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Wenn ein Friedfischangler Raubfischangeln geht: Kapitaler Aal und Hecht mit Köfi an der Pose!

Alles hat mit einem gierigen Hecht letztes Jahr angefangen, ist in meiner alten Hechtkombo gemündet und in der kompletten Eskalation geendet. Zwei Ansitze, zwei krasse Fische. Kapitaler Breitkopfaal und strammer Hecht. Wenn ein Friedfischangler Raubfischangeln geht kommt sowas bei rum. Eine Fangmeldung.

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Pose, Köfi und Einzelhaken

Ich habs getan. Seit bald 10 Jahren gibt es diesen Blog und bis auf ein bisschen Blinkern bin ich meiner Linie und dem Friedfischangeln treu geblieben. Keineswegs wegen Hamsterrädern und Algorithmen, ich bin nur mir selbst verpflichtet und kann jede Richtung einschlagen, mir fallen nur irgendwie jeden Tag 10 neue Ideen ein, wie ich Rotaugen und Schleien mit 100 Methoden fangen könnte, die mit 1000 verschiedenen Futtermitteln vermeintlich gelingen, wovon letztlich 990 doch unsinnig waren. Also doch ein Hamsterrad? 🤔

Der Hecht, der letztes Jahr meinen Setzkescher fressen wollte, hat mich schon etwas angefixt. Und die Großfressen auf Facebook, die mir ständig erklären, das ich eh nur Köderfische fange (für die Pampersträger mit Kippenstummelgeruch und Flachmannaura ist jeder Friedfisch ein Köfi) wollte ich nebenbei das Maul stopfen. Jut. Hab mit meiner alten Hechtkombo angekündigt, das ich gerne Fakten schaffe, die Hitzeperiode notgedrungen ausgesessen und wie das Schicksal halt spielt sobald ein Friedfischangler Raubfischangeln geht gleich mal an beiden Ansitzen eskaliert. Rundum 2.500 Likes, über 250.000 Aufrufe, ein kapitaler Aal und ein guter Hecht an die 90cm, der aber komplett unterging. Bei einer Aalaconda irgendwie verständlich. Von den toxischen Facebooklutschern mit Weisheiten aus 4 Ansitzen im Jahr fehlte wie erwartet jede Spur. Kritisieren wie die Könige, bei Leistung ist der Akku leer. Kleine primitive Muschis.

versorgte Rotfedern als Köderfische
übermotiviert versorgter Köfi (ich bin etwas aus der Übung)

Kapitaler Juli Aal

Tag 1. Ich hab mir Köfis in Handlänge gestippt und diese an einem 8g Pencil* angeboten, der 10g Blei trägt und eher 14g Tragkraft haben dürfte, dabei den Wind für mich ausgenutzt. Auf der Rolle ist ne 0.40mm Schnur drauf (viele halbstarke Welse hier), die schiebt den Köfi mit dem Pencil im angenehmen Tempo übers Elbloch. Nur leider harter Gegenwind. Bei meiner alten Hechtkombo sind deshalb lediglich Wurfweiten bis 15m drin, bei windstillen Fenstern schafft die Bahnschranke auch mal 20m. Weiter wäre besser, das Loch hat Fläche und jeder Meter mehr erhöht die Chancen. Die Rotfeder hab ich am Einzelhaken im Rücken eingeklinkt und bis zu einer Kante treiben gelassen, die ins flache Ufer umschlägt. Jede Drift läuft etwa 5 Minuten, im Uhrzeigersinn von 10 Uhr nach 14 Uhr werfe ich jeden Bereich im Halbstundenspektrum ab und verstelle nach einer Uhrzeitrunde die Tiefe um 30cm. So finde ich Raubfische, die an der windzugewandten Seite stehen, wo sich die Rotfedern jetzt tummeln und der Anflugnahrung habhaft werden. Darum auch eine kleine Rotfeder als Köfi, entsprechend dem hauptsächlichen Beutespektrum.

Von Mittags bis Abends Funkstille. 21.00 Uhr wird der Pencil in die Tiefe gerissen. Viel Tiefe war da nicht mehr, die Montage wanderte knapp 60cm über Grund. Der Biss kam so hart, das ich nur bis 3 gezählt und gleich den Anhieb reingehämmert habe. Mir war da nicht im Ansatz klar, das sich ein riesiger Aal die handlange Rotfeder am 1/0 Köfihaken* mit Stahlvorfach unbeindruckt reindrückte. Kurz vorm Kescher dachte ich noch immer es wäre ein Hecht. Das Wasser steht in der Blüte, da siehste nichts außer die späte Erkenntnis. Und dann lag er im Kescher. Schädel so breit wie meiner mit 19 nach einer durchzechten Nacht. Die Rotfeder hing halb aus dem Aalmaul, der Einzelhaken löste sich noch im Netz. Hing wohl knapp, ist mir komplett entgangen. Den Köfi hat er später tatsächlich noch geschluckt und nicht ausgekotzt. Krass.

Gemessen bei +- 90cm, auf den Bildern wirkt der Aal eindeutig länger, nur misst man einen solchen lebend kaum genau und mir waren seine Maße in Gewisserweise und wie immer dann doch scheißegal. Man sieht diesem Fisch auch so an das er groß ist und ob er 5cm mehr oder minder an einer belanglosen Marke kratzt ändert nichts an seinem Wert für mich. Den Aal ließ ich wieder frei. Bei dieser Leibesfülle stehen die Chancen gut, das er über die Elbe die Sargassosee erreicht und sich fortpflanzt, dazwischen kommt nur ein gesichertes Wehr mit Fischtreppe. Aale sind vom Aussterben bedroht, nicht jeder muss in die Pfanne. Die Entscheidung sei letztlich jedem selbst überlassen, ich habe eigene Gebote und Entnahmeregeln. Ohne Ideologie. Mit Verstand. Lass ich mir auch nicht reinquatschen.

Christoph mit Breitkopfaal beim Raubfischangeln mit totem Köderfisch

Strammer Juli Hecht

Tag 2. Gleiches Elbloch, gleiche Strategie. Werfen, Driften, Strecke machen. Im Uhrzeigersinn bei gestaffelten Tiefenveränderungen des Köfis von 30cm mit jeder neuen Runde. Allerdings mit einer Tackleumstellung, denn bei meiner Penn Slammer ist die Bremse spürbar durch, beim Aal hat der Stift deshalb schon in der Hose gemalt, und die Mosella Tele wirft auch nicht, die versucht es nur. Stattdessen Freilaufrolle* an einer 3.60m Twintip mit 2.5lbs Testkurve. Wurfweite ist auf 30m gestiegen. Geht doch. Ich kaufe mir trotzdem ne neue Telerute, die Twintip ist zweigeteilt und deshalb im Packmaß bei 1.80m. Das hasse ich wie die Pest. War ein Rohling, der wurde mir damals als Testblank zugeschickt. Gutes Stück, aber nicht mein Ding.

Nach zwei Stunden stoppte der Pencil abrupt, nicht unweit der Aalstelle, da muss viel Mojo liegen. Die handlange Rotfeder hing diesesmal knapp 90cm unter der Wasseroberfläche. Flotter Anhieb. Drill. Geiler Hecht. Easy Peasy. Wie früher als Steppke. Einzelhaken und los. Hing seitlich im Maul, das Stahlvorfach daran. Hechtangeln ist echt einfach. Macht aber auch Spaß und ich will das Feedern auf Hecht an diesem Loch unbedingt mal auschecken, um die Wurfweite auszureizen und Köfis im Spätherbst dort anzubieten, wo das Gro der Angler nicht ohne weiteres oder nur mit größerem Aufwand hinkommt. An Ideen mangelt es jetzt schon nicht. Was ich als Friedfischangler lebe überträgt sich logischerweise auch aufs Raubfischangeln.

Friedfischangler fängt Hecht mit Köderfisch beim Raubfischangeln

Friedfischangler Raubfischangeln

Taktisch habe ich das Pferd an beiden Tagen ja eh schon wie ein Friedfischangler aufgezogen und mein Wissen in die Raubfischwelt eingeflechtet. Ich kenne das Beutespektrum, die Durchschnittsgröße und Artenverteilung bis auf die letzte Schuppe. Ich weiß wo sich die Schwärme wann aufhalten und dadurch auch, wo sich Zander, Barsch, Hecht, Aal, Wels, Rapfen und Quappe einstellen. Sie folgen der Beute, nicht umgekehrt. Darum habe ich kleine Rotfedern am Windufer angeboten, im Kontext des Fischbestands und nicht einer beliebigen Pikehunterformel, die nur Schubladen abdeckt, vor Ort aber klemmt.

Einzelhaken reicht, schont den Fisch, sitzt aber gut, solange er nur groß genug ist. Die Präsentation eher fein, der Pencil leicht und variabel, die Angelei mit Köfi trotzdem aktiv und flächenorientiert. Ich fahre genau diese Schiene weiter und entwickle mich jetzt Stück für Stück dabei. Als Friedfischangler bringe ich ebenfalls gedankliche Ansätze ins Raubfischangeln, die es so kaum gibt, das wird meinem Projekt helfen und sicherlich kommt auch der ein oder andere gute Fisch bei rum. Eigentlich ist genau das schon passiert und das ist alles, aber wie immer kein Zufall.

Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 🎣 ❤️

Christoph ganz entspannt beim Raubfischangeln

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    Christoph Heers
    Christoph Heers
    Hallo! Mein Name ist Christoph und ich bin der Schreiberling hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich Angler, mit vielen Wassern gewaschen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Was letztlich auch dazu führte, meine Erfahrungen mit dir teilen zu wollen. Auf meinem Blog erwarten dich viele Strategien, Tipps und Tricks über das Friedfischangeln sowie Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander.

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