Der Winkelpicker-Filigran auf Friedfisch

Leichtigkeit in absoluter Perfektion

Ein Winkelpicker ist die Nadel unter den Angelruten. Fein, schlank, geringe Wurfgewichte und relativ kurz. Teils fingerdicke Blanks, die sich schon komplett Aufladen, wenn ein Blei von 20g ausgeworfen wird. Winkelpicker sind oft parabolisch, biegen sich also bis ins Handteil durch um im Nahbereich nicht zu Steif und Straf zu agieren. So wird ein Ausschlitzen vermieden. Zum Einsatz kommen sehr feine Spitzen im Bereich von 0,5 OZ bis 1,0 OZ.

Der Winkelpicker - Die feinste Art des Grundangelns

Mit Bleischroten zum Fisch

Der Winkelpicker ist der feinste Weg des Feederns. Wir greifen auf sehr dünne Schnüre zurück, werfen kleine Bleie oder sehr leichte Futterkörbe bis 10g und genießen die Leichtigkeit dieser tollen Angelei. Seinen Ursprung hatte das Grundangeln mit dem Winkelpicker, wie vieles, in England. Im Gegensatz zur heutigen Zeit hatte der Vorgänger keine Wechselspitzen, diese waren in der Rute fest integriert. Dienlich waren Winkelpicker in erste Linie für das feine Angeln auf Rotaugen an schmalen Kanälen, Flüssen und sehr kleinen Gewässern. Wer die Pose nicht mochte griff zum kleinen Picker und erarbeitete sich so seinen Weg zum Fisch. In der heutigen Zeit finden wir diesen Typ Feederrute nur noch spärlich, was wohl am Feldzug der groben Angelei liegen dürfte. Einige Händler führen noch Restbestände, andere nahmen sich der Sache an und produzierten neue Modelle. Dieses mal mit Wechselspitzen, von 0,5 oz bis 1,0 oz. In der Regel liegt die optimale Länge bei 2,40m, es gibt aber auch Modelle welche etwas schwerer ausgelegt sind und bis 2,70m lang sein können. In England werden nicht, wie bei uns üblich, Wurfgewichte angegeben, sondern die Fischbarkeit der Rute anhand der Schnurstärke dargestellt. Solltest du also im englischen Versand nach einer Winkelpickerrute suchen sind Angaben in der Schnurstärle von 2lb-4lbs ein guter Gradmesser.

Mittlerweile gibt es auch schwere Winkelpicker, sogenannte Carp-Picker. Ideal für das fischen im Nahbereich auf größere Weißfische oder Karpfen. Im Ansatz erinnern sie an Ruten zum Method Feedern, obgleich sie ewas kürzer ausfallen. Der Vorteil von entwickelten kurzen Ruten für den Nahbereich im Friedfischangeln ist die parabole Aktion. So ist der Winkelpicker in seiner Beschaffenheit sehr weich, beinahe durchgehend und kann im Drill nicht selten sich sehr stark Krümmen. Diese Eigenschaft hält den Fisch aber auch am Haken, die harten Stöße und fluchten werden über den Blank besser abgepuffert. Mit einer harten Rute wäre die Anzahl an Aussteigern wesentlich größer.

Das Gefühl beim angeln mit dem Winkelpicker ist sehr intensiv. Wir können jeden Biss mit dem Finger am Blank fühlen, ein Einsteigen von oberflächennahen Fischen wie dem Ukelei bemerken wir sehr schnell. Der Drill ist spannend, schön und im Winter schonender für den Fisch, er wird nicht so massiv aus dem Wasser befördert wie mit steifen, schonungslosen Gerten. Für mich ist der Winkelpicker zum festen Bestandteil meines Lebens geworden, weil er mir mit seiner Leichtigkeit immer wieder vor Augen hält wie kompliziert wir uns die Dinge eigentlich machen.

Der Zielfisch am Winkelpicker - Weißfische satt

Nicht die Größe zählt, sondern der Erfolg

An der Schilfkante im kleinen Fluss herrscht reges Treiben, die kleinen Brassen durchstöbern mit ihren Mäulern den Untergrund, an der Oberfläche erspähen wir gierige Lauben beim Schnappen nach Insekten. Immer mal wieder können wir Rotfedern im Schein der Sonne vor unseren Füßen vorbeiziehen sehen. Die Rotaugen schmatzen vergnügt an der Krautkante. All diese Fische mit ihrem typischen Verhalten sind in erster Linie der Zielfisch am Winkelpicker!

Der Winkelpicker ist Ballet, Feedern ist Heavy Metall. Ähnlich sieht es mit der Wahl des Zielfisches aus, so orientiert sich das Pickern an typischen Weißfischen wie Brassen, Rotaugen, Rotfedern, Lauben, Güstern und mittleren Alanden und Döbeln. Bis auf letztere erreichen allesamt eine genormte Größe, welche feines Grundangeln rechtfertigen undb auch Notwendig machen. Schwarmfische sind ideale Beute für diese Methode des Grundangelns, so wollen wir uns beim Fischen auch beschäftigt wissen und sind immer dem Versuch erlegen die Kirsche vom Kuchen zu pflücken. Rotfedern können mit einem langen Vorfach, das verführerisch Richtung Gewässerboden tänzelt, gezielt befischt werden. Oberflächennahe Fische folgen den Ködern gern bis zum Grund, wenn wir ihnen das richtige Futter anbieten und das Gewässer nicht zu tief ist. Das Rotauge ist der typische "Pickerfisch". Im späten Herbst und Winter stellen wir den Silberbarren nach, schnipsen mit der Hand Köder an den Futterplatz und bieten an unauffälligen Bleien Hanfkörner an. Große Rotaugen sind ein genußvoller Drill am leichten Geschirr.

Brassen begleiten uns vom kleinsten Graben bis zum größten Fluss. Ein Spiel auf Zeit am Winkelpicker, wenn richtige Klodeckel mit ihren wulstigen Saugmäulern den Köder inhalieren. In meinen Augen eignet sich der Winkelpicker auf Brassen nur bedingt, gleiches gilt für sehr kampfstarke Fische wie der Schleie oder dem Karpfen. Als Methode auf diese Kaliber empfehle ich lieber Heavy Metall ( Feedern, Carp-Picker) aber auch Tinca Tinca und Cyprinus Carpio können mit Geschick und Gefühl gelandet werden. Die Eigenschaften des Winkelpickers machen es möglich. Also keine Sorge, die Bremse richtig einstellen und auf keinen Fall den Kopf verlieren. Dieses Tauziehen gewinnt der Fisch, wenn du es auf ein Kräftemessen anlegst. 

Auch Ukeleis lassen sich gezielt mit dem Winkelpicker befischen, ich würde behaupten am effektivsten, wenn es um das leichte Grundangeln geht. Mit sehr leichten Futterkörben und wolkenerzeugendem Futter wird dir sehr schnell eine Hafensprotte an den Haken gehen. Insgesamt können wir festhalten: Der Winkelpicker besticht auf Weißfisch. Alles andere ist Bonus. So können sich kleine Döbel bis 30cm oft Beifang sein und sich auf den Futterplatz stellen. Der Döbel neigt zum Schwarmverhalten und wird erst mit einer gewissen Größe zum Einzelgänger. Der Aland ist nicht Unweit und ebenfalls ein Gast am Haken, auch hier gilt Vorsicht. Große Alande können richtig gut tanzen. 

Der Winkelpicker kann an vielen Gewässern eingesetzt werden. Im tiefsten Dschungle voller Kraut, geäst und Steinen, können kleine Bleischrote besser funktionieren wie Futterkörbe und Co.!

Einige Bilder von Gewässern mit erfolgreichem Pickereinsatz:

Ein Hafen

Häfen sind Becken ohne Struktur, lediglich Steine,Spundwände und Schotter zieren oft die Böschungen. Im Hafen kommt man mit dem Winkelpicker gut klar, lediglich große Brassen verlangen einiges an Gefühl ab. Gerade kleine und schmale Häfen müssen nicht mit langen Ruten befischt werden!

Ein Parksee

In Parkseen findet sich oft ein guter Weißfischbestand vor. Dafür mangelt es an Räubern und logische Konsequenz ist Verbuttung. Der Winkelpicker ist hier eine exellente Wahl. Nur im Nahbereich aufpassen, hier entsorgt der Bürger gerne seinen Müll. Rausgeholt habe ich an solchen Seen fast alles an Unrat.

Ein kleiner Fluss

Kleine Flüsse weisen geringe Strömungen und fischbare Strukturen vor. Der Zielfisch kann das Rotauge oder die Brasse sein. Generell stehen Flüsse mit vielen Gewässern in Verbindung und dementsprechend sind es kleine Wundertüten. Rechne mit allem, sei auf der Hut!

Ein Graben

Gräben, vielleicht 3 Meter breit, knietief, aber dennoch voller Fisch. Ein Winkelpicker ist für diese Gegebenheiten geboren worden und spielt an solchen Gewässern mit großen Überraschungen seine stärken voll aus.

Schmaler Teich

Teiche, auch solche, sehr schmal und mit vielem Kraut gesegnet machen die Fischerei auf hohe Distanzen überflüssig. Mit dem Picker können wir bis ans andere Ufer werfen, die Fische gefühlvoll ausdrillen und mitten im Dickicht agieren wo lange Stangen hinderlich wären.

Kleiner Kanal

Kleine Kanäle, aber auch Polder sind ebenfalls der Grund warum der Winkelpicker überhaupt existiert. Sie sind fischrech, wollen aber filigran befischt werden. Auf dem Bild kann man eindeutig die schmale Beschaffenheit sehen. Prädestiniert für unsere kurze Feederrute.

 

Der Winkelpicker - Rutenzusammenstellung

Rute, Rolle, Schnur

Leichtes Grundangeln bedarf keiner großen Rollen, wie sie oft an Feederruten zu sehen sind. Diese Pötte würden die Balance am Winkelpicker nur stören. Wir setzen auf kleinste Rollen, dünnste Schnüre und sehr kleinen Bleien. Winkelpickern ist Kunst, keine Arbeit im Steinbruch!

Wahl der Schnur und Rolle

Gemäß einem Naturgesetz wird bei der Zusammenstellung eines Winkelpickers auf sehr dünne Schnüre gesetzt. Ich tendiere bei der Wahl der Schnur zwischen 0,14mm und 0,18mm. Es steht immer ein Wenig in Abhängigkeit zur Jahreszeit und dem Zielgewässer, aber auch den Gegebenheiten vor Ort. Umso kälter es wird, desto feiner fische ich. In der warmen Jahreshälte achte ich bei der Wahl der Schnurstärke auf jeden Faktor der einen Fischverlust bedeuten könnte. Also Hindernisse, Schnurabrieb durch Schotter, Steinen, Kanten oder vermülltem Boden. Wenn der Gewässerboden es zulässt und hergibt versuche ich immer feiner zu werden! 

Ich nutze gern farbliche Schnur, als kleiner Tipp, weil diese gut Sichtbar ist und bei widrigem Sonnenlicht immernoch gut beobachtet werden kann. Lediglich bei sehr klarem Wasser greife ich auf transparentes Monofil zurück. Mit dem Schnurclip arbeite ich beim Winkelpickern nicht, auf Distanzen bis 15m ist das Einklippen der Schnur in den Schnurklipp nicht notwendig. Ausnahmen machen nur sehr kalte Wintertage, um Punktgenau mit dem Futtekorb zu füttern. Aber vorsicht! Gewaltwürfe mit dünnen Schnüren enden schnell mit Schnurbruch am Clip. Deshalb immer gut Abpuffern, sprich die Rute nach oben halten bis die Schnur stoppt. Erst dann die Rute runternehmen und ablegen. Rollen in der Größe 2000 haben sich etabliert.

 Wahl der Futterkörbe oder Bleie

Historisch betrachtet wurden nur Bleie am Winkelpicker gefischt. Oft leichter als 5g, einzelne Schrote am Seitenarm, gerade soviel, das die Schnur gespannt werden kann. Diese Art des Pickerns vollziehe ich gern im Winter, wenn der Einsatz von Futter sehr gering gehalten werden muss. Ich setze dabei auf verschiedene Bleimodelle aus England. Kurioserweise erhält man in Deutschland nur "Discokugelähnliche" Grundbleie mit Reflektionspotential einer Brennlinse. Warum das so ist kann ich nicht beantworten, aber mit feinem unaufälligem Angeln haben Tellerbleie wie im Bild nicht zu tun. Einfache Kugelbleie bis 5g tun ihren Dienst aber auch. Kleine Futterkörbe von 5g bis 10g sind ebenfalls zwecktauglich. Im kleinen Fluss nutze ich solche Modelle sehr gern. Schwere Futterkörbe sind nicht mehr werfbar oder nur ungenau, der Winkelpicker ist dafür einfach nicht ausgelegt.

Welche Montagen nutzen wir am Winkelpicker?

Ich setze entweder auf Durchlaufmontagen einfachster Natur oder mein eigenes Pickerrig. Wichtig für mich ist immer eine sensible Bissanzeige. Am Einfachsten ist ein gebundener Seitenarm aus Schnur der an eine Perle gebunden wird. Einfach ein Stück Schnur einschlaufen oder Anknoten. Diese Perle mit Seitenarm kommt auf die Hauptschnur, dann einen Gummistopper (alternativ geht auch ein kleines Blei) einziehen und das Vorfach entweder über Schlaufe in Schlaufe einziehen oder mit dem Rattenschwanz befestigen. Auf einen Wirbel verzichte ich, er würde nur zusätzliches Gewicht darstellen und an schweren Tagen mit sehr sensilben Bissen hinderlich sein. Da wir auf sehr kurze Distanzen Angeln ist ein verdrallen der Schnur so gut wie nicht vorhanden. Das liegt aber auch an der Kombination mit kleinen Rollen. Kleine Rollen haben kleinere Spulköpfe und einen kleineren Schnurzeinzug, diesem Umstand geschuldet ist durch die geringere Einholgeschwindigkeit ein Verdrallen absolut minimiert.

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Der Winkelpicker Kompakt

  • Wurgewicht bis 20 Gramm

  • Ideal sind Winkelpicker 1,80m bis 2,70m lang

  • Der Winkelpicker ist für den Nahbereich geschaffen
  • Im Winter und Frühjahr eine gute Wahl
  • Handlich, kann auch schwer zugänglichen Stellen gefischt werden
  • Günstig in der Anschaffung
  • Wird mit Bleien anstelle von Futterkörben gefischt
  • Leichter Transport

Fänge mit dem Winkelpicker

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