Beim Angeln sieht man Dinge, die andere Menschen für gewöhnlich nur vom Discovery Channel kennen. Mir ist beim Winkelpickern neuerlich eine Wollhandkrabbe begegnet, die auf ein Seerosenblatt gekrabbelt ist. Sowas habe ich an meinem kleinen Fluss auch noch nicht erlebt…..
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Über den Wolken schmatzt ein Krabbenkind
Aus der Rubrik wilde Nummer und etwas, das nur Angler erleben. Ich sitze beim Winkelpickern am kleinen Fluss und drehe eine spontane Feierabendrunde. Werfe, lese und mach mich locker. Da sehe ich etwas im Augenwinkel an einem Seerosenblatt herumfrickeln. Das Blatt wackelt. Irgendwas hängt an der Unterseite. Kurze Stumpen ragen hervor und verschwinden. Rhythmisch. Wie bei einer Kuckucksuhr. Also stehe ich vorsichtig auf, krieche die Böschung hoch, bewege mich auf Zehenspitzen in Richtung Seerose, die zwar noch immer 4m von mir entfernt ist, wo ich aber einen besseren Überblick habe.
Da hat echt ne Wollhandkrabbe unterm Seerosenblatt geklebt. WTF. Weit überm Flussbett. Mitten im Flüsschen. Wie ein Muto. Das Vieh aus Godzilla. Zu allem Überdruss ist die auch noch seelenruhig aufs Seerosenblatt gekrabbelt. Das Smartphone hatte ich da schon längst in der Hand, sowas glaubt einem ja sonst keiner (Video am Beitragsende). Nun sitzt sie da, wie ein Rettungsschwimmer auf seinem Turm, dem nichts auf Erden entgeht. Diese Viecher ey. Ich habe mit Wollhandkrabben das ganze Angeljahr über zu tun, das hier ist Neuland für mich. Ich sehe die auch schon mal übern Acker flitzen, jetzt gehts wohl in die Vertikale.


Angelstuhl Empfehlung vom 16er-Haken
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Wollhandkrabbe auf Seerosenblatt: Normales Verhalten?
Durchaus. Da hochzukommen muss für eine Wollhandkrabbe allerdings sportlich sein, die können nicht schwimmen, und Seerosen sind mit dem Boden auch nur über einen bleistiftdicken Strunk verbunden. Dazwischen lag ein knapper Meter. Die Leistung sei an dieser Stelle deshalb gewürdigt, seitwärts dünne Stiele hochzurocken, die laufen seitlich und nicht vorwärts, ist ne Kunst. Gesehen hab ich das an meinem kleinen Fluss bisher noch nie, bei aberhunderten Ansitzen erlaube mir deswegen das Urteil, das sowas seltener vorkommt.
Ich glaube, so in der Theorie, das Seerosenblatt ist wie Aldi. Die holt da Essen. An den Blattunterseiten kleben Schnecken und Insektenlarven, von der Seerose aus lässt sich ebenfalls Anflugnahrung mit den Scheren greifen (abgestützte Käfer, Schnacken, Wespen). Im Video gegen Ende sieht man, wie sie die Scheren zu den Mandibeln führt. Das ist eine typische Fressbewegung. Kurz danach ging die Körperhaltung zur Strömung. Einsatzbereit einzukassieren, was gerade vorbeikommt.
Andere Erklärungen sehe ich nicht. Sauerstoffmangel wäre quatsch, solange die Kiemen nass sind können Wollhandkrabben an Land atmen (tagelang übrigens, solange feucht). Das Ufer ist durchgängig, dafür müssen die nicht erst Seerosen besteigen. Mir hat jemand gesagt, die häutet ihren Panzer in der Sonne aus. Na klar. Damit Milan, Kormoran oder Nerz sich nicht so anstrengen müssen. Zumal Butterkrabben (frisch gehäutet) hell und nicht pattschwarz sind. Ich bleib dabei. Diese Wollhandkrabbe ist nur etwas kreativer als andere. Als ich die Böschung wieder runter bin, meinem Gewicht entsprechend in der Vehemenz auf der Richterskala eine 7, ist die Wollhandkrabbe sofort vom Seerosenblatt gesprungen. Die weiß ganz genau was sie da macht und ich bleibe wie so oft beeindruckt von der Natur, die man nicht in der Schule lernt, sondern direkt am Wasser.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 🎣 ❤️



















