. Es wird mein neues Hausgewässer werden.Mit dem Fahrrad brauche ich ungefähr 5 Minuten bis dorthin. Es ist ein mit 600 Meter Länge und einer Breite von 80 Meter eher langgestreckter See. Er war wohl früher mal eine Art Baggerloch. Einen Spot hatte ich schon erspäht, dieser lag etwas abseits der Wege, man musste sich erst durch höheres Gras bewegen. Für bequeme Leute kein Ort der Freude, für mich aber ein Kriterium für den Erfolg. Nur wer Hürden auf sich nimmt, wird am Ende auch belohnt. 

Das Sprichwort traf auch sofort ins Schwarze, als ich am neuen Angelplatz ankam ergab sich die erste Hürde. Einige Meter vom Ufer weg waren Ansammlungen von lichten Pflanzen im Wasser. Nichts dramatisches, aber dennoch ein Faktor der zur Falle werden kann wenn sich ein besserer Fisch seinen Weg durch den Unterwasserdschungel bahnt. Oben drauf wird es mit ziemlicher Sicherheit die Bissanzeige an der Feederrute erschweren. Wird schon, dachte ich mir, erstmal einmal die Ausrüstung ablegen, den Hund von der Leine befreien und die neue Umgebung auf sich wirken lassen. Ich ließ Charly keine 10 Sekunden aus den Augen........

wenn Hund sich freut ist Herrchen glücklich

Er schnüffelte am Schilf, steckte wohl seinen Kopf hinein, danach schnellte mit einem Knall ein Komoran mitten auf den See. Er hielt sich anscheinend dicht vor dem Schilf auf und erschreckte sich durch den Eindringling. Nicht nur der schwarze Vogel, auch ich hatte danach einen etwas höheren Puls. Ich konnte daraus aber gleich ein Fazit ziehen. Wenn der Kormoran hier zu fressen findet werde auch ich mit Fisch belohnt werden. Hoffentlich. Kommen wir zu einem weiteren Thema: Ruhe am Angelplatz, das Bild spricht aber klare Worte. Mein Hund ist eben ein Hund, mit einem Satz knallte er in den See ohne Rücksicht auf Verluste. Keep Smile.  

Tackle und Platzaufbau

Ich hatte mir 2 Feederruten eingepackt. Eine 3,60 Meter lange leichte Variante mit einem Wurfgewicht bis 60 Gramm um etwas mehr Futter rausbringen zu können, als Gegenpol mein Winkelpicker für das filigrane Feedern im Nahbereich. Diese Kombo ergänzt sich in meinen Augen an jedem See mit keinen riesigen Ausmaßen sehr gut. Weit werfen kam von meiner Position aus sowieso nicht in Frage, größere Futterkörbe an den Futterplatz zu bringen bedarf aber eines etwas stärkerem Blank. Daher diese Auswahl an Feederruten am neuen Gewässer.

Nebst den Feederruten hatte ich typische Hilfsmittel dabei. Stuhl, Kescher, meine Banksticks und eine defekte Rutenablage. Für einen Umzug nicht sonderlich ungewöhnlich, die funktionsfähige Ablage wollte sich nicht auffinden lassen. Einige Rutenhalter, ein Futtereimer mit Sieb, der bei mir auch die Ablage für eine kleine Futterschüssel ( die ich vergessen hatte) und Köder darstellt. Wenn wir schon beim Thema Lockfutter sind. Ich setzte auf mein vertrautes Futter das mich auf Brassen an meinem alten Hausgewässer nie im Stich ließ. Es ist salziger Natur, dunkel und etwas bindiger. Nach belgischer Tradition.

 

Ich stelle meist zuerst den Stuhl auf, wenn der Setzkescher dabei ist, kommt dieser in akzeptabler Reichweite zum Sitzplatz ins Wasser. Dann werden die Rutenhalter aufgebockt, die Feederrute aufgelegt und alles gleich so hergerichtet, das ich mit dem Angeln beginnen kann. Allerdings wurde mein gewöhnlicher Ablauf für den Aufbau schon deswegen unterbrochen werden, weil ich die erwähnten Wasserpflanzen als Hindernis einkalkulieren musste. Da half nur probieren und testen.

Beide Rollen an den Ruten waren 2000er Modelle, damit komme ich gut zurecht und auf kurze Bahnen ist kein höherer Schnureinzug nötig. Moderate 0,20 mm Hauptschnur und eine kleine Auswahl verschiedener Futterkörbe bist 25 Gramm, verschiedenem Volumen und anderer Futterfreigabe waren für die Präsentation des Köders und des Lockfutters am Futterplatz vorgesehen. Als Köder hatte ich nur Pinkies zur Verfügung.

Loten mit der Feederrute am neuen Hausgewässer

Um Erfolgreich zu Feedern muss wie bei jeder anderen Angelmethode auch gelotet werden. Kanten, Krautfelder, Hindernisse, die Tiefe und vieles mehr müssen ermittelt werden um keine bösen Überraschungen zu erleben. Ich montierte mir dazu einen 20 Gramm schweren Futterkorb, warf aus und zählte die Sekunden nach dem Aufprall an der Wasseroberfläche bis der Futterkorb den Gewässergrund erreichte. 4 Sekunden. Das Entsprach ungefähr 3,5 Meter ( grob geschätzt ). Danach zog ich den Futterkorb mit der Rutenspitze über den Gewässergrund, um ein Gefühl für die Struktur zu bekommen. Zu meinem Erstaunen ging es relativ zügig, kein Einsacken, also kein Schlamm. Kein Holpern, also weder Steine oder Muscheln. Es war eher Semiweich, also Lehm. Nach ca. 15 Metern kam dann eine kleine Krautbank. Der Futterkorb musste ruckartig gezogen werden, es baut sich ein leichter Widerstand auf. Höchst Interessant.

Der nächste Wurf folgte einige Meter vor der ersten Stelle. Wieder die Sekunden gezählt, irgendwas zwischen 3 und 4. Also flacher. Ein weiterer Wurf wieder einige Meter dichter ans Ufer. Klare 2 Sekunden. Dann kurz vor die Wasserpflanzenvegetation. So schnell konnte ich dann nicht zählen. War keine gefühlte Sekunde. Dort war/ ist es tatsächlich ziemlich flach, ich würde schätzen zwischen 70 cm und einem 100 cm. Ich klapperte noch einige Stellen im See ab. Fand sogar eine 5 Sekunden Stelle und eine 6 Sekundenstelle ! Wahnsinn. An meinem Hausgewässer gab es nur 1 oder 1,5. Der See war aber auch nur 1,2 Meter tief im Schnitt. Eine neue Welt.

Der Köder muss ins Nass ! Wohin damit ?

Nach dem Loten stellen sich naturgemäß eine menge Fragen. Wo soll der Köder seinen Dienst tun ? Einfach ist es nicht, eine Entscheidung zu treffen, viele Faktoren beeinflussen das Ergebnis am Fangtag.

 

Unter anderem :

  • Welche Tiefe befischen ?
  • Wieviel Futter zum Start einbringen ?
  • Mit was für Fischen muss ich rechnen ?
  • Kann ein Wetterumschwung mir einen Strich durch die Rechnung machen ?
  • Welchen Futterkorb nutze ich für eine saubere Präsentation ?
  • Weit oder Nah Feedern ?
Erster Futterplatz

Viele weitere Einflüsse können das tägliche Angeln verändern, aber für den ersten Tag hilft nur Erfahrung, eine Portion Glück und der nötige Mut für verrücktes. Ich entschied mich für eine Stelle 45 Grad zu meiner Sitzposition mit einer Tiefe von geschätzten 3,0 Meter Wassertiefe. Krautfreier, fester Boden und keine Hindernisse. Ich fütterte mit 5 Futterkörben vor, im Sommer darf es auch gern mal mehr sein, ich wollte aber moderat verfahren. Nach der Startfütterung zog ich 3 Pinkies auf einen 16er Haken, die Waffen waren scharf. Jetzt noch einige Feinheiten, dann kann das Angeln am neuem Gewässer beginnen !

Eine dieser Feinheiten war das Aufstellen des Winkelpickers, sie musste für Stillwasserfeedern recht hoch stehen, weil die Pflanzen im Nahbereich hinderlich für die Bisserkennung sein würden. Sah sehr bescheiden aus. Von der Hauptstraße aus können Autofahrer die steile Ablage der Federrute sehen, ich nahm in Kauf das man mich für einen Anfänger hält der die Rute im Stillwasser falsch aufstellt. Ging aber nicht anders und am Ende wie immer. Wer fängt, hat Recht!

- Wie ein alter Engländer mir den Arsch rettete -

Neuer Futterplatz

Das Sprichwort passt auch, nur nicht zu mir. Nach ca. 1 1/2 Stunden fing ich an mir Sorgen zu machen. Platzwahl, Futter, Beißverhalten, war der Kormoran ein schlechtes Omen ? Hat mein Hund mit seiner Arschbombe jegliches Leben innerhalb von 100 Meter Radius unter Wasser verscheucht ? Köder ? Könnten Pinkies hier vielleicht nicht funktionieren ? Dann ging mir ein Licht auf. Ich sah in Dauerschleife, weil kein Internet zur Verfügung stand,  alte Filme über das Friedfischangeln mit dem Altmeister Paul Cook. Der Widerum erwähnte das beim Fischen auf Rotaugen vor allem die Nähe zu Unterwasserpflanzen ein Unschlagbarer Faktor sei. 

Wechsel des Futterplatzes brachte den Erfolg

Relativ schnell verlagerte ich den Futterplatz näher ans Ufer, ins flache Wasser, nahe den Wasserpflanzen und dementsprechend den natürlichen Unterstand für viele Fische. Im tieferen Wasser gabs nichts zu holen, der Blitzgedanke an Paul Cooks Tipps wollte ich beherzigen und umsetzen. Mit Erfolg ? Mit Erfolg ! Ich warf einen Futterkorb zum neuen Spot und legte 2 kleine Futterbälle zum rantasten an die Situation nach.

Es dauerte nicht lang und das erste schöne Rotauge stieg auf den Köder ein. Der erste Fisch am neuem Gewässer gefangen. Schwach angefangen, aber gut gesteigert ! So kann es weitergehen. Mir wurde schlagartig klar, wie einfach Angeln sein kann. Kein Umsetzen, kein neuer See, es war so einfach. Fische haben vorlieben, diese gilt es zu nutzen und zu bedienen. Oft geht man mit Vorstellungen und Planungen ans Wasser die einfach nicht passen. Wie immer : Der Fisch sagt uns was zu tun ist !

 Nicht Nachmachen !

 

Sofort warf ich meinen Futterkorb an die selbe Stelle. Keine Minute später geht die Spitze ordentlich krumm ! Mein Herz schlug in die Höhe. Der Fisch zog am Winkelpicker einige Bahnen, stellte sich quer, werte sich mit aller Kraft, ich konnte ihn dennoch zum Ufer führen. Was dann zum Vorschein kam verblüffte mich und diese Emotion führte dann zu einem fatalen Fehler. Ich wollte den Coolen raushängen lassen, den Routnier, den Gelassenen und den Fisch rausheben. Ein ungefähr 35cm langes Rotauge ! Was passierte kann sich jeder ausmalen. Natürlich schlitzte der Haken aus. Ich konnte mit meiner Kamera nicht mal das tolle Rotauge festhalten. Wie ich mich danach geärgert habe ist unbeschreiblich. Ob ich es jemals lernen werde?

Spinnfeedern mit grandioser Ausbeute

Kurz Durchatmen, nützt nichts, weiter gehts. Aus Frust einmal die nötige Konzentration nicht aufgebracht und schon landet der Futtekorb dort wo er nicht hin soll, was natürlich ein NoGo ist. Man sollte nicht auf so einem Bock sitzen bleiben, einfach wieder reinholen und neu Auswerfen, die Fische warten am Futterplatz auf eine neue Ladung Futter, nicht daneben. Also Kurbel ich die Montage frustriert relativ schnell wieder zurück zum Absender, aufeinmal rappelt es in der Spitze. Hoppla. Da hat doch tatsächlich ein fingerlanger Barsch beim Einholen meinen Köder geschnappt. Ich hatte ja vor kurzem einen Fangbericht zur Grabenschlacht verfasst wo ich beiläufig erwähnte wie kleine Stachelritter meinem Köder immer wieder folgten. Hier packten sie aber zu !

 

Fehlbissorgie - Kunstköder für die Kehrtwende

Danach folgte eine Orgie von Fehlbissen. Ich erhöhte die Anzahl von Pinkies am Haken ohne Erfolg. Dann kam der Moment der Wahrheit ! Kunstmaden. Ich hatte eine kleine Box mit einer Auswahl an verschiedenen Farben eingepackt. Pink, rot, weiß, kleine rote Maden, mit Glitzer und Imitationen von Castern. Wie ein kleiner Ramschladen. Ich zog mir eine knallige pinke Gummimade auf, kombiniert mit 2 Pinkies. Das schien mir die richtige Antwort auf meine Fragen zu sein. Allerdings empfand ich meinen 16er Haken zu klein dafür, die Hakenspitze hatte recht wenig Spielraum. Aber wie sagt man, Leben am Limit. Wir gehen aufs Ganze und wagen uns mit dieser Präsentation ins Rennen zu gehen.

 

Hat nicht lang gedauert, kurzer Zupfer, sofort der Anhieb, Kontakt zum Fisch. Ich hatte nicht mit einer so schnellen Resonanz gerechnet. Ich rechnete ja mit einem Rotauge, was aber zum Vorschein kam war eine Rotfeder. Mensch, das hatte mir so richtig gefallen ! Rotfedern sind tolle Fische und waren eher seltener Beifang, hier gehen die Goldbarren scheinbar recht schnell an den Haken. Nächster Wurf, noch eines ! Wahnsinn, eine Goldmiene.  

Aller guter Dinge sind 3 oder ? Sollte aber anders kommen. Der Biss war sehr rabiat, ich dachte schon an den Jackpot, der Drill war aber eher Ulkig. Erinnerte an eine Zirkusnummer mit vielen Saltos. Als ich den Fisch sah musste ich lachen. Es musste ja so sein. Pinke knallige Farbe, Kleinfisch im Nahbereich, natürlich müssen sich Räuber einstellen ! Ein Barsch packte meinen Köder. Kein kleiner, immerhin gute 25 cm. Der Unterschied zu meinen Zielfischen wurde sofort klar. Nicht nur die große Futterluke, auch die Intensität des Bisses war einfach anders. Er machte keine halbe Sachen. Oder doch, machte er schon, meine Gummimade war einfach hinüber. Klasse Kerlchen, sofort wieder ins Wasser, auf das du groß wird.

Ich zog eine neue Gummimade auf, sind weitere Überraschungen möglich? Ob noch eine weitere Fischart geht ? Wurf, kurz warten, Treffer. Wieder ein besserer Fisch, dieses mal nahm er aber sofort Kurs auf einen Unterstand. Mit dem Picker gegengehalten, wer jetzt Nachgibt verliert. Ich gab nicht nach. Was zum Vorschein kam war einfach Klasse. Ein richtige starke schöne 31cm Rotfeder. Auf Gummimade. 

Erzwungenes Finish und Fazit zum kurzem Trip

Super dachte ich mir. Ich setzte zum Wurf an, dann blitze bei meinem Hund eine alte Angewohnheit wieder auf. Wenn Herrchen etwas wirft kann ich damit spielen und es holen. Im Tierheim lernte er apportieren aus dem Eff Eff. Er krachte gegen den Eimer, Futter samt Köder landeten im Wasser. Nach 3 Stunden also Finish. Nicht das Wetter oder die Fische beendeten die Session. Es war der Hund. Die olle Sau. Ich nahm es ihm aber nicht Böse, auch wenn ich gern noch weiter gemacht hätte.

-Fazit-

Es war sehr Lehrreich und einige Potentiale können noch ausgeschöpft werden. Sowohl andere Köder, wie das Lockfutter könnten die Ergebnisse steigern. Auch das Fischen mit der Stipprute kam mir in den Sinn, weil ich so den Köder einfach besser vor den Wasserpflanzen präsentieren könnte. Schwimmbrot wäre eine weitere Alternative. Method Feedern, mit Mais angeln. WEIZEN. Um Gottes Willen. Während ich hier vor mich hinschreibe könnte ich schon wieder soviele Ding testen. Aber dazu kommen wir noch.

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Ein neues Hausgewässer - Kompakt

  • Der See ist ca. 7 ha groß
  • Tiefen bis 5,00 Meter wurden ermittelt, auch Flachwasserbereiche wurden entdeckt
  • Picker und leichte Feederrute kamen zum Einsatz
  • Salziges, braunes Lockfutter wurde eingesetzt
  • Es kamen nur Pinkies zum Einsatz
  • Erst der Futterplatzwechsel brachte Fische
  • Gefangen wurden Rotaugen, Rotfedern und Barsch
  • Kunstmade Pink steigerte Fänge
  • Größter Fisch wurde abgesetzt ( Rotauge ungefähr 35 cm )
  • Fang des Tages war eine 31 cm Rotfeder

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