Die Grabenschlacht

Jeden Tag gehe ich mit meinem Hund an einem kleinen Graben vorbei, lasse ihn dort schwimmen, freue mich wenn er der Hitze mit einer Erfrischung entgegenwirken kann und ich in seiner Gunst hoch im Kurs stehe. Irgendwann kam mir der Gedanke mit dem Winkelpicker, meiner liebsten Feederrute, vielleicht mal einen Angriff auf das scheinbar wenig einladende Gewässer zu starten. Was dabei heraus kam, welche neuen Erkenntnisse gewonnen werden konnten und welche Überraschungen zum Vorschein kamen erfahrt ihr im Artikel 

Gewässer kennenlernen - Loten mal anders

Im Vorfeld ist natürlich entscheidend ob ich überhaupt an jenem Graben angeln kann. Oberhalb und Unterhalb der Strecke ist das Wasser nur noch maximal 10 cm flach. Das Zwischenstück seinerseits kommt auf bis zu sagenhaften 40 cm - 50cm. Faule Angler wie ich legen sich einen Hund zu welcher die Arbeit fürs Loten übernimmt. Einfach einen Stock ins Wasser werfen und darauf Achten wann Wuffi anfängt zu paddeln. Hier können wir dann Fischen. Als weiteres entscheidendes Kriterium stellte sich die passende Platzwahl heraus.

Zu meinem Glück fand ich sehr schnell einen kleinen freien und abgestuften Bereich der sich zum Angeln als Ideal herausstellen sollte. Eines stand aber schon fest, lange Ruten finden ihren Meister. Weder würfe Kopfüber, noch das Ablegen von einem Blank über 3,00 Meter Länge würde passen, weil die Spitze dann recht schnell das andere Ufer küssen würde.

Der komplette Verlauf des Baches ist gesäumt von Schilf, gefolgt von Brennnesseln und anderem Gestrüpp. Entweder man legt selbst Hand an ( ABKLÄREN OB ERLAUBT ) oder wir suchen um einen befischbaren Platz zu finden. Gleich noch zur Vervollständigung, meine erste Zecke des Jahres habe ich mir für diesen Fangbericht zugelegt. Der Titel Grabenschlacht bekam so noch mehr seine Berechtigung. Wenn man aber erstmal seinen Platz ergattert hat kann man die neuen Eindrücke genießen. Eine kleine Feldmaus war mein treuer Freund, leider war sie immer flinker wie meine Kamera. Fast immer.

Mein erster Graben - Ein Lernprozess

Ich stellte schnell fest das an diesem Gewässer kaum gefischt und Ruhe unabdingbar sein wird. Logischerweise überträgt das flache Wasser Einflüsse von Außen sehr schnell und kann uns so einen Strich durch die Rechnung machen. Wir müssen nicht zu Steinen erstarren, aber ein gewisses Maß an Zurückhaltung kann nicht schaden. Ein guter Gradmesser war eine kleine Maus die vor meinem Stuhl immer mal wieder Futterreste einsammelte. Ich glaube ruhiger war ich beim Fischen zu meinem Lebtag noch nicht.

Was nützt aber all die Ruhe wenn der feine Herr beschließt 10 Gramm Futterkörbe zu werfen ? Ganz einfach, es nützt rein gar nichts ! Der Aufschlag des Futterkorbes beim Pickern im Graben ist zu Vergleichen mit der Arschbombe vom 3 Meter Turm. Relativ schnell kam in mir der Gedanke auf das meine Taktik eher Kontraproduktiv sein würde. Ich entschloss mich darauf hin den Korb abzumontieren und exakt 3 Gramm Blei auf den Seitenarm zu setzen. Somit war das erste Hindernis bewältigt.

 

Mein Lockfutter hielt ich recht einfach. Etwas Paniermehl, Maismehl, Leinsamen und Maulwurfserde. Die Erde verwendete aus einfachem Grund, ich wollte das Futter dem Gewässerboden anpassen um die Scheuchwirkung so gering wie möglich zu halten. Verwendete Montage war das Koschrig. In der Kurzform erklärt : Eine Durchlaufmontage, die Mittels zweiter freilaufender Perlen auf der Hauptschnur, durch einen Stopper gebremst, an einem Vorfach gefischt wird. Das Vorfach mit der Hauptschnur wird durch einen doppelten Clinchknoten verbunden, am Ende ein Rattenschwanz aufgesetzt und dort wird der Haken dann eingeschlauft. Näheres erkläre ich in einem kommenden Video dazu.

Bei der Wahl der Haken sowie Größe setzte ich auf meine bewährten 16er Haken, welche ein gutes Mittelmaß zwischen Ergiebigkeit und Stabilität darstellen. Die Stärke des Vorfaches betrug 0,12 mm, die Hauptschnur lag bei 0,14 mm. Das Wasser schien mir einfach viel zu flach um mit großen Fischen zu rechnen. Eine kleine 2000er Stationärsrolle sollte definitiv reichen.

Möge die Grabenschlacht beginnen 

Nach meinem schnellen Wechsel vom Futterkorb auf Bleigewichte und der Entscheidung zur Handfütterung konnte ich es kaum abwarten zu fischen. Ich warf nochmals, etwas unsicher, 5 kleine Bälle nach. Dann setzte ich zum Unterarmwurf an. Hierbei gleich erwähnt, es brauchte etwas Zeit und Übung, ich überwarf oft die Futterspur und landete entweder auf meiner oder der gegenüberliegenden Seite im Schilf. Nach einigen Versuchen klappte es aber tadellos. Bevor wir es vergessen, als Köder setzte ich auf Maden und Pinkies. Diesen Ködern schenke ich mein größtes Vertrauen.

Mit großer Vorfreude und Spannung sah ich auf meine 0,5 Oz Feederspitze, die mir jeden feinsten Zupfer anzeigen wird. In solch einem Gewässer können wir kaum von Strömung sprechen, deshalb geht leichtes Geschirr Inordung, lediglich große Fische können sich im Schilf verrennen und Probleme bereiten. Ich hatte ja insgeheim gehofft sofort Bisse zu bekommen, dem war aber nicht so, ganz und gar nicht. Waren die 5 Minibälle schon zuviel ? Was das Aufschlagen der ersten Futterkörbe ein klarer Indikator für die Fische um die Flucht zu ergreifen ? Die Trübung des Wassers ließ auch keine Rückschlüsse auf Bewegung am Futterplatz oder im Graben zu, es folgten viele Gedankenspiele, schon mal Ausreden vorbereiten quasi.

Vielleicht lag es auch an der Köderwahl ? Ich hab mit 3 Maden aufgelegt, was durchaus mutig ist, aber das Wetter war stabil, die Faktoren haben gepasst. Möglicherweise stehen die Fische auch nicht in diesem Abschnitt weil einfach das Wasser fehlt, der Wasserstand lässt ja wie erwähnt keinen wirklichen Fischwechsel zu.

Doch dann sollte es passieren, die Feederspitze ging krumm ! Mein Herz umschlug sich förmlichst, ich hatte das Gefühl der Fisch meines Lebens könnte dort beißen, obwohl schon klar zu erkennen war das es sich um keinen Giganten handeln würde. Ich "drillte" den Fisch, besser gesagt, ich zog ihn aus dem Wasser. Zu meinem erstaunen handelte es sich um eine Rotfeder. Ich hatte eher mit einem Rotauge gerechnet, aber so wirklich eine Rolle spielte es nicht. Vielmehr war sofort meine Motivation ins unermessliche gesteigert.

Futterstrategie - Weniger ist Mehr

Es stellt sich ja oftmals die Frage ob ich nach dem ersten Fisch sofort nachlege oder nicht, ich wollte aber den Lärmpegel so gering halten wie möglich, demzufolge kein Futter mehr nach einigen Fischen. Generell gilt hier zu experimentieren, der Fisch gibt dir vor was er verlangt, der Angler reagiert nur, er agiert nicht. So sollte sich auch für diesen Tag der eingeschlagene Weg mit ersten Lerneffekten sofort Wirkung zeigen.

Die Bisse kamen allerdings nicht hintereinander weg, sie kamen vielmehr vereinzelt, ich würde sagen alle 10 Minuten. Es schien das jeder gefangene Fisch sofort eine unglaublich hohe Scheuchwirkung erzeugte. Ich konnte ein Rotauge fangen, der in meinen Augen zu erwartende Fisch. Davon gab es noch 3 weitere an diesem Tag. Die Auswahl der Köder stellte sich in sofern als Bedeutungslos heraus, das die Menge am Haken kein Faktor zu sein schien. 2 Maden oder 3 Maden, 2 Pinkies und eine rote Made, die Frequenz der Bisse blieb die Gleiche.

Ein weiterer Biss folgte, etwas heftiger. Dieses mal kurz nach dem Auswurf. Der Fisch war ungleich schwerer, hatte eine andere Flucht parat und wollte sich erst so gar nicht zeigen. Ich dachte erst an einen Barsch, aber schnell stellte sich heraus das der Abnehmer eine kleine Brasse war. Habe ich so gar nicht mit gerechnet. Allerdings sind die Gräben mit vielen Gewässern verbunden und oftmals gelangen Fische auf unterschiedlichsten Wegen von A nach B. Schön war es für mich allemal, damit hatten wir Fischart Nummer 3 Überlistet.

Unfassbar Traurig - Der Fehler im Detail ?

Ich fing einige weitere Rotfedern, die Frequenz war immer die Selbe. An einen großen Fisch wollte ich nicht mehr denken. Beim Einholen der Montage fielen mir oft die kleinen Barsche auf, welche den rotierenden Maden folgten. Es war insgesamt sehr Interessant, obgleich ich im tiefsten inneren natürlich den Big Point landen wollte.

Natürlich sollte eine Weisheit beim Feedern oder Angeln im Allgemeinen nicht Fehlen. Der Biss folgt immer dann, wenn du etwas anderes machst. Ich setzte gerade zu einem beherzten Schluck aus meiner Wasserflasche an, da geht die Spitze krumm. Heftiger als alle anderen Anpacker zuvor. Die Flasche flog natürlich, wie es sich gehört, zur Seite. Anhieb gesetzt, Fisch hängt. Der Drill war intensiver, aber der große Fisch war es wieder nicht. Zu meiner Freude konnte ich aber die vierte Fischart Landen. Es war ein kleiner Aland. Wo es kleine Alande gibt, könnten auch große sein ?

Das Drama nimmt seinen Lauf

auch das passt zur Grabenschlacht, ein aufgebogener Haken

Kurz nach dem ersten Aland warf ich den selben Spot sofort an. Nach wenigen Minuten bestand kein Zweifel mehr ob hier Fische mit besseren Maßen vorhanden sein könnten. Meine Feederspitze verneigte sich, machte einen 90 Grad Winkel. Ich setzte den Anhieb und spürte sofort einen energischen Widersacher. Der Fisch nahm die Flucht "Strom ab", die Bremse ratterte. Leider wollte der Knabe einen Ausflug ins Schilf machen oder einen Unterstand aufsuchen, soweit sollte es aber nicht kommen. Ich schloss die Bremse, weniger Momente später löste sich der Druck, der Fisch war weg. Frust, Wut, Trauer. Aber auch ein Lerneffekt, niemals sollte man die Gegebenheiten unterschätzen und sein Tackle genauer kontrollieren. Möglicherweise war die Wahl des Hakens eine Nummer zu Fein, vielleicht habe ich beim Drillen auch einen Fehler gemacht. Was für ein Fisch es war werde ich nicht mehr Erfahren, aber auch hier liegt der Reiz beim Angeln. Am einen Ende der Köder der Schnur, am anderem Ende der Narr. ;)

Fazit

Als abschließendes Fazit möchte ich festhalten das ich gelernt habe ruhiger und bedachter zu fischen, den Einsatz von Futter an neuen Strecken zu reduzieren. Auch der Lärmpegel kann ein entscheidender Faktor sein, geschweige denn eine Annahme vorweg über den Fischbestand zu treffen. Hier lag ich falsch. Ich werde diesen Graben aber sicher nochmals besuchen um meine Erkenntnisse zu vertiefen und weitere Erfolge einzufahren. Wenn du solch eine kleine Perle vor der Tür hast scheue dich nicht und probiere es einfach mal aus, einen Versuch sollte es immer Wert sein! Meine Angelei wird durch die Grabenschlacht in Zukunft auf jeden Fall beeinflusst.

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                      Die Grabenschlacht Kompakt

  • Gefischt wurde an einem kleinem Graben von 2,5m Breite
  • Der Graben war maximal 50cm tief
  • Zum Einsatz kam der Winkelpicker
  • Der Hund hat gelotet
  • Es wurde erst mit Futterkorb geangelt, dann auf Blei gewechselt
  • Futter wurde per Hand eingebracht
  • Köder waren Pinkies und Maden
  • Gefangen wurden Rotfedern, Plötzen, eine Brasse und Aland
  • Ein größerer Fisch ging verloren

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