Matze Koch hat mit Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks meine Buchsammlung bereits letztes Jahr befruchtet und jetzt bin ich endlich mal aus dem Pott gekommen, das Werk des ostfriesisches Allrounders vorzustellen. Matze zeigt darin sein Angeljahr mit den dazugehörigen Zielfischen im jahreszeitlichen Durchlauf und gibt vieles von seiner Herangehensweise zum Besten. Eine Buchrezension.
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Infos zum Buch

Autor
Matze Koch

Verlag
Kosmos

Veröffentlichung
2013

Anzahl Seiten
112

Auflage
1

ISBN
978-3-440-13231-9
Angelnder Ostfriese mit Buch
Matze Koch ist niemand, den ich noch beschreiben müsste. Motivation ist alles. Flexibel bleiben. Der Mann tauchte vor über einem Jahrzehnt auf YouTube auf und plötzlich gab es wieder Allrounder. Bishin zu seinem Schaffenshöhepunkt, als die Kids just einen Tag nach seinem Mätzchen an meinem Hausgewässer wie er rumgelaufen sind. Diesen Einfluss kann ich nur wenigen Angler in Deutschland zuschreiben. Ich verzichte bewusst auf das Wort Influencer, Matze ist eher keiner. Mehr ein Unikat, dessen Art nicht jedermann bekommt. Er will auch nicht jedem gefallen und das ist gut so, denn in Zeiten wo Menschen dem Algorithmus näher als der Realität sind, braucht es mehr Identität. Seinen Glauben schließe ich ein, dem er öffentlich und offensichtlich die Treue hält. Ich bin kein Christ, nur ein Christoph, aber ehrliche Überzeugung weiß ich zu schätzen, denn sie macht einen Mann und seinen Charakter aus. Obacht bei den Aalglatten, nicht den Kantigen.
Matze hat auch mehrere Bücher veröffentlicht, darunter Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks. Es war sein erstes, wenn ich richtig recherchiert habe. Der Titel ist etwas schwammig, es umfässt eher eine Abhandlung seines Angeljahres und seiner Allroundroutinen, welche er mit Tipps und Tricks versieht. Auf 112 Seiten von Frühling bis Winter, darin die Zielfische und wie man diese nach Matze Kochs Art fängt. Mir gefällt dieser Buchansatz, denn er spiegelt den Autor und seine Gewohnheiten wieder anstelle des nächsten Schinkens, der einen Platzhalter nach dem anderen bedient. Mir sind Blickwinkel von Menschen eindeutig lieber. Matze hat einige für uns festgehalten, also schauen wir uns diese doch gleich mal an.


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Inhalt
Matze schafft sofort persönliche Fakten. Viele Autoren rechtfertigen erstmal den Inhalt und packen Lametta um die Konzeption, er stellt hingegen zuerst seine Familie in den Vordergrund und hält auch nicht mit seinem Glauben hinterm Berg. Der Bibelvers mag die Heiden unter uns irritieren, ich bin ja selbst einer, das ist aber eben, was ihn als Menschen ausmacht und mit ins Paket gehört. Damit kann ich leben, denn Identität braucht ein Gesicht. Matze Koch ist erfolgreich weil er Matze Koch ist und nicht der, den Leute gerne hätten, um ihm dann auch wieder nicht zu mögen.
Im nachfolgenden Vorwort erklärt er seine Liebe zum Angeln, aber auch den Virus Angeln an sich. Eine ähnliche Analogie habe ich in Akki Eilts Buch Vom Glück verfolgt: Erinnerungen eines Anglers* gelesen, das Matze selbst ausdrücklich empfiehlt (und ich auch bald). Beide kannten sich persönlich, waren gemeinsam bei der Fisch & Fang tätig und Matze ist nicht verlegen die großen Stücke auszusprechen, welche er auf Aki hält. Das Virus Ehrwürdigung.

Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks beginnt mit dem Plötzenfang zum Jahreseinstieg. Das kennen wir aus den Mätzchen. Einige abgebildete Fische sind mir ebenfalls vertraut, das große Rotauge hatte er, so glaube ich, mit Mais aus dem Mixer verführt. Die Maiswolke, darauf schwört er. Matze erklärt in genau diesem Duktus über das ganze Buch hinweg seine Herangehensweise, Futtermittel, Köder, Gerätschaften und Taktiken. Dazwischen finden Tipps und Tricks in den gelben Infoboxen ihren Platz. Alle Kapitel sind so aufgebaut und mit der gleichen Leidenschaft bedacht. Fortlaufend mit den Jahreszeiten kommen die Zielfische.

Im Frühling beispielsweise der Karpfen. Dazwischen und danach andere Fischarten. Ich werde nicht alle abhandeln, um dem Buch seinen Reiz zu belassen. Im Karpfenkapitel gefällt mir die Lockerheit, welche sich nicht in Personal Bests und Kilos verrennt, sondern die zielstrebige Angelei überordnet. Ich kann die Scheiße in Facebook und Instagram echt nicht mehr sehen, wo Angler Angler mit gestellten Superlativen für dumm verkaufen. Das Karpfenkapitel bringt die Basics genauso wie seine Futterlehre zusammen. Alles ganz locker und kurzweilig. Auf 122 Seiten muss ein Sachbuch die Essenz umfassen und das hat Matze ganz gut hinbekommen.

Natürlich ist der Aal dabei. Moni vornweg mit den größeren Exemplaren. Typisch. Im Kapitel steht alles, was man grundsätzlich wissen muss und etwas mehr. Maden zur Laichzeit. Die schwarze Nacktschnecke als Topköder. Wie Aale mit welchem Gerät gedrillt werden. Dazu gesellen sich kleine Geschichten aus der Kindheit und Gegenwart. Aal im Baum. Das muss man erstmal schaffen. Wie Aale nicht gedrillt werden steht also auch im Buch.

Moni ist oft zu sehen. Sie ist der Grund, warum es Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks überhaupt gibt. Höchstwahrscheinlich auch Matze Koch als Angler und Menschen, wie wir ihn heute kennen. Man unterschätzt ihren Einfluss. Sie ist nicht nur die helfende Hand im Hintergrund, sie ist der Motor. Und Matze das Getriebe. Beides bedingt der Fahrt, sonst geht nichts vorwärts.

Kapitel Barsch. Da kam mir gleich das Mätzchen mit den Twistern aus dickerem Gummi in den Sinn, nach welchen er sehnsüchtig den Angelladen abgraste. Der Ondex. Auch so ein Matze Koch Ding. Das alles schleicht sich Stück für Stück ins Gedächtnis oder wird von Matze erläutert, wenn er die Angelei auf Barsch erklärt. Mit Kunstködern und Naturködern. Sommerlich eingeordnet, der Buchidee entsprechend. Dabei spielt das Verhalten des Barsches eine Rolle, wann er aktiv ist, wo er aktiv ist, welche Methoden dann sinnig sind und und und…..

Mit dem Winter endet das Buch Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks. Hecht. Logisch. Matze ist zwar Allrounder, er hat aber eben doch seine Schwerpunkte. Das letzte Kapitel ist ebenfalls in die Kunstköder und Köderfischangelei unterteilt. Der Umfang ist etwas weiter gefasst als bei den anderen Fischarten, ich mache das am Seitenumfang fest, wobei die Bildanzahl und weiteres täuschen kann, und komme vom Gefühl her auch zum Schluss, das sein Herz für Hecht und Moni doch ein bisschen schneller schlägt. Inhaltlich steckt alles drin. Wobbler, Gummi, Vertikal, Platzwahl, Stint, Makrele, Schwimmblase oder Beißverhalten. Nur um mal ein paar Stichworte zu nennen. Mir hat das Kapitel gereicht, um meine alte Hechtkombo aus dem Schrank zu kramen. Motivation ist alles.

Na? Wer kennt diesen krumme Gurke noch? Mir dämmert, das er sogar einen Namen bekam und in einem späteren Mätzchen erneut gefangen wurde. Genau das macht Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks so charmant. Nicht seine Fratze. Die Brücke zwischen Erinnerungen, Anekdoten und Fachwissen.

Fazit zu Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks
Angeln: Matze Kochs Tipps und Tricks macht Spaß und hat mich mit dem eher persönlichen Ansatz direkt abgeholt. Handwerklich lässt das Buch keine Wünsche offen, der Schreibstil geht vorwärts, der Inhalt mischt Identität mit Fachwissen und gibt tiefere Einblicke in seine Angelei. Immer wieder heitern kleinere Anekdoten die Stimmung auf, geben der Angelei einen farbenfrohen Anstrich, denn so schön wie sie auch sein mag, auf der fachlichen Ebene bleibt sie im Gegensatz zu den Ködern trocken. Matze stellt sich dem entgegen und bringt dabei sein Angeljahr in ostfriesischer Manier mit Nostalgie und einer Prise Humor rüber. Klare Kaufempfehlung!
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 🎣 ❤️

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