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Fangbericht: Hecht im Oktober mit Pose und Köfi am kleinen See

Ich bin nachtragend. Vor einigen Tagen entzweite ein Hecht mein Vorfach im letzten Licht des Tages bei der schönsten Rotaugenangelei und beendete meinen Ansitz unfreiwillig. Das lasse ich ihm nicht durchgehen. Ein Rachefeldzug auf Hecht im Oktober mit der Pose am kleinen See.

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Freiheitskämpfe im Oktober

Aaaaaaaaaargh, so ein gottverdammter Grundelsohn von einem Hecht hatte mein Vorfach beim Rotaugenangeln am kleinen See im Oktober zerbissen. Kackendreist kurz vor Feierabend. Die XXL Plötzenmutti wäre Hundertprozentig mit dem letzten Lichtstrahl eingestiegen. Logisch. Garantiert. Dieser Lümmel. Krokodilschimäre. Gurkenkörper mit Zahnreihe. Ich nahm das persönlich und sah mich in der Pflicht diesem Ungetüm eine Lektion zu erteilen. Niemand frisst meine Rotaugen. Und Vorfächer kurz vor Feierabend wegzuflexen ist eh ne Kriegserklärung.

Es geht um nichts weniger als die Freiheit. Nieder mit der Tyrannei. Rotaugen scharrt euch unter dem Banner des Hanfkorns. Kettenhemden an die Flossen, Nagelkeulen zur Brust, hinfort mit den Unterdrückern im pigmentgestörten Gurkengewand. Für einen neuen Morgen. Für einen besseren Tag. Für die Freiheit.

– Sir William Wallace vom Plötzensee

Christoph kämpft für die Ehre der Rotaugen am kleinen See

Taktik

Oder ne Runde Hecht mit der Pose im Oktober an einem kleinen See, ein auflandiges Verbindungsloch zur Elbe, das nur alle Jahre sich begrüßt. Taktik (eigentlich) zweigleisig wie an einer Weiche. Eine Rute mit Pencil, auf dem liegt meine Konzentration hauptsächlich, den lasse ich bei leichtem Wind treiben. Meter für Meter. Um die 50% der Seefläche kann ich abdecken. Den Köfi biete ich nach und nach von 50cm über Grund um 50cm höher bis knapp unter der Wasseroberfläche auf allen machbaren Entfernungen in Windrichtung von rechts nach links an. Wie in einem Schwimmbad Bahn für Bahn in gestaffelten Wasserschichten. Die Rolltreppe auf Strecke. Der See ist nicht allzu groß, weswegen ich mir davon erhoffe Hechte zu finden, welche an ihren Standplätzen auf Beute lauern oder aus Aggression zupacken. Die treibende Pose mit Köfi verhält sich wie ein Kunstköder auf Autopilot, wobei der Wind mir die meiste Arbeit abnimmt.

Der Pencil* kommt mir als treibende Hechtpose vielfältig entgegen. Seine Form entspricht einem überfetten Straight Waggler, wobei die Schnur ihn über den See durch Wind und Wellen hinterherzieht. Im Vergleich zur Segelpose ist der Pencil allerdings langsamer, tauglicher für Teiche, Torfstiche, Parkteiche, Elblöcher oder sowas, und ich kann ihn wahlweise wegen seiner Länge, wie einen Waggler eben, selbst bei Wind und Wetter trotzdem auf der Stelle halten, indem ich die Schnur unter die Wasseroberfläche drücke, die Rutenspitze ebenfalls, so zwischen Pencil und Rute eine gerade Schnurbahn unterm Wellenwindeinschlag entsteht und dieser sich kaum noch auswirkt, wodurch der Köfi statisch am Grund liegen bleibt. Oder ich lege ein Lochblei aus der Kette für zusätzliche Stabilität auf, falls aus einem lauen Lüftchen eine Sturmlage wird. Die lange Antenne ist ebenfalls sexy, weil ich diese auf Distanz besser sehe und Hechtbisse im Aufbau, wenn sie stupsen, stoßen oder prüfen, leichter identifizieren kann. Hechtbisse können stumpf oder subtil sein, ein Pencil gibt beides perfekt wieder, sowie Hebebisse, wofür er angepriesen wird, wat mir Jacke wie Hose ist, weil der sich als jute Allrounderpose für Hecht an kleineren Gewässern befähigt.

Pencil für das Hechtangeln mit Köderfisch am kleinen See

Köfis sowohl eingefrorene fingerlange bis handlange Plötzen, Alande und Grundeln vom letzen Jahr (glaube ich) für die ersten Würfe, bis ich Frischware mit der 6m Stipprute* zusammengefangen habe, vorher sind meine Ruten schonmal scharf geschalten und alles entspannt hergerichtet. Zumal Köderfische für die Hechtangelei im Oktober nicht immer so leicht zu fangen sind wie man meint. Kommt aufs Gewässer an, ich würde mich aber niemals blind auf schnelle Kleinfischbisse um diese Zeit verlassen und führe immer etwas Munition für den Fall der Fälle mit. Es gibt auch so Tage, da beißt kaum ein Friedfisch.

eingefrorene Köderfische für Hecht mit der Pose im Oktober

Für diese kleine Tüte……

Köderfische in einem Frischhaltebeutel

….musste ich mir eine halbe Stunde mit Maggicouscous Anfütterung aus den Rippen leiern. Lediglich drei Rotfedern maßen knappe Handlänge. Die wollte ich unbedingt als Köfis auffahren, sind die Hauptbeute am kleinen See. Nur rennt einem das einfache Gestippe im Uferbereich schon merklich davon. Im Oktober sind die Nächte bereits einstellig bis morgennippelhartfrostig, weshalb sich die Kleinfischschwärme hinter die Kanten ins Nirwana stellen und erst mit etwas Tageswärme gen Mittag aus dem Sumpf herauskommen. Wenn überhaupt. Im November sacken die Aktivitätsphasen noch deutlicher zusammen und die Standplätze liegen ausschließlich im tiefen Wasser, das für gewöhnlich ein paar scheiß viele Meter an den allermeisten Gewässern entfernt liegt. Ab dieser Phase lasse ich die Stipprute weg und gehe zur Köfimatchrute* über, kann die Rotfedern auf Distanz anwerfen, die noch immer an der Wasseroberfläche manchmal bis in den Dezember hinein tanzen, nur fernab des Ufers, und mir meine Köfis so relativ zuverlässig zusammenklauben. Derlei Wissen gehört zur Hechtangelei mit dem Köderfisch dazu, denn nichts ist schlimmer als die Vorfreude auf einen geilen Angeltag und der Genickbruch, weil die Rotfedernbande einem den Mittelfinger zeigt.

frisch gefangene Rotfedern als Köderfische im Oktober

Anköderung der Köfis am 2/0 Einzelhaken. An der Grundmontage in der Schwanzwurzel, dort an der Mittellinie im festeren Fleisch, etwas hinter dem Flossenansatz, damit mehrere Würfe drin sind, bei einem Anhieb sich der Haken aber trotzdem zuverlässig löst und im Hechtmaul greift. Bei einem Biss fackel ich nicht lange, zähle bis 5, wenn ich mir unsicher bin auch mal drei vier Sekündchen länger, selten darüberhinaus, und lade ungehemmt durch. Lieber einen Fisch verschlagen als einen durch zu tiefes Schlucken endgültig verlieren. Untermaßige UND kapitale Hechte meine ich damit, welche beiderseits für die Bestandspflege erhalten bleiben sollten und zurück in den Schoß ihrer Geburt gehören.

Grundel mit Einzelhakenanköderung an der Schwanzflosse

An der Pose geht der 2/0 Einzelhaken in den Rücken des Köderfisches. Die Schwimmblase durchsteche ich vorher mit einer Ködernadel*. Ich mache aus der Anköderung am driftenden Pencil keine Ingenieursleistung. Wenn der Köfi leicht schräg hängt ist mir das recht, ein angeschlagener Fisch schwimmt nicht gewöhnlich sondern ungewöhnlich unrund und ist, eben weil er vom Normalbildnis abweicht, vermeintlich leichte Beute. Hechte nehmen angeschlagene Fische instinktiv wahr, sehen leckere geschenkte Kalorien vor sich umhertaumeln. Ich lass die Wasserwaage deshalb weg, ködere Köfis durchaus ungeniert schief an und fange erfolgreich seit meiner Kindheit.

tote Rotfeder als Köderfisch mit 2/0 Einzelhaken im Rücken

Taktik und Tacklebox

Taktik

  • Hechte gezielt mit Naturködern suchen & finden
  • Driftender 8g, 12g, 15g und 20g Pencil
  • Kontinuierliche Tiefenwechsel des angebotenen Köderfisches um 50cm vom Grund bis zur Wasseroberfläche
  • Passive Grundrute an markanten Strukturen außerhalb der Posenstrecke
  • Einzelhakenanköderung an der Hakengröße 2/0 im Rücken an der Pose
  • Schwanzwurzelanköderung an der Hakengröße 2/0 an der passiven Grundrute

Köder

  • Eingefrorene Grundeln, Rotaugen und Alande bis 15cm zum Start
  • Frische Rotfedern zwischen 12cm bis 20cm nach der Beschaffung

Pencilkombo

Deadbaitgrundkombo

Hecht mit Pose im Oktober am kleinen See: Tag 1

Erster Biss nach einer Stunde an der Grundrute. Der Kletteraffe* fällt etwas, steigt auf, der Freilauf springt an und ich zum Blank. Ich dachte erst ich hätte reingeschissen weil die Bremse meiner Freilaufrolle beim Anhieb durchgedreht ist, voll im Glauben sie sei zu weit offen gestellt, und ich ins Leere mit einem entsprechenden Grinsen schlug, tatsächlich ist die Freilaufrolle ins Jenseits übergetreten. Gestern Reinigung, heute tot. Diagnose falsch zusammengebaut. 😅

Der nachgesetzte Anhieb blieb fruchtlos. Von den Bissspuren her tippe ich auf einen kleinen Zander. Die passive Grundrute für markante Strukturen abseits war damit hinfällig. Die hätte ich in Randbereichen und an Stellen abgelegt, wo ich mit dem Pencil nicht hinkomme und stündlich umgesetzt.

Grundel mit Bisspuren von einem Zander

Der Biss auf eine handlange frische Rotfeder an der Pose kam nach zwei weiteren Stunden, genau dort wo mir der Hecht das Rotaugenvorfach vor Tagen entzweite. Pencil pendelte auf und ab, zwei dreimal, zog darauf mit gemächlichen Zug nach rechts und ich kam dem flott mit einem Anhieb bei. Bremse halbhart geschlossen. Ich bin ja nicht blöd (😂). Schnur nehme ich vorher bis ich leichten Widerstand spüre auf, beim Driften entsteht immer ein Schnurbogen, ohne jetzt eine Abhandlung darüber zu schreiben, von der Sitzposition, den Schnureigenschaften, der Windstärke und weiterem abhängig ein lümmel bis meterlanger, dabei achte ich darauf, beim verkürzen jenes Schnurbogens weder die Pose noch den Köder zu bewegen, um den Hecht bei der Köderfischaufnahme nicht zu irritieren.

Pencil treibt über den kleinen See

Zu klein. Das ist nicht der Vorfachdieb gewesen. Da fehlen mindestens 10cm. Den gesuchten Raubauke vermute ich bei 75cm.

gefangener Hecht mit Pose am kleinen See im Oktober auf der Abhakmatte

Trotzdemen geil. Der Einzelhaken saß vorne im Maul, ich musste nicht ewig im Schlund herumfummeln. Wenn möglich nehme ich genau deshalb große Einzelhaken. Das war der erste Hecht im Oktober mit der Pose am kleinen See. Eine wundervolle Angelei, die ich noch um einige Ansitze fortsetzen möchte.

Christoph mit Hecht im Oktober

Kurzes Video vom Hecht auf der Matte* des jüngsten Gerichts.

Empfohlene Hechtposen vom 16er-Haken

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Hecht mit Pose im Oktober am kleinen See: Tag 2

Taktisch identisch, mit funktionstüchtiger freilaufrolliger Grundrute für markante Strukturen außerhalb der Posenreichweite. Es fehlte ab Nachmittag jedoch an Wind, den Pencil versetzte ich daher alle 20 Minuten an verschiedenen Spots in unterschiedlichen Wassertiefen. An der Grundrute gab es keinen einzigen Zupfer, ich warf verschiedene hechtverdächtige Stellen wie geplant stündlich an. Mit kaputter Freilaufrolle beißt es, das habe ich nun verstanden.

Hechtpose für kleinen See mit Bleioliven und Stahlvorfach

Gegen 13 Uhr konnte ich ein weiteren Hecht im Oktober am kleinen See an der Posenrute drillen. Einen Ticken kürzer wie am Tag zuvor und somit wieder nicht der gesuchte Grundelsohn von einem Vorfachbeißer. Der Einzelhaken fasste im Maul beinahe wie gestern. Der Biss kam direkt nach dem Wurf, keine Minute, ich hatte den Köfi von handlang auf fingerlang ausgetauscht und im Mittelwasser angeboten. Ich spiele mit Köderfischen und der Präsentation viel herum, im Oktober ist das Nahrungsangebot noch breit, da lohnt und rechtfertigt sich ein offenes Gemüt.

Hecht gefangen mit Köderfisch und Pose am kleinen See im Oktober

Fazit von der Fahndung auf Hecht im Oktober am kleinen See

Ich habe ihn (noch) nicht erwischt. Der zur Gerechtigkeit gesuchte Grundelsohn von einem strichergenetischversifftem Ganovenhecht ist weiterhin flüchtig. Es bedarf höherem Aufwand und weiterer Feldzüge um dem oberbissigen Rotaugenvorfachbeißer habhaft zu werden. Ich gebe nicht auf und gehe den Weg bis zum bitteren Ende, um diesen Störenfried zu erwischen und hänge ein entsprechendes Update diesem Fangbericht hintenan. Immerhin Hecht mit der Pose, gleich zweimal am kleinen See im Oktober, den ich wirklich genieße und für jede Stunde dankbar bin, denn nichts ist selbstverständlich. Scheiß Grundelsohn.

Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 ❤️ 🐟 🍀

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    Christoph Heers
    Christoph Heers
    Hallo! Mein Name ist Christoph und ich bin der Schreiberling hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich Angler, mit vielen Wassern gewaschen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Was letztlich auch dazu führte, meine Erfahrungen mit dir teilen zu wollen. Auf meinem Blog erwarten dich viele Strategien, Tipps und Tricks über das Friedfischangeln sowie Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander.

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