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Schizophrener Auftakt: Der Wels ist Fisch des Jahres 2026!

Der Wels wurde zum Fisch des Jahres 2026 gewählt und das, obwohl sein Standing in der Angelverbandspolitik und im Gewässermanagement widersprüchlicher nicht sein könnte. Mancherorts gilt er als Staatsfeind, andernorts werden die teilweise aus der Luft gegriffenen Hegemaßnahmen kritisch hinterfragt. Für einen Platz auf dem Podest hat es trotzdem gereicht, so richtig einordnen lässt sich der harte Tobak aber nicht. Eine Meinung von deinem Lieblingsblogger.

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Fisch mit Symbolkraft: Abgeknallt und Hexenjagd

Ich glaub mich zwickt der Hafer. Der Wels ist Fisch des Jahres 2026 geworden. Der Wels. Genau der. Bekannt als Dackelschreck und Teichgespenst. Letztens wurde erst einer auf einem Festival abgeknallt. Das Monster vom Brombachsee, notgedrungen vom Dorfsheriff mit der Dienstwaffe erledigt. Wegen der Bedrohungslage und so. An dieser Stelle setzt die Musik vom weißen Hai ein. Der Wels ist auch der Fisch, den einige Angelverbände am liebsten aus ihren Gewässern radieren würden. Das ist in vielen Bundesländern quasi in den Verordnungen mit Entnahmepflichten fest verankert.

Fängt man ihn unabsichtlich und kann einen Wels so groß wie die Schwiegermutter nicht verwerten, muss man ihn abschlagen und verbuddeln. Das bedeutet soviel wie Auslöschung per Dekret. Kann Weg. Wollen wir nicht. Ist schädlich. Stört das Ökosystem. Die Hexe trägt jetzt also Barteln. Die Obrigen drücken sich natürlich geschickter aus, aber letztlich läuft es darauf hinaus. Zu unrecht sagen die einen, zurecht meinen die anderen. Mir wurde als Kind beigebracht, das der Wels heimisch sei. Heute wäre er das mancherorts und bei mir vor der Haustür nicht mehr. Ich mach mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt. 🤔

Warum der Wels zum Fisch des Jahres 2026 gewählt wurde

Die Sache wird diffuser, weil da eine gewisse Widersprüchlichkeit bei der Wahl zum Fisch des Jahres 2026 zwischen den Landesverbänden zu seinem Dachverband unverkennbar mitschwingt. Die fischreirechtliche Landesverbandspolitik von Nord nach Süd und der Umgang mit dem Wels verfestigt diesen Eindruck, denn theoretisch könnten zwei Flüsse aneinander vorbeifließen. Links ist der Wels heimisch, rechts muss er zwingend raus. Dazwischen liegt nur ein Steinwurf. All das ohne Fakten oder Studienlagen. Der DAFV spielt genau mit diesem Feuer schon in seiner Pressemitteilung, die einen faszinierenden Fisch und gleichzeitig eine artfremde ins Ökosystem eingreifenende Fressmaschine zeichnet. Damit positioniert sich der Dachverband deutscher Angler ohne klare Kante zu benennen aalglatt zwischen die Stühle und seinen Verbänden, hat dem Wels bei der Wahl zum Fisch des Jahres 2026 keinen Gefallen getan. Das ist der gleiche Tobak wie in den Gazetten, wenn Ernas fetter Dackel am Teich verschwindet. So richtig festlegen will sich niemand, der Finger geht aber sofort auf den Wels.

Ähnlich irritierend verhalten sich indes einige Angelverbände, welche Angler unverhohlen sabotieren und die Wahl des Welses zum Fisch des Jahres 2026 mit Pressemitteilungen zwar unterstützend begrüßen, gleichzeitig aber auch darauf hinweisen, das Welse durch Besatzmaßnahmen Ökosysteme beschädigt haben. Damit wird unterschwellig der Nährboden gelegt, das Angler dafür verantwortlich seien, das manche Gewässer(systeme) durch Welsbesatz kaputt gegangen sind oder kaputt gehen werden. Wahrscheinlich wird sich auf den Po und Ebro bezogen, faktisch benannt wird wie gehabt nichts, vielleicht wollte der Praktikant auch nur intelligent wirken, dort wurden Welse auch aus diversen Gründen besetzt, nur und davon ab, in Deutschland ist er heimisch, weshalb dieser Vergleich knetendämlich wäre. Ich erspare mir, die entsprechenden Verbandsseiten zu benennen, da Kritik an Anglerverbänden auf der Vorstandsebene oft als Vaterlandskrieg verstanden wird und mir die Muße fehlt, im Irrenhaus zu pfeifen. Die zerlegen sich schon von selbst. Das haben Schaumschläger so an sich.

Für den Eindruck, das der Kopf (DAFV) in eine andere Richtung wie der Körper will (Landesverbände), trage ich ja sowieso keine Schuld. Das keine Linie bei der Wahl zum Fisch des Jahres 2026 vorherrscht und der Wels von der Hälfte der Landesverbände, welche dem Dachverband und Wahlveranstalter zugehören, ihn per Entnahmepflichten loswerden will, obliegt ebenfalls nicht meiner Verantwortung. Ich sehe nur einen Hexenjagd, wie sie bei allen großen Raubtieren Europas stattfand und einen Dachverband, der nicht weiß, wie er seine Schäfchen hüten soll. Weder inhaltlich, noch zukunftsgerichtet. Es ist halt schwer mit einer Stimme zu agieren, wenn von Anfang an keine Einigkeit herrscht. Das wird mit dieser Wahl deutlich und leidtragender ist leider nur der Wels.

Gruppe von Welsen an einem Unterstand

Fisch des Jahres 2026 ist Realsatire

Was mir richtig Bauchschmerzen bereitet ist diese gespaltene Persönlichkeit, die bei dieser Wahl zutage tritt. Den Wels regulatorisch die Existenz unter den fadenscheinigsten Begründungen seit Jahren in vielen Bundesländern abzusprechen ist das eine, jetzt 2026 plötzlich mit schrägen Untertönen Loblieder auf ihn zu singen hat dagegen schizophrene Züge. Das hört sich fast so an, als würde der Deichverband die Nutria plötzlich zum Tier des Jahres wählen. Dieser Vergleich ist nicht mal soweit hergeholt, blickt man in die Vergangenheit. Wie wäre es eigentlich mit wissenschaftlichen Grundlagen zum Wels und seinem ökologischen Einfluss? Die Aufarbeitung vom Brombachgate? Wie wir die Mythen des Hundefressers aus der Welt schaffen können? Ein Gegenentwurf, weshalb der Wels der Stammtischrethorik zum Opfer fällt? Einer genaueren Differenzierung, warum der Wels kein Schädling ist?

Das ist er sowieso nicht. Er ist auch keine fette Schwarzmundgrundel, wie uns das diverse Angelverbände verkaufen wollen. Genauso wie diese sich bemühen und ihm nur das Donausystem als heimisch zusprechen, knochendatierte Ausgraben von Speiseabfällen aus dem 10ten Jahrhundert an einem Kloster an der Mosel (mündet im Rhein) zeigen Gegenteiliges. Gleiches gilt für die Elbe. Ich gehe stark davon aus, das der Wels genauso wie der Stör durch Überfischung verdrängt wurde, weshalb er seinen ursprünglichen Lebensraum nun zurückgewinnt und nicht wie proklamiert invasiv erobert. Es gibt auch Sachverständige, die mit dem Donausystem lediglich den Ausgangspunkt der Verbreitung sehen und der Wels sich von dort aus in allen großen deutschen Flüssen bis nach Frankreich ohne menschliches Zutun bereits vor der Eiszeit etabliert hat. Das heißt, er lebt seit tausenden Jahren in deutschen Flüssen und nicht erst seit dem Mauerfall.

Das ist die eine schwierige Konstante, die andere ist der Unkenruf, das Welse die Flüsse und Seen leer fressen. Auch dazu gibt es nichts handfestes, nur Hörensagen und Buschfunk vom Stammtisch. Denn wäre dem wirklich so, dann wäre der Wels sich selbst der größte Feind und wenn er seinen eigenen Lebensraum verschlingt, dann gäbe es ihn heute nicht. Er hätte es bis in die Neuzeit niemals geschafft, wäre längst in seinem eigenen Maul entschwunden. Die Natur erlaubt sich solchen Blödsinn aber nicht, sie verschwendet keine Ressourcen und keine Tierart kann es sich leisten, über die Gebühr zu existieren, weil sie ihre eigene Grundlage zerstört. Sowas macht ausnahmslos nur der Mensch. Gratulieren möchte ich dem Wels trotzdem, er kann für all den angelpolitischen populistischen Nonsens nichts, er ist weder ein Dackelnascher, noch ein Fremdling und das er die Wahl zum Fisch des Jahres 2026 gewonnen hat, ist wohlverdient. Für das wahlverpackte Armutszeugnis ohne wissenschaftlichen Kontext gibts ne glatte 6. Ich zahle Beiträge für fundierte Ergebnisse von einer starken anglerischen Führung, nicht für Nebelkerzen aus dem Vereinsheim, wo allabendlich Rotkäppchen und der böse Wels gelesen wird.

Herzlichst, dein 16er-Haken

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    Christoph Heers
    Christoph Heers
    Hallo! Mein Name ist Christoph und ich bin der Schreiberling hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich Angler, mit vielen Wassern gewaschen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Was letztlich auch dazu führte, meine Erfahrungen mit dir teilen zu wollen. Auf meinem Blog erwarten dich viele Strategien, Tipps und Tricks über das Friedfischangeln sowie Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander.

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