Angelblei Verbot

Europäische Union startet Diskussion über Verbot von Angelblei

In Alle Inhalte, Rund ums Wasser by Christoph Heers3 Kommentare

Mein feuchtfröhlicher Freund des Friedfischfischens, ein Verbot vom Angelblei bahnt sich im europäischen Raum in den nächsten Jahren an. Der deutsche Angelfischereiverband veröffentlichte daraufhin ein in meinen Augen zumindest fragwürdiges Statement zur Einordnung der Faktenlage. Ein Kommentar vom 16er-Haken über das Angelbleiverbot. Viel Spaß beim Lesen!




ECHA plant ohne wissenschaftlichen Nachweis ein Bleiverbot für Angler

Der DAFV, seines Zeichens größter Dachverband deutscher Angler, veröffentlichte am 11.02.2021 eine Stellungnahme zum geplanten Verbot von Angelblei initiiert seitens der Europäischen Chemieagentur, kurz ECHA. Ein kontroverses Thema mit Diskussionspotential, welches sich an den wissenschaftlichen Fakten orientieren sollte. Fakt ist: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien zur negativen Auswirkung durch eingetragene Angelbleie in den Ökosystemen und erneut soll ein weitestgehend unbegründetes Verbot den Europäern auferlegt werden!

Das Angelblei, verloren bei welcher Angeltechnik auch immer, oxidiert schlicht am Gewässergrund und verkapselt sich anschließend im Sediment. Eine Lösung, der Fachmann spricht vom Abrieb feiner Bleipartikel, der Angler vom Toilettengang, findet unter solchen Bedingungen selten oder überhaupt nicht statt. So sieht der wissenschaftliche Stand der Dinge im Jahr 2021 aus. Die ECHA bekräftigt ein angedachtes Verbot weiterhin wegen einer Schadwirkung vornehmlich an Vögeln durch versehentlich verzehrte Bleischrote.

Bleieintrag deutsche Gewässer
Erhebungen für den Bleieintrag in deutschen Gewässern. Quelle: Umweltbundesamt

Im Übrigen: Die ECHA will dieses Verbot mit einem Eintrag von bis zu 6000t Angelblei jährlich in den europäischen Gewässern unterstreichen. Gestützt wird diese These allerdings nicht über nachvollziehbare Messwerte, sondern vorerst nur an den blanken Verkaufszahlen. Wichtig zu wissen: Das Bundesministeriums für Umwelt beziffert den jährlichen gelösten und somit messbaren Bleieintrag seit der letzten Erhebung auf 300t in Deutschland. Hauptverantwortlich sind gewiss nicht Angler oder Jäger, sondern Ausschwemmungen von Industrieprodukten über die angrenzenden Böden.

Der nachweisbare Eintrag hat sich seit 1985 sogar um stolze 600t (!!!!) reduziert, ein Verbot vom Angelblei scheint mir deshalb blinder Aktionismus zu sein. Eine ähnliche Herangehensweise zeigte sich auch beim Steckenpferd der EU, der wichtige, aber mancherorts knallhart durchgesetzte Vogelschutz grüner Umweltministerien. Der Naturfreund erkennt diese Diktatur spätestens am Betretungsverbotsschild der Natura 2000 Gebiete. Ein Verbot vom Angelblei bietet zwar viel Spielraum für Diskussionen, aber stand jetzt wenig wissenschaftlichen Background. Kompromisse? Gerne! Einschränkungen via Münzwurf? Nein Danke!



DAFV positioniert kryptisch zum geplanten Verbot von Angelblei

Keine Frage, jeder Schritt zur Wahrung einer gesunden Umwelt ist ein Schritt in die richtige Richtung, die Faktenlage zeichnet aber ein willkürliches Verbot vom Angelblei für die europäischen Mitgliedsstaaten ab. Und jetzt kommt der DAFV mit seiner Veröffentlichung ins Spiel. Er katzbuckelt vor der EU und tritt seinen Mitgliedern nach der Natura 2000 Verordnung wiederholt über eine passive Rolle in die Bauchflosse! Keine Gegenwehr, keine Lobbyarbeit, kein symbolischer Widerstand, stattdessen nur gefühltes Blumenpflücken mit der ECHA.

Vielmehr wird ein Angelbleiverbot im Pressebericht sogar unterschwellig gefördert und argumentativ mit Stilblüten untermauert. Es sei verkraftbar, weil in Dänemark bereits seit 22 Jahren alternative Rohstoffe im Angelkoffer zu finden sind und die Queen fürsorglich ihre Schwäne an der Themse zählt. Mein persönliches Highlite ist allerdings das abschließende Fazit und der Hinweis seitens des DAFV auf eine nicht zwingende Studienlage zum Angelbleiverbot. Der Anglerschaft wird kurz darauf geraten, sich wegen eines „könnte schadhaft sein“ der nicht aufgeklärten und schnell urteilenden Öffentlichkeit zu unterwerfen. Das Schlusswort vom DAFV zum Verbot vom Angelblei ist ein Eiertanz par excellence:

Man kann viele Argument der ECHA in Zweifel ziehen, die Studienlage ist nicht zwingend und lässt aus unserer Sicht in vielen Aspekten keine klaren Schlussfolgerungen im Sinne Ursache-Wirkung zu.

Auf der anderen Seite scheint es unvorstellbar, dass die Öffentlichkeit dem Angeln auf Grundlage der aktuellen Informationen einen Freibrief für den unbestreitbaren Eintrag von Blei in unsere Gewässer langfristig ausstellt. Recht haben und recht bekommen sind bekanntlich zweierlei paar Schuhe.

Eine grundlegende Verweigerungshaltung, sich dem Thema zu stellen, wird langfristig wohl nur Verlierer hinterlassen. Dem Anschein, dass es möglicherweise schädlich sein könnte und dazu über tausende von Jahren in den Gewässern überdauert, kann man wohl kaum etwas entgegensetzen.

Es gibt ganz sicher keinen gleichwertigen Ersatz für das Blei beim Angeln. Auf der anderen Seite gibt es in Dänemark bereits seit 22 Jahren ein Bleiverbot und es ist uns nicht bekannt, dass dort das Angeln nicht mehr möglich wäre – im Gegenteil.

DAFV am 11.02.2021 auf seiner hauseigenen Internetseite über das Angelbleiverbot

Wie liest sich dieses Statement seitens des DAFV zum angedachten Angelbleiverbot? In meinen Augen wurde der Kampf noch nicht einmal aufgenommen, da schwenkt der deutsche Dachverband bereits die weiße Fahne. Etwas anderes lässt sich aus diesen Zeilen nicht entnehmen. Es gleicht vielmehr einer Offenbarung und zeigt auf, mit welcher Inkonsequenz allen geplanten Angelverboten in Deutschland begegnet wird. Ganz im Gegenteil, der DAFV empfängt speziell diese Einschränkung scheinbar mit offenen Armen.

Die Zeche, der alternative Bleiersatz, zahlt wiederum der deutsche Angler. Wie schmerzhaft wird diese Erfahrung sein? Ein Kilogramm Blei kostet zirka 2€, darf also als recht günstig gelten. Der naheliegendste Ersatz hört auf den Namen „Wolfram“, auch bekannt als Tungsten und liegt bei schlappen 24€ pro Kilogramm. Der Rohstoffpreis für Jigköpfe, Futterkörbe, Bleischrote oder Grundbleie steigt nach einem Bleiverbot salopp gerechnet um läppische 1200%. Nicht eingerechnet sind etwaige Steuern, Löhne und Dienstleistungen. Einfach hinnehmen, das Geld fällt schließlich vom Himmel, die Queen zählt ihre Schwäne und in Dänemark ist die Welt perfekt……

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Über den Autor

Christoph Heers

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Hallo! Mein Name ist Christoph Heers und ich bin die Person hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich schon Angler, mit vielen Wassern gewachsen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Meine Mission - die Erfahrungen mit dir zu teilen! Du wirst auf meinem Blog viele Strategien, Tipps und Tricks über das Feedern, Stippen, Winkelpickern und Matchangeln, aber auch Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander vorfinden!

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Kommentare

  1. Soweit ich weiß ist doch Tungsten, also Wolfram, auch gesundheitsschädlich – es erhöht die Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen. Es wird also eng für uns Anglern 🙁

  2. Für mich als Allround Angler schwer umzusetzen….
    Beim karpfenangeln werden ja gewisse Steine als Bleiersatz angeboten, aber beim Posenangeln oder Gummifischangeln an hängerträchtigen Stellen nicht möglich….

    1. Author

      Ein Bleiersatz ist sicherlich ziemlich schnell gefunden, nur zu welchem Preis? Ein deutscher Staatsbürger kann sich Jigs, Schrotbleie oder Futterkörbe aus kostspieligem Tungsten (Wolfram) murrend leisten, der klamme Pole oder Tscheche auch? Und wer will nach einem Bleiverbot eigentlich die Kontrollen am Anglern durchführen?

      Um beim Thema zu bleiben: Der Stipper aus England verwendet „Non Toxics“, sogenannte bleifreie Schrote. Der Kunstköderfanatiker greift stand jetzt auch auf Tungsten zurück, ist preislich wie bereits erwähnt recht kostspielig. Hier ein Beispiel*. Richtig teuer wird es dann für schwere Gewichte, etwa beim Strömungsfeedern, Karpfen oder Hochseeangeln.

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