Fischbestimmungen stoßen an ihre Grenzen, wenn das Bild so undefiniert wie die dritte Toilette ist. Ich habe ein solches auf Facebook für mein neues WFBI Format (welcher Fisch bin ich) mit einem Fisch vom Feedern im Sommer geteilt und die Vorschläge waren wenig überraschend vogelwild. Von der Äsche bis zum Gründling, Stromgründling, Weißflossengründling, Barbe, Nase, Wal und Stint war tatsächlich alles dabei. 😅😂
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Fragerunde auf Facebook
Ach Mensch. Facebook kann manchmal schon geil sein obwohl ich dem Social Media Zirkus insgesamt ja eher nicht so zugetan bin und mir der News Feed zu politisch, sexualisiert, depressiv, künstlich gestellt, KI versifft und auf Rage Bait Empörung ausgelegt ist. Wo das Auskotzen über alles und jeden Hochkonjunktur hat und Typen primitiver als die Wrong Turn Boys sich über jede Gebühr grenzdebil austoben. Lange vorbei sind die Zeiten, an denen miteinander gesprochen wurde, nicht mal mehr das wird versucht und die überschriftengestützte Meinung einfach in jede Kommentarspalte geschissen. Es gibt aber auch Lichtblicke am Horizont. Meine kleine Community, die noch mit dem Kopf arbeitet und ihn nicht nur wegen des Halses hat. Danke dafür. Hier ist der Weg dorthin übrigens. 🫡
Für manche Formate ist Facebook allerdings die bessere Plattform, gerade was interaktive Geschichten angeht, sowas wie schnelle Umfragen, Ratespiele, Brainstorming oder Smalltalk. Fischarten auf fiesen Bildern bestimmen ebenfalls. Und Holymoly, ich hatte da eines, das derbe mehrdeutig rüberkommt. Von einem Fisch, den ich an der Elbe beim Feedern im Sommer mit zwei Maden an der Strömungskante fing und auf dem Handrücken in einer Perspektive fotografierte, mit der sich selbst erfahrene Angler in der Fischbestimmung schwer tun dürften. Und auch sollten, als ich das Bild jetzt erst Ende Dezember auf meiner Seite für das neue WFBI Format teilte (Welcher Fisch bin ich). Hier der Übeltäter.

24 Stunden später sind knappe 100 Kommentare eingetrudelt mit Vorschlägen in alle Richtungen wie Nase, Barbe, Schuppenkarpfen, Gründling, Weißflossengründling, Stromgründling, Äsche, Stint, Walhai, Wal, Grindwal, Mobby Dick, Rollmops, Goofy (❓), Elritze und Köderfisch. Die große Mehrheit legte sich auf Nase fest, eben wegen jenem dezent angedeuteten Nasenbuckel über der Schnauze. Ein paar Beispiele anbei.






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Es ist ein Stromgründling
Es war natürlich keine Nase. Auch kein Wal oder Goofy. Es ist tatsächlich ein Stromgründling, wahrscheinlich Romanogobio Belingi. Der Witz an der Sache ist ja, das ich selbst anfänglich dachte, es wäre einfach nur ein Gründling. Für mich gab es eigentlich auch immer nur DEN Gründling und nicht mehrere Arten. Ich habe viele dieser Stromgründlinge an der Elbe gefangen und mir darüber nie eine Platte gemacht. Man sieht den Fisch, erkennt eine schmalere Körperform, zwei lütte Barteln und die hellere Farbe, hakt ihn ab und setzt ihn schonend zurück. Immer mit diesem komischen Bauchgefühl das etwas anders ist und zwischen Elbgründling und Gründling bei genauer Betrachtung Welten liegen. Den fange ich an meinem kleinen Fluss ebenfalls regelmäßig, das ist eigentlich ein ganz anderer Fisch.

Mit dem Facebookpost bin ich dann tiefer in die Gründlingiogie vorgestoßen, wollte mal nachhaken und siehe da, es ist eine andere Art. Ein Vertreter des Weißflossengründlings, der vor einigen Jahren in drei Unterarten aufgeteilt wurde und wer weiß, vielleicht kommen weitere noch dazu. Das es sich bei meinem Fisch um keine Nase oder allem anderen handelt wird derweilen bereits in der Flankenansicht klar, die ein eindeutig geflecktes Muster zeigt. Das ist ganz typisch für Stromgründlinge (Romanogobio belingi) oder dem Gründling (Gobio gobio). Allerdings haben Weißenflossengründlinge diese Flecken nicht auf den Flossen. Weiße Flossen und so. Weißflossengründling deshalb. Selbsterklärend.

Der Unterschied zwischen Gründling und Stromgründling sehe ich unter anderem auch in der Körperfarbe. Der Gründling (Gobio gobio) ist meistens kaffeefarben. Manchmal richtig kraftvoll. Fast wie schwarzer Kaffee. Etwas matter ist er im klaren Wasser, dennoch ist der Haupteinschlag dieses tiefe braun, das man morgens im Pott sieht. Kaffeepott. Nicht dieser Pott, wobei das auch hinkommen würde. Der Weißflossengründling ist dagegen eindeutig pfahlbleich, sieht eher wie eine Filtertüte aus. Ich bin mir recht sicher, das dass so ist, weil Stromgründlinge die allermeiste Zeit auf sandigen bis feinkiesigen Untergründen verbringen und sich so schlicht der Umgebung anpassen. Elbsand hat diese Filtertütenfarbe beispielsweise.
Das Fischbestimmungen stark vom Bild und Lichteinfall abhängig sind ist mit der folgenden Seitenansicht voll auf den Punkt gebracht. Das Licht spiegelt sich und es ist kein einziger Fleck auf der Flanke zu erkennen. Kein f*cking einziger. Deshalb streiten sich Angler gerne bei Fischbildern, denn diese können einem eine Illusion vorgaukeln. Wegen der Technik und Witterung, des ungünstigen Momentes und des Fisches, der sich nicht immer von seiner Schokoladenseite zeigt. Klassiker der uneindeutigen Fischbestimmung und heftigsten Diskussion mit anschließender Purge sind Aland und Döbel, Ukelei und Rapfen, Zope und Brasse, Karausche und Giebel, Rotfeder und Rotauge. Vergessen darf nicht sein, das alle Weißfischarten sich Hybridisieren können, weshalb es auch zum Döland, Rukelei, zur Brope oder Rotaugenfeder kommen kann.

Der Körperbau vom Stromgründling (Romanogobio belingi) ist im Vergleich zum Gründling (Gobio gobio) etwas schnittiger, flacher und weniger kompakt. Er ist für die Strömung gemacht, wo sich die Schwärme im druckvollen Wasser bewegen. Die meisten Stromgründlinge fange ich an der Strömungskante oder stärkeren Strömungsbereichen und fast nie in Buhnenfeldern (niedriger Wasserdruck). Deshalb kam es anscheinend auch nicht zur Verdrängung durch invasive Schwarzmundgrundeln, die offenes Flusswasser an der Elbe meiden und Schutzstrukturen zwingend benötigen (Packwerk, Wurzelwerk). Um beim Thema zu bleiben, der herkömmliche Gründling (Gobio gobio) ist vergleichsweise plumper, insgesamt korpulenter und der Kopf massiver. Generell wirkt er wuchtiger und eher der strömungsärmeren Lebensweise zugeneigt.
Die Barteln sind für beide Arten kennzeichnend, bei meinem Fischbestimmungsbildchen allerdings kaum zu erkennen. Sie wurden entweder vom Licht geschluckt oder liegen so bündig an, das ein Eindruck entsteht, es gäbe keine. Es gibt sie, nur sehen die beim Strömungsgründling wie kleine dünne Bambussprossen aus. Das ist der Hauptgrund, warum viele viele Kommentare zur Nase tendierten. Einige wenige ließen sich nicht beirren und sind generell beim Gründling verblieben, einer benannte sogar den Weißflossengründling, keiner jedoch den Stromgründling. Einfach war es in jedem Falle nicht. Beim Gründling (Gobio gobio) sind die Barteln kräftiger, das möchte ich Vollständigkeitshalber noch anfügen.


Steckbrief Stromgründling
| Name: | Stromgründling |
| Lateinischer Name: | Romanogobio belingi |
| Englischer Name: | – |
| Ordnung: | Karpfenartige (Cypriniformes) |
| Familie | Gründlingsverwandte (Gobionidae) |
| Gattung: | Romanogobio |
| Verbreitung: | Europa, Westasien |
| Max. Länge: | 13cm |
| Max. Gewicht: | – |
| Körperbau: | langgestreckter und seitlich abgeflachter Körper mit geflecktem Muster, das sich nicht auf die Flossen erstreckt, jeweils ein schlanker Bartfaden am linken sowie rechten oberen Maulrand |
| Lebensweise: | Omnivor (Zoo & Phytoplankton) |
| Lebensraum: | Fließgewässer |
| Laichzeit: | Mai bis August |
Weitere Fischbestimmungschallenges findest du auf meiner Facebookseite*. Das Format ist mit dem Hashtag #WFBI versehen, anbei sind auch die Auflösungen mit den entsprechenden Diskussionen enthalten. Abo und Like dalassen ist selbstverständlich erwünscht, denn ganz ohne Absichten mache ich mir diese Arbeit ja nicht. Ich plane, 10.000 Follower aufzubauen und du wirst jetzt bitte einer davon. Ansonsten schwimmst du mit den Gründlingen. Egal welche Art! ✌😂
Herzlichst, dein 16er-Haken












