Zeit für ein Hartmaisstudium, denn vergorener Hartmais ist ein Köder und Futtermittel, dem ich zu wenig Raum innerhalb meiner Angelei gegeben habe. Es spricht viel für ihn. Die süßsaure Note, das fermentierte Aminosäurengemisch, welches aus seinen Poren trieft und seine unkomplizierte Herstellung. Ich habe Hartmais deshalb in einem Eimer mit Wasser sowie Zucker angesetzt und werde mir jetzt im Hartmaisstudium ansehen, wie sich die Entwicklung von Woche zu Woche bis zum perfekten Reifegrad verhält.
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Tagebuch: Hartmais in seiner Fermentierung beobachten
Ihr wisst ja. Ich bin friedfischbehinderter Autist und ich starte jetzt ein Hartmaisstudium. In der Absicht, diesen vermehrt in meine Strategien einzuflechten. Aus verschiedenen Gründen. Hauptsächlich der Neugierde willen. Erfahrungswerte sammeln, Erfahrungswerte durchleben, irgendwann alles hinterfragen und dann wieder von vorne damit beginnen. So läuft der Hase bei mir. Ich lebe Erkenntnisse in Zyklen. Fermentierten Hartmais habe ich jedoch etwas vernachlässigt. Als Köder spielte er zwar immer seine Rolle, darüberhinaus aber kaum, trotz einiger wilder Experimente und guter Ergebnisse. Es ist daher Zeit, sich der Sache neu anzunehmen.
Dosenmais ist deshalb aber kein bisschen abgemeldet, das gleich zur Einordnung, denn ich sehe beides nicht in Konkurrenz zueinander. Es sind zwei verschiedene Futtermittel. Eingekochter weicher Zuckermais, den ich für weniger selektiv halte und vergorener süßsaurer aminosäurehaltiger Hartmais, der durch seine Härte selektiver ist. Wie sich diese Theorie in der Praxis zeigt, anhand der Bandbreite gefangener Fischarten und Fischgrößen, ist eines meiner Anliegen. Darüber wird im Internet zwar viel geredet, vieles ist aber auch eben nur das. Bloßes Gerede. Denn es gibt in der Tat kaum Publikationen von gezieltem Feedern, Method Feedern, Stippen oder Winkelpickern mit vergorenem Hartmais. Analytische Blickwinkel von Nerds genauso wenig. Allenfalls von Karpfenanglern, deren Rückschlüsse wegen tagelanger Futterkampagnen leider ziemlich verwaschen sind. Der Dealer und sein Stoff.
Mir ist wohlbekannt, das vergorener Hartmais ein prädominanter Graskarpfenköder ist. Ich kann Karpfen, Brassen, Schleien, Alande und Döbel hinzuzählen, habe unzählige beim Method Feedern mit diesem Köder gefangen, wie es indes um die anderen drölfzig Fischarten steht, ist nebulös. Große Rotaugen und Hartmais interessieren mich brennend. Ob es ihm gelingt, mit Dosenmais ansatzweise gleichzuziehen. Einem der besten Rotaugenköder generell. Falls nicht, wie ich ihn dorthin bewegen kann. Meine Teichgiebel. Stromgüstern. Elbrapfen. Karauschen. Barben. Große Rotfedern? Herrje. Fragen wie diese und andere treiben mich um, darum mache ich den Scheiss. Ein Anglerleben lebt sich nur, wenn man sich der Dinge annimmt.
Maisgedönse Empfehlung vom 16er-Haken
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Zubereitung Tag 1: Eimer, Wasser, Zucker und Hartmais
Für mein Hartmaisstudium habe ich 1kg Hartmais auf 500g Zucker in einem 5l Eimer mit Deckel angesetzt. Den billigsten Zucker als Fermentationsgehilfe, Konservierer und um die Maische drastisch einzusüßen. Weitere Zusatzstoffe brauche ich nicht. Der Hartmais gärt von alleine und entwickelt dabei seine Anziehungskraft. Lockstoffe beizumengen halte ich ebenso für weggeworfenes Geld. Die Fermentation ist wie The Thing. Alles wird okkupiert. Ich sehe auch keinen Sinn im Vorkochen, kostet Geld für das gleiche Ergebnis und erhöht nur den Arbeitsaufwand.

Vergorener Hartmais ist ja eigentlich genau deshalb so praktisch, er hat diesen Vorteil, von sich aus ein erstklassiges Futtermittel zu sein, weshalb ich keine Gründe sehe, mir das Leben bei der Zubereitung mit Pseudoblödsinn schwer zu machen. Dinge mit Absicht zu verkomplizieren wirkt schlau. Ist es aber nicht. Wenn es schnell gehen muss, kocht man Hartmais mit Aromen ein. Das wäre dann aber kein fermentierter Hartmais. Ähnlich verhält es sich mit Weizen. In der Thermoskanne setze ich ihn mit Aromen an, beim Gären überlässe ich ihn seiner selbst. Vergorenes braucht eben Zeit. Geben wir dem Hartmais seine. Wie lange es bis zur perfekten Reife dauert wird das Studium dann zeigen. Ich rechne mit 14 Tage bis 21 Tage bei mindestens 15 Grad Temperatur.

Den Eimer fülle ich mit Hartmais, Zucker und Wasser auf. Ich verrühre alles, fahre mit der Hand durch den Hartmais, damit sich der Zucker nicht am Boden absetzt und im Wasser löst. Im Jahresverlauf werde ich mir das fermentierte Maiswasser als Lockstoff ansehen. Im Futter, in kleinen Spraydosen oder als Syruplösung in Spendern mit noch mehr Zucker eingedickt. Selfmade CLS. Kann man kaufen oder selber herstellen. Ist keine Kunst. Siehste ja.
Bei der Gärung entsteht auch Alkohol, ich hab einen zwei Jahre alten Hartmaisversuch im Glasbottich, per se nur als Ködervorrat für die schnelle Nummer, der riecht wie billigster selbstgebrannter Fusel (ohne Witz, das knallt richtig in der Nase). Im Winter könnte ich mir daraus eine pervers geile Lockstoffbasis drehen….oder die Jungs vorm Späti mit Stoff versorgen und so Taschengeld akquirieren. Mein Hartmaisstudium geht eindeutig über das simple Korn hinaus, ich will die ganze Suppe analysieren und lernen, wann und wo sie mit welchen Futtermitteln kombiniert fängt. Ein Gemisch voller Aminosäuren, eingesüßt wie Cappuccino, der Lebenssaft von Mais, oder seine Pisse, je nach Lesart, ist eine Kombination, die nicht viele Lockstoffe mit sich bringen. Schon garnicht für diesen Preis in eigener Regie.
In den nächsten Wochen werde ich festhalten, wie sich der Hartmais etappenweise in seinem Reifegrad entwickelt. Wann er Angelfertig ist. Wie sich das fermentierte Maiswasser verändert. In 5 Tagen ist Sonntag. Dort erfolgt eine Erstkontrolle, wir schauen uns die erste Stufe der Hartmaisvergärung an und springen dann je nach Gusto zeitlich weiter.


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Hartmaisstudium Tag 5: Vergorener Hartmais nimmt fahrt auf
5 Tage sind vergangen. Das Maiswasser hat sich spürbar eingedickt und eine milchtrübe Farbe angenommen. Die ersten Gärungsblasen steigen auf. Nur wenige. Auf der Oberfläche siedeln sich Stoffwechselprodukte der Maisgärung an.

Ich hätte den Hartmais vorher aussieben sollen. Bruchstücke und Schalenreste treiben auf der Wasseroberfläche. Das Zeug bleibt gerne am Eimerrand kleben, begibt sich in einen versifften Zustand und kann schimmeln. Das ist einer der Gründe, warum Hartmaischargen draufgehen. Unter der Wasseroberfläche verdirbt nichts, solange obenauf alles im Lot ist. Die Fermentierung und der Zucker konservieren. Ich habe in meinem Leben schon oft vergorenen Hartmais angesetzt. Der hält Jahre, solange Wasser nachgefüllt wird, welches sich von selbst verflüchtigt.

Der Eimerdeckel sitzt recht fest, trotzdem sind Fruchtfliegen hineingelangt. Normalerweise würde ich Schraubfässer verwenden, der Eimer macht sich für Bilder und mein Studium aber eindeutig besser. Möglicherweise ist die Sauerstoffzufuhr garnicht so verkehrt und beschleunigt die Gärungsprozesse. Der Deckel kann ebenfalls nicht an die Decke fliegen. Beim Gären entstehen Gase wie bei Kohlsuppe. Diese wollen raus und finden eine Schwachstelle. Vergorener Hartmais hat mir das noch nie angetan. Weizen sprengte einer meiner Thermoskannen dagegen schon.

Ich habe den Eimerrand penibel abgewischt. Es wäre trostlos, wochenlang sein Leben diesem Hartmais zu widmen und dann verdirbt er aus Schlampigkeit. Ich werde mir noch einen Aquariumkescher besorgen, damit ich das Hartmaiswasser vom gröbsten Dreck schnell und effizient in Zukunft reinigen kann. Das fermentierte Hartmaiswasser hat bereits einen feinsäuerlichen Geruch. CLS im Jungstadium. Solange der Eimer verschlossen ist, riecht man nichts. Das Aroma empfinde ich allerdings ohnehin nicht schlimm. Harzer Rolle halbe Stunde in der Sonne geht wesentlich steiler.

Der Hartmais ist nach 5 Tagen spürbar aufgequollen. Er ist weicher geworden, allerdings kaum über die Außenhaut hinaus. Ich bemerke es zwischen den Fingern. Zum Anfüttern auf Karpfen wäre er optimal, da kleinfischresistent und mit einer guten Mischung aus Härte sowie Bekömmlichkeit. Nach 5 Tagen ist die Spotmixtauglichkeit für Karpfenangler definitiv erreicht. Im Sommer genügen wahrscheinlich 3 Tage. Für Brassen, Schleien und alles weitere reicht mir der Reifegrad nicht aus. Muss noch ein bisschen Gären. Ich bevorzuge generell weichere Futtermittel. Diese lösen unter Fischen eher Fresslust, Völlerei und Futterneid aus. Eine Muschel ohne Schale schmeckt wie eine Muschel, geht aber zehnmal schneller durch die Backen. Die Scheu sinkt, der Biss rückt näher.

Ich zerschneide ein vergorenes Hartmaiskorn mit dem Messer testweise und versuche den Kopf auf ein Bayonet zu ziehen. Spieße vom Method Feedern. Er verbiegt beinahe. Zu fest. Einen stabilen Haken könnte ich durch den Strunk führen. Am Bait Band lässt er sich natürlich anködern. Das Korn ist ebenfalls sofort gebrochen. Erste Erkenntnis: 5 Tage sind das absolute Minimum bei vergorenem Hartmais. In 7 Tagen erfolgt die nächste Kontrolle. Von Sonntag zu Sonntag.


Hartmaisstudium Tag 12: Hartmais quasi Angelfertig
Sieben Tage sind rum. Nächster Checkpoint im Hartmaisstudium bei Reifetag Nummer 12 steht an. Schauen wir mal, was unter der Haube vom Gäreimer los ist.
Schon mal keine Fruchtfliegen. Dafür ein weißer Stoffwechselfilm, der sich über das fermentierte Maiswasser gelegt hat. Das ist kein Schimmel! Alles soweit in Butter. Am Eimerrand sieht man die Verdunstung, darum muss von Zeit zu Zeit Wasser nachgefüllt werden. Der Geruch vom vergorenen Hartmais ist merklich stärker in seiner sauren Note geworden, aber noch immer kein Grund, das mir der Vermieter die Bude kündigt.


Der Hartmais hat eine nach wie vor unfassbar geile hellgelbe Farbe. Er ist nach 12 Tagen so weich geworden, das ich ihm einen für meine Bedürfnisse perfekten Reifegrad zuschreibe.

Die Härte teste ich mit Fingergefühl aus. Keine Quietschente, aber klar ködertauglich. Apropos. Schau mal. Das Spiel aus gelber und weißer Farbe. Damit kann Dosenmais nicht dienen. Bei manchen Körnern sind auch rötliche Querstreifen vorhanden, dadurch bekommt vergorener Hartmais noch mehr Reizwirkung.

Wie niedlich. Ein Minihartmaiskorn. Das wäre eine Größe, welche ich mir gerne Serienmäßig ansetzen würde. Genau der richtige Umfang. 5mm Pellet ungefähr. Für Satzkarpfen, Brassen, Schleien, Giebel. Karauschen. Wann immer es kälter ist und ein Köder kein Volumen braucht. Ich werde den Markt aussondieren, ob ich Minihartmais finde. Solche Nebeneffekt habe ich mir von diesem Partikelstudium erhofft. Roter Bordeaux Mais* ist auch schon auf dem Weg. 🥳

Ich schaue mir das Hartmaiskorn im Schnitttest an. Gerichtsmediziner für Gemüse. Das erste Korn ist beinahe vollständig durchfermentiert, hat eine Konsistenz wie Schinken. In der Mitte zeichnet sich ein Riss ab, der nicht vom Schneiden herrührt. Hartmais kann also unabhängig der Anköderung vorgebrochen sein und nur den Anschein erwecken, das es am Haken oder ähnlichem liegt. Es liegt ihm einfach inne. In seiner Natur.

Die Körner schwanken in ihrer innerlichen Konsistenz. Hab mehrere zerlegt, bin ja nicht naiv. Jedes Korn varriert von breiig, semig, bröselig bis schinkenartig (wie das obere). Die gleiche Beobachtung kann ich für zwei Jahre alten Hartmais unterschreiben. Mehr Zeit in der Reife wird daran kaum noch etwas ändern. Isso.

Einen strammen Feederhaken kann ich locker durch den Strunk führen. Dort wird der Hartmais abseits von Haarmontagen angeködert, an dieser Stelle ist er butterweich. Die Kopfseite wäre zu fest, blockiert beim Anhieb. Hat schon seinen Grund, warum er Hartmais heißt.

Den Method Feeder Bayonet* kann ich im letzten Test mit recht wenig Druck in den Hartmais hineindrücken.

Bei Hartmaisköpfen klappt selbiges sofort. Ich muss mich nicht anstrengen, der Spieß wandert durch den Maiskörper und verankert sich in diesem. So fest, das ich mir keine Sorgen machen müsste, ihn zu verlieren. Das ist aber ohnehin eine Kernfrage, da jedes eine andere Konsistenz hat.
Fazit: Nach 12 Tagen ist vergorener Hartmais in seiner Reife dort angekommen, wo meine Ansprüche liegen. Der Härtegrad passt, das Aroma ist entwickelt und die Fermentation auf dem Siegeszug. Er kann nun gefüttert oder als Köder verwendet werden, egal bei welcher Angelmethode oder welchem Zielfisch. Ohne Firlefanz. Kein Kickstarter. Kein Vodoo. Keine schwarzen Eimer oder Magie. Null Sonne. Nichts kochen. Einfach nur ein Bottich, Wasser, Zucker, Hartmais und etwas Zeit. Nächster Checkpoint im Hartmaisstudium setze ich in zwei Wochen an, also dem übernächsten Sonntag. Ich werde mir nur ein paar Körner als Köder abschöpfen, die Charge aber weitestgehend weitereifen lassen, um die Entwicklung genau zu verfolgen.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🎣🐟❤️












