Facebook treibt mal wieder seine Stilblüten und ich komme nicht drum herum, mich mit den Untiefen der Gesellschaft, einer Mischung aus Blödheit und Bosheit sowie einer guten Gelegenheit auseinanderzusetzen, die mir Kohle in die Kasse spült. Eine Abhandlung, wie aus einer Rotfeder ein Rotauge und 30 Euro werden und wie wenig Kinderstube manche Menschen altersunabhängig genossen haben.
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Rotfeder wird zum Rotauge
Ich hab mir echt nichts dabei gedacht. Poste ganz ungeniert ein Bild von einer winzigen Rotfeder, die ich just beim Stippen fing und die Kommentare eskalieren im Eiltempo. Ungefragte Fischbestimmung im Irrenhaus. Der heilige Rat vom Rutilus, die Wahlvereinigung des Plötzentum, ruft nebenbei gleich noch den Kreuzzug aus. Es geht um diese Rotfeder, die zum Rotauge umgedichtet wird. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Das es sich um eine Rotfeder handelt, ist indes nicht zu diskutieren, quasi unverhandelbar. Das oberständige Maul und der Rückenflossenversatz zur Bauchflosse sprechen eine eindeutige Sprache. Auch wenn der Abstand noch nicht ausgeprägt ist, wie denn auch bei einem fingerlangen Fisch. Insgesamt spricht rein garnichts für ein Rotauge. Wirklich nichts. Darüber könnte man ja reden, trotzdem wird stellenweise richtig in die Kommentarspalte reingeschissen und das in bester Gutsherrenart. Dialogbereitschaft wie ein Sack Schrauben. Obwohl es schon gereicht hätte, das Maul ein einziges mal anzuzoomen. Diese Funktion gibt es aber erst seit 20 Jahren. Verständlich.
Fischkundeexperten überall. Das er falsch liegt, lass ich mal so stehen.

>> Woher hast du den Angelschein !!!! << 😂😂😂

Soso. Rotfedern haben wohl immer goldene Schuppen. Ich pack dann gleich mal 50 Bilder von silbernen Rotfedern aus. Im Prinzip geht es so jetzt immer weiter.

Zuzüglich, das Low IQs den Köderfischnarrativ wiederkäuen und alles irgendwie einen Köderfisch darstellt, was nicht ins männlich maskuline Weltbild passt. Nur, um dahingehend auch mal meine Gedanken auszuformulieren, wenn ich diese Richtung schon einschlage. Ein Mann wird nicht zu einem Mann, weil er einen Raubfisch fängt. Wenn er eine Fotze ist, bleibt er eine. Die Fischart und Fischgröße sind bewegungslos, die Kompetenz und Leidenschaft zählt. Aber ich nehme diese Kommentare natürlich gerne mit, denn sie bringen gutes Geld.
Die KI Leibeigenen liegen mir da schon schwerer im Magen, die ja nun wirklich nichts geschissen bekommt und mittlerweile als zuverlässige Quelle, die sie nie sein kann, da sie jeden geistigen Dünnpfiff im Training inhaliert, breite Zustimmung von der kognitiven Unterschicht erfährt. Die Art der Kommunikation ist auch mal wieder göttlich.

Auf meinen Hinweis mit Fakten, das wir hier eine waschechte Rotfeder vor der Brust haben, wird mir Gemini als Sachkundiger vor den Latz geknallt. Aiaiaiaiai.

Aufklärung abgelehnt: 30 Euro Rotfeder kommt
Es wird noch wilder. Ich bin ein eher lösungsorientierter Angelblogger und habe in guter Absicht die prädominanten Eigenschaften dieser Rotfeder mit Markierungen hervorgehoben, dazu die entsprechenden Bilder bereitgestellt und das vermeintliche Rotauge faktisch entschärft. Damit wäre der ganze Schabernack eigentlich erledigt gewesen und jeder doch ein bisschen schlauer.

Denkste. Die Show geht munter weiter. So muss sich Galileo gefühlt haben. Umgeben von Flatearthern. Allerdings scheint Facebook jederzeit noch ein Ass im Ärmel zu haben und der Algorithmus kramt die wirklich allerletzten Penner raus. Beleidigungen waren in den nächsten Stunden noch harmlos. Darunter mengten sich auch Drohungen und Rassismus. Wegen einer Rotfeder. Einem kleinen winzigen Fisch. Kein Ragebait. Nichts Politik. Null Gossip. Hab ich selbstverständlich alles diskussionslos gelöscht oder, wenn noch gerade so im Rahmen, mit Sarkasmus bedacht. So sind noch nicht mal die Hinterhofassis am Bahnhof drauf. Selbst die sagen guten Tag und betteln höflich. Leider kam mir die Idee für einen Blogbeitrag erst später, sonst stünden hier jetzt die Abgründe der Zivilisation.
Richtiger Professor.

Dieser Typ eskalierte vollkommen und beleidigte den heiligen Samuel L. Jackson rassistisch. In einer Mundart, wie sie nur aus dem letzten bildungsloch pfeifen kann. Dieser lebensfeindliche Müll schwappt mittlerweile in Rotfedernposts und wird auf Facebook öffentlich unkontrolliert ausgelebt.

Der hier ist eher typisch. Unterstellt mir unterschwellig, das ich die Gesetze breche. Das ist ebenso ein Trend. Zu Bildern Drehbücher schreiben und diese Story seinem Gegenüber subtil andichten.

Trollen für den Umsatz
Mich jucken die Kommentare selbstverständlich nicht. Mit Verlaub, ich hab da eher eine Chance gesehen auf dem Rücken der Schaumschläger Geld zu verdienen und einfach mal direkt hinterher einen Feldtest gefahren (alles am gleichen Tag), ein Rotauge gepostet, dieses absichtlich Rotfeder genannt, Papa Roach als Musik hinterlegt, Roach heißt Rotauge übersetzt, als dezenter Hinweis und Idiotenfilter, den Fangort Trollgraben genannt und #Troll zusätzlich als Hashtag verlinkt. Joa. Alles wie gehabt. Dagegen gibt es keine Medizin. So funktionieren übrigens, wenn auch thematisch etwas anders, in der Zielstellung aber komplett gleich, all die Facebookseiten mit Fakenews, KI Generics oder Ragebaits. Bei mir läufts dann über kleine Fische, auf die komischerweise gehäuft vom Pöbel echauffiert, belustigt, arrogant bis hin zu vollkommen hirnverbrannt aggressiv reagiert wird.

Dankeschön: 30 Euro Rotfeder im Kescher
Am Ende habe ich mit den hohlen Nüssen und ein paar Beiträgen über die Rotfeder / Rotauge knappe 30€ verdient. Facebook rechnet in Dollar ab, ich hab die Gesamtsumme aller drei Posts addiert. Arbeitseinsatz halbe Stunde. Morgen werden es +- 50$ sein, Beiträge laufen idR. noch zwei bis drei Tage nach. Das ist eben die Crux mit den asozialen Medien, wo Esel sich zu Rennpferden erklären und sich in den Kommentaren austoben, versuchen irgendwie intelligent, relevant oder kompetent zu wirken, obwohl da nie viel außer Grütze rumkommt. Das Geld landet letztlich trotzdem auf meinem Konto, genauso wie die Followerzahlen nur eine Richtung kennen. Nach oben. Deshalb gehen mir, und sicherlich vielen Contenterstellern da draußen, solche Hafensänger mit der Aura eines vier Tagen alten Brötchens am Sack vorbei.
Was leidet ist der Umgang untereinander und die Inhalte an sich, weil die sozialen Medien mittlerweile super toxisch sind und nur minderbemittelte Scheiße sich verbreitet. Die Leute arbeiten nicht mehr miteinander, sie arbeiten sich aneinander ab und da macht mir ebenfalls der Umstand Angst, das solche Dunstabzugshaubenlecker zur Wahlurne laufen. Denn diese Wählen das Abbild ihrer Selbst. Keine Inhalte, nur Parolen. Diese Rotfeder hat sich dennoch gelohnt. 8cm lang, wiegt trotzdem mehr als jeder Köderfischfresser. Und wenn jetzt einer heult: Ich kauf dir von den 30€ gerne Taschentücher.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 🎣 ❤️
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