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Angeln mit geschroteten Leinsamen im Futter: Der Bachflohkrebseffekt!

Geschrotete Leinsamen gehören zu einer Reihe von Standardpartikeln in meinen Futterrezepten, welche praktischerweise im Supermarkt griffbereit stehen, vergleichsweise günstig sind und einen Effekt imitieren, dem Fische kaum widerstehen können. Lass mich dir erklären, warum und wie ich geschrotete Leinsamen im Angelfutter einsetze.

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Insektenschlupf aus dem Supermarkt

Ich glaube, das sich die allermeisten Friedfischangler auf Aromen fixieren und dabei vergessen, das es weitere, nicht minder wichtige Stilmittel des Lockens oder Betörens gibt. Geräusche, Farben, Wolken oder Schwebteile etwa. Fischsinne lassen sich unterschiedlich bespielen, so unterschiedlich wie diese Sinne selbst sind und das Ergebnis, die Idee dahinter, ist stets gleich bedacht. Im Versuch jedenfalls. Mehr zu fangen. Stell dir Bachflöhe vor, die hastig aus den Futterkorbmaschen preschen. Immer und immer wieder, bis sich umherstreifende Fische instinktgesteuert der Sache annehmen und komplett ausrasten. Nunmehr ungehemmt über den Futterplatz stiebern, im Glauben an schnelle Nahrung, dem fleischgewordenen Traum mit vielen kleinen Beinchen, der sich im offenen Wasser mühelos wegsnacken lässt. Nichts anderes versuche ich mit geschroteten Leinsamen in meinem Angelfutter darzubieten. Vom besten Lehrmeister gelehrt, der Natur selbst.

Leinsamen sind ein visueller Reizgeber. So ordne ich diesen Partikel in meiner Futterphilosophie ein. Als Aktivator, der Aufsehen durch Sichtbarkeit erzeugt. Ein Lockstoff für die Augen, der als hüpfende Schale in der Wassersäule umhertanzt oder verführerisch von der Strömung in Zonen getragen wird, wo Schwärme verweilen. Diese dem Tohuwabohu bis zur Quelle folgen, dem Futterplatz. Auch wenn geschrotete Leinsamen unscheinbar wirken, für Fischaugen sind sie es nicht. Die natürliche Nahrung ist größtenteils klein und quirlig. Hat Stecknadelkopfgröße. Es ist eine Frage der Perspektive und sicherlich nicht der Unsrigen.

Zu den Aktivatoren zählen auch Futterzutaten wie Quetschhanf, Rösthanf*, Koriander, Kokosraspeln oder feine Maismehle (Wolkenbilder). Allesamt tragen ähnliche, synergetische oder kontraproduktive Effekte ins Futter. Jedes Stilmittel steht dabei für sich und keines davon ist besser gestellt. Mir liegt diese Denkweise sowieso fern, ich betrachte alles als Alternativen im jeweiligen Kontext zueinander. Angler machen oft den Fehler nach dem heiligen Grahl zu suchen, den es nicht gibt. Das sind weder geschrotete Leinsamen noch der nächste Wunderköder. Es gibt Optionen und Situationen. Denn merke dir, in Fischen wohnt die Willkür und diese folgt keinen Formeln. Geschrotete Leinsamen haben aber trotzdem eine Superkraft: Sie sind günstig und in jedem Supermarkt erhältlich. Das ist mir persönlich und für meine Friedfischangelei schon viel wert.

geschrotete und ganze Leinsamen aus dem Supermarkt und Lockfutter

Bachflohkrebseffekt durch geschrotete Leinsamen im Angelfutter

Ich nenne ihn den Bachflohkrebseffekt, den geschrotete Leinsamen am Futterplatz auslösen. Die Hülsen und Schalenfitzelchen sehen wie Zooplankton aus, der im Wasser munter umhersäuselt. Zooplankton ist DAS Grundnahrungsmittel aller Fischarten. Sowas wie Bachflöhe, Bachflohkrebse, Mückenlarven oder Hüpferlinge, welche einen Großteil der Nahrungskette ausmachen. Fische sind Instinktiv darauf geprägt. Was sich bewegt ist Nahrung und dementsprechend unweigerlich Beute, für die es sich anzustrengen lohnt. Geschrotete Leinsamen bringen das und darüber hinaus einen weißen Kern mit, dieser haftet den Schalen an und erzeugt farbliche Wechselspiele beim Flankieren oder der Nabelschau auf dunklen Untergründen. Bewegungs und Farbreize sind beim Friedfischangeln schon ziemlich geil. Beides zusammen umso besser.

Friedfische fressen Leinsamen natürlich auch. Sie stecken voller Eiweiße, Fette und wertvoller Mikronährstoffe. Haben einen nussigen Geschmack. Sämereien sind, obwohl nicht mit Fischen assoziiert, keineswegs für diese eine unbekannte Nahrungsquelle. Durch Hochwasserlagen, an Verladehäfen oder gewässernahen Feldarbeiten gelangen alle möglichen Getreidesorten und Samen in die Nahrungskette. Vögel verlieren sie bei der Gewässerüberquerung. Aus dem Schnabel und dem….Anus. Darum lauern Rotaugen und Rotfedern u.a. unter Bäumen oder Brücken. Alles Gute kommt wohl von oben. Helle Futterwolken funktionieren auch deshalb so gut, das sei aber nur am Rande erwähnt.

geschrotete Leinsamen imitieren Bachflohkrebse am Gewässergrund eines Sees

Unkomplizierte Funktionsweise

Funktionell lässt sich ein einfacher Handlungsleitfaden zusammenfassen. Geschrotete Leinsamen üben den Bachflohkrebseffekt über die Futterbindung sowie dem simplen Anpressdruck eines Futterballes oder dem Futter im Futterkorb aus. Dafür braucht man kein Abi, das Schauspiel folgt methodenübergreifend stets dem gleichen Prinzip. Futterball oder Futterkorb landen am Zielort, die Mehle zerfallen und geben dabei geschrotete Leinsamen frei. Über die Schrotmenge in meinen Rezepten und dem Bindefaktor des Futters steuere ich lediglich wie intensiv und kontinuierlich sich der Bachflohkrebseffekt entlädt. Ich bevorzuge vermehrtes, aber wohldosiertes Beifüttern mit geschroteten Leinsamen, um so einen permanenten Partikelstrom zu erzeugen. Bei meiner Schmelzwasserangelei auf Februar Rotaugen habe ich genau das beispielsweise mit einem winzigen Futterball alle 4 Minuten getan.

Weniger wert hat es in meinen Augen, alles Futter abzukippen und das gewollte, einen Schwebteilestrom, ein einziges Mal einzufädeln und danach sich dem Schicksal in seinem Angelstuhl zu ergeben. Die Friedfischangelei ist aktiv, das Spiel mit dem Fischschwarm ist es und so sehe ich auch die Fütterung. Friedfische wollen verführt und überzeugt werden. Lieber einen kleinen Futterkorb* alle 3 Minuten mit geschroteten Leinsamen anbieten, einen sinnvollen Reiz setzen, mal Anklopfen und Hallo sagen, als einen riesigen Futterkorb alle 15 Minuten. Das ist Öde. Für Mensch UND Fisch. Erster sitzt und wartet, zweiterer schwimmt irgendwann desinteressiert davon. Es reicht nicht, nur Anzufüttern. Richtig und sinnvoll Anzufüttern ist die Kunst.

Die Leinsamenschrotfreigabe wird ebenfalls von der Strömung, Montage und dem Fisch selbst beeinflusst. Das Futter begräbt die Hülsen teils unter sich, diese werden durch Wühlerei oder Schwanzflossenschläge mobilisiert. Futterkörbe rutschen übers Futter und geben Schrote frei. Bootsverkehr. Krabben. Mir ist mal ein Bieber über den Futterplatz am kleinen Fluss gerauscht. Auch das zählt. An Stillgewässern fängt der Wasserdruck je nach Wassertiefe die Schrote wieder ein und hält sie am Gewässergrund, sie steigen auf und sinken ab, dadurch entsteht ein wechselseitiger Wassersäulentanz. Andernfalls, bei der Flachwasserangelei und in der Strömung sowieso, treiben auch Anteile bis zur Wasseroberfläche und von dort ins Nirwana. Daran gibt es nichts auszusetzen, solange der Futterplatz weiterhin aktiv ausgestaltet und mit Ködern versorgt bleibt. Schwebteile lassen sich ohnehin nicht vollständig in ihrem Wirkradius eingrenzen, die Nachteile sind dennoch überschaubar.

Futterbälle mit geschroteten Leinsamen

Partikel Empfehlung vom 16er-Haken

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Stilmittel für schnelle und viele Bisse

Geschrotete Leinsamen sind tendenziell ein Stilmittel für kleine bis mittlere Fischgrößen, einhergehend mit vielen Bissen, möglichst vielen gefangenen Fischen und einem aktivieren Angelstil beim Stippen, Feedern, Winkelpickern oder Matchen. Köderfischangeln ebenso. Ich würde den Rahmen besonders um Fischarten ziehen, welche Nahrung mit den Augen geschickt anvisieren. Rotaugen, Rotfedern, Alande, Döbel, Ukeleis, Güstern oder Karauschen. Allesamt sind Futterschwebteilen zugeneigt, vom ersten bis zum letzten Sommer. Das Nahrungsspektrum jener wird im Alter zwar breiter, das ändert aber nichts daran, das beispielsweise kapitale Alande oder Rotfedern nach winzigen Käfern schnappen. So richtig winzig. Alleine deshalb ist es schon ein Fehler zu glauben, das aktives Futter ausschließlich ein Kleinfischstilmittel sei.

Das Problem ist eher, das sich jeder Großfisch abertausenden Kleinfischen gegenübersieht, sobald Schwebteile im Futter eingesetzt werden und diese deshalb ein mit Vorsicht zu genießender Multiplikator sind. Ich fange trotzdem jedes Jahr unzählige Rotaugen über der Pfundklasse beim Feederangeln an der Elbe mit geschroteten Leinsamen im Futter. Es ist auch eine Taktik, Platzwahl, Fischbestand und Risikoabwägungsfrage. Der Bachflohkrebseffekt wirkt auf breiter Front, das ist an sich effektiv, aber gleichzeitig kaum selektiv, weshalb ich mich bei der Angelei auf Brassen, Schleien, Barben oder Karpfen mit geschroteten Leinsamen etwas zurückhalte.

Nicht weil sich bodenfressende Großfischarten daran stören, defakto wird durch deren Gewühle jeder Futterplatz von selbst aktiv. Es geht mir eher darum, das sich Kleinfische gar nicht erst auf den Futterplatz einstellen und die Anzahl möglichst gering bleibt. Deshalb wird in passives, semipassives und aktives Futter unterschieden. Als Selektion, der versuchten Chancensteigerung. Aktives Futter schließt Großfische und deren Interesse daran aber nicht aus. Das ist Unsinn. Es schließt alle Fische von Fingerlang bis Meterlang ein und das ist eben der schwierige Knackpunkt. Geschrotete Leinsamen für viele Bisse, keine für gezielte Bisse. So würde ich diesen Absatz zusammenfassen.

Christoph mit gefangen Rotfedern und Rotaugen im Kescher mit geschroteten Leinsamen

Verdauungsfördernde Eigenschaften

Leinsamen erzielen wie Hanfmehle ebenfalls eine verdauungsfördernde Wirkung im Futter. Bedingt der Schleimstoffe, welche in einer Vielzahl von Sämereien vorkommen und auch beim Menschen den Stuhlgang aus der Röhre flöten. Mein Hund hatte früher seine Schnute ständig im Futtereimer, bei ihm wars ähnlich. Wir kehrten heim und ich konnte gleich wieder Gassi gehen. Bei Friedfischen verhalten sich geschrotete Leinsamen identisch. Mit jeder Stunde meiner Angelei mehr Scheißen mir manche Exemplare beim Abhaken auf die Hand. Hanf oder Leinsamenschiss. Sieht ein bisschen wie Taubenkot aus. Vorteilhaft daran ist, das Fische mehr fressen und somit mehr im Verlaufe des Angeltages gefangen wird.

Dosierung von geschroteten Leinsamen im Lockfutter

Ich veranschlage bis zu 125g geschrotete Leinsamen pro Kilogramm in meinem Lockfutter (halbe Tüte). Abhängig davon, wo ich mit welchem Fischaufkommen rechne, um welche Fischart es sich handelt und wie groß die Gefahr ist, von fingerlangen Weißfischen überrannt zu werden. Das kann beim Speedfischen oder Köderfischangeln aber auch so gewollt sein. Beziehungsweise im Winter, wenn jeder Biss zählt und die Angelei so schwierig ist, das ich mitnehme was kommt. Einen Fertigfutter kann jederzeit eine kleine Handvoll Leinsamenschrot beigemengt werden, damit es in seinem Charakter erweitert wird. Für große Rotaugen oder dergleichen reduziere ich die Dosierung, um mich etwas selektiver innerhalb meiner Taktik(en) zu bewegen.

Es besteht keine Notwendigkeit, geschrotete Leinsamen Vorzubereiten, Einzukochen, zu Segnen oder zu Salben. Tüte auf, rein ins Futter. Fertig. Einige Dosierungsangaben in der Tabelle anbei.

MengeAufgabenfeld
50gAllroundfutter, Große Rotaugen, Rotfedern, Alande, Giebel, Karausche, Skimmer
75g bis 100gRotaugen, Rotfedern, Alande, Döbel, Güster
125gUkelei, Speedfischen, Köderfischangeln

Tipp: Geschrotete Leinsamen können beim Feedern als situativer Reizgeber eingesetzt werden. Dafür lediglich ein kleines und vollgestopftes Döschen mitführen, eine Fingerspitze dem Futter beigeben und sogleich damit den Futterkorb befüllen. Das kann, falls sich das Beißverhalten gerade schwierig verhält, nochmals Schwung in die Bude bringen.

Dosierung von geschroteten Leinsamen im Angelfutter

Fazit über das Angeln mit geschroteten Leinsamen im Futter

Geschrotete Leinsamen sind ein aktivierendes Futterelement, das ganzjährig für kleine bis mittlere Fischgrößen und schnelle Bisse beim Angeln sorgt. Ich schätze den günstigen Preis, das ich sie vor Ort in jedem Supermarkt kaufen kann und sich besonders Rotaugen, Rotfedern, Alande und Döbel für sie interessieren. Als Futterzutat sind geschrotete Leinsamen massiv unterschätzt, dabei ist die natürliche Nahrung kaum umfänglicher und der Bachflohkrebseffekt in seiner Effektiv mächtig. Sicherlich nicht Selektiv, das sind Fische aber auch nicht. Nur Angler mit ihren Schubladen. Anschließend noch ein Video, in welchem ich ein Leinsamenfutter für meine Teichangelei teste.

Herzlichst, dein 16er-Haken 🎣🐟❤️

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    Christoph Heers
    Christoph Heers
    Hallo! Mein Name ist Christoph und ich bin der Schreiberling hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich Angler, mit vielen Wassern gewaschen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Was letztlich auch dazu führte, meine Erfahrungen mit dir teilen zu wollen. Auf meinem Blog erwarten dich viele Strategien, Tipps und Tricks über das Friedfischangeln sowie Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander.

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