Mit den Jahren des Angelns habe ich immer wieder Fische gefangen, die nicht mehr ganz so gut in Schuss sind oder es vielleicht nie waren. Blinde, verpiltze, verstümmelte, angefressene, missgebildete und zerhackte. Alles, was das Gruselkabinett hergibt, doch nichts davon ist einem Angler fremd, denn Perfektion gibt es in der Natur sowieso nicht. Ein Tagebuch der Missgestalten, das kranke, verletzte oder missgebildete Fische fortlaufend festhält.
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Güster ohne Schwanzflosse
Einer meiner kuriosten Fänge überhaupt. Eine Parkteichgüster ohne Schwanzflosse. Im Drill an der Stipprute war die genauso sportlich wie ihre fitten Kollegen, das verblüffte mich umso mehr. Das Schwanzflossen zersaust sind erlebe ich immer wieder, das sie komplett fehlen, habe ich nur dieses eine Mal erlebt. Güstern sind hart im Nehmen, das ist oft mein Eindruck.

Kleinflussbrasse mit Einschlägen
Eine Brasse mit Einschlägen auf der Rückenpartie und Flanke. Gefangen am kleinen Fluss. Ich tippe auf Graureiher, die Hacken einfach drauflos. Koromoran wäre eine weitere Erklärung. Ich stelle, das sei bei dieser Gelegenheit ausdrücklich erwähnt, im gesamten Tagebuch nur Vermutungen an. An meinem Flüsschen treten derlei Fischverletzung häufig auf, weshalb ich eine gewisse Regelmäßig auf fischfressense Vögel zurückführe.

Rotauge mit Kopfblessur
Über dem Maul dieses Rotauges klafft eine unübersehbare Wunde. Ich tippe darauf, das dieser Glückspilz einem Hecht entkam, obgleich zig andere Ursachen infrage kommen können. Danach fing ich ein weiteres Rotauge, dessen Genick komplett bis auf die Hauptgräte aufgerissen war. Ich hatte nur ein schnelles Video gemacht und dieses versehentlich gelöscht. Ärgerlich. Beide Fische entstammen dem kleinen Fluss, wo ich 2026 verhältnismäßig viele solcher Verletzungen oder kranke Erscheinungsbilder gesehen habe.

Döbel mit deformiertem Rücken
Ein Döbel wie eine SZ Stange. Der Knick in der Querachse ist mir damals sofort ins Auge geschossen. Ist auch nicht zu übersehen. Ein Bruch in der Wirbelsäule oder eine Missbildung seit Schlupf könnte zum deformierten Fischkörper geführt haben. Gefangen an der Elbe beim Stippen in einem Buhnenfeld.

Rotfeder mit aufgerissem Bauch nach Hechtattacke
Ein nicht so seltenes Abbild einer verletzten Rotfeder nach einer Hechtattacke. Die Bauchdecke ist aufgerissen, Innereien treten hervor. Das hält Weißfische selten davon ab, trotzdem zu fressen. Zurückgesetzt. Ich habe nicht über dieses Schicksal entschieden, zumal solche angeschlagenen Fische oft von Zandern oder Hechten eingesammelt werden, wenn sie sich nicht erholen. Die Frage ist dann nicht ob, sondern nur wann.

Pilz auf dem Schuppenkleid einer Plötze
Ein schwieriger Fall. Das Schuppenkleid dieser Plötze ist an der Rückenflosse entweder verpilzt oder mitten in der Wundheilung. Es gibt braune und weiße Fischpilze. Bei einer Fragerunde auf Facebook sind die Antworten in alle Richtungen verlaufen. Ich will mich nicht festlegen. Das muss ich auch nicht. Verpilzung einer Wunde wäre aber meine Intuition, also beides zusammen und nicht isoliert diagnostiziert.

Brasse mit Ankerwürmern
Es gibt richtig abgefuckte Fischparasiten. Ankerwürmer gehören dazu. Diese Brasse war an der Rückenflosse befallen. Das Muskelfleisch ist infektiös, es löst sich, suppt aus dem Körper bei der Zersetzung heraus. Ankerwürmer hinterlassen schwerste Verstümmelungen, selbst bei einem moderaten Fall ist der Tod nur eine Frage der Zeit, weil die Fische durch Infektionen so erschöpft sind. Oftmals sind auch mehrere Ankerwürmer am Werk. Ich entferne diese sofort mit einer Arterienklemme*.

Angelstuhl Empfehlung vom 16er-Haken
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Rotfeder mit verwachsener Lippe
Das Maul bei dieser Rotfeder ist seitlich verwachsen, hängt klar ersichtlich neben dem Kopf. Dem Fisch selbst scheint diese Verletzung alter Tage keine Probleme zu bereiten, wobei ein Nachteil im Nahrungskampf mit der Konkurrenz gegeben sein dürfte. Ob diese Rotfeder noch Insekten von der Wasseroberfläche saugen kann ist fraglich. Mir scheint, das jemand den Haken unsachgemäß gelöst und dabei das Maul wortwörtlich herausgerissen hat. Dieser jemand ist selbstverständlich ein Arschloch.

Kranke Fische: Moderlieschen mit Zekarien
Ein weiterer Parasit, der Fische befällt, hat dieses Moderlieschen erwischt. Dabei dürfte es sich um eine Rundwurmart handeln, welche sich unter der Haut im Fischkörper verkapseln. Der schwarze Punkt ist dementsprechend nicht der Parasit, sondern die Reaktion des Immunsystems darauf. Bei einem Rundwurmbefall (oder Nematoden genannt) wird auch von der Schwarzfleckenkrankheit gesprochen. Häufig zu sehen.

Rotfeder mit Koromoraneinschlag
Eine Rotfeder mit typischer Kormoranwunde. Die Erfolgsquote von fischfressenden Vögeln ist mittelmäßig, viele Fische entkommen mit schwersten Verletzungen, erholen sich oder erliegen diesen später. Solche Wunden sehe ich jährlich, tendenziell an kleineren und flachen Gewässern gehäuft.

Erblindete alte Hafenbrasse
Sie hat mich nicht kommen sehen. Eine alte blinde Hafenbrasse. Beide Augen waren betroffen, daher gehe ich von einer Krankheit aus. Dieser Fisch war insgesamt abgewetzt, mit etlichen Flecken und Narben übers ganze Schuppenkleid versehen. Altes Schlachtross. Aber auch das ist Okay. Vor mir sind alle Fische gleich, kranke oder gesunde, ob ihrer Schönheit oder Makel.

Erblindete Brasse vom kleinen Fluss
Eine urige Brasse aus dem Mündungsbereich des kleines Flusses. Ebenfalls blind, allerdings nur auf einem Auge. Blinde Fische habe ich einige in meinem Leben gefangen. Oftmals Brassen oder Schleien. Höchstwahrscheinlich spielt der Sehsinn bei Bodenfressern ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, weshalb es zu kaum Benachteiligungen kommt.
Ab jetzt füge ich jede neue Kuriosität hinzu, sobald mir ein weiterer Quasimodo einsteigt. Ich bin gespannt, was sich da alles noch hinter dem Ereignishorizont auftun wird. Bis dahin verbleibe ich mit angelsportlichen Grüßen!
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟🎣❤️












