Ha! Nach Jahren bin ich mal wieder auf den Trichter gekommen mit der 4m Stipprute anzusitzen, um frisches Maismehl in einem Wolkenfutter zu testen, dabei habe ich neben den Zielfischen Rotauge und Rotfeder auch Schleie und Giebel gefangen. Unverhofft kommt oft. Ein Fangbericht mit Wölkchen ins Glück im Frühsommer.
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Fangbericht Metadaten

Datum:
02.06.2025

Wetter:
Bewölkt & Windstill

Außentemperatur:
23 Grad

Angelzeit:
15:00 bis 19:45

Spottiefe:
1.00m

Wassertrübung:
Glasklar
Maismehlwölkchen ins Glück
Feines Maismehl ist ja sowas wie meine heimliche Liebe. Maismehl(e), wenn ich den Bogen mal etwas weiter spannen darf. Es gibt feine, grobe, geröstete, gepresste und soviele mehr, mit dem Fische und Futterrezepte etwas anfangen können. Günstig sind die meisten auch noch. Bei mir sind vor kurzem 10kg feines Maismehl und Polenta eingetroffen, die wollte ich dann gleich mal mit der 4m Stipprute am Krautteich einweihen. Klassisches Stippangeln. Nur Pose und Schnur. Zielfisch Rotauge und Rotfeder. Als Futter eine Maissuppe, die aus feinem Maismehl, eingekochten Hanfmehl, Voodoo und viel viel Wasser besteht. Die gute alte Wolkenfütterung.


Matschbälle aus Maismehl
Aus der Maissuppe forme ich Matschbälle, welche so übernässt sind, das ich sie gerade noch bis zur Stipppose werfen kann. Auf 6.5m aus der Hüfte geschätzt. Ein Meter Wassertiefe kommt noch dazu, dann ist die 4m Stipprute ausgereizt. Länger geht nicht, über mir steht ne Baumkrone.

Das übernässte Futter schlägt auf, zieht einen Schleier hinter sich her und wird später ebenso durch Fische (deren Bewegungen) zur Wolke aufgebrochen. Teile davon bleiben am Grund liegen, verhalten sich wie eine zeitversetzte Wolkenmine. Ist ne ziemliche Sauerei, darum habe ich eine Wasserschale für die Wurfhand und ein Handtuch anbei, ansonsten wächst mir der Futtereimer* mit der Zeit über den Körper.

Trockene Wirbler
Das gleiche Rezept nutze ich super trocken, also mit wenig Wasser angemischt, das ich zur Größe einer Kastanie forme. Es enthält geschrotete Leinsamen und gequetschten Hanf, welche in der Wassersäule wie Zooplankton umherflittern. Das eine Futter wolkt, das andere wirbelt, so kreiere ich einen Futterplatz der Wollust, der sich in alle Richtungen profiliert. Eine Zweifuttertaktik aus Matschern und Wirblern, wenn ich sie benennen müsste.

Stippfutter Empfehlung vom 16er-Haken
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Futterschleuder für Weizen und Weizenpellets
Ich füttere auch Butter Vanille Weizen und 3mm Weizenpellets mit der Madenschleuder* bei. Der Gedanke ist, durch Geräusche (das Plätschern) weitere Reize darzubieten. Weizen ist ebenfalls eine gute Option für große Rotaugen und Rotfedern, manchmal stellen sich auch Schleien, Giebel oder Satzkarpfen in die Futterwolken, fressen, was unten ankommt und liegen bleibt. Keine Zielfische für die 4m Stipprute, im Hinterkopf habe ich das aber schon. Nur bin ich kein Freund davon, alles auf das auszurichten, was ich nicht fangen will. Ein Barschangler rennt ja auch nicht dauerhaft mit Welsgeschirr rum.
Von den Partikeln biete ich eine fingerspitze pro Schuss an. Lieber weniger und dafür öfters. Matscher. Wirbler. Schüsschen. Matscher. Wirbler. Schüsschen. Zweiminütige Abfolge. So ists schön. Kurze Unterbrechungen nehme ich locker, ich mach da kein Krampf draus, muss zwischendurch auch mal Bilder schießen, strullern und versinke in der Natur. Ist ja keine Weltmeisterschaft. Nur meine eigene Kür. 🫡

Wurmstück als Köder
Als Köder nutze ich Dendrobenas, welche ich mir in kleine Stücke schneide. Aus einem 4 bis 6, hängt von Wurm ab. Mit Wurmstücken ist die Durchschnittsgröße am Krautteich oftmals besser, ich will mindestens Handlang und keine Schmetterlinge fangen. Darum füttere ich auch keine Pinkies oder Maden. Die Wurmstücken biete ich an der Hakengröße #14 / 0.12mm bis #12 / 0.14mm an. Kleinere Haken sind mir im Frühsommer suspekt. Die Fische beißen aggressiv und würden nur tief schlucken, das Ergebnis wäre nicht besser, nur umständlicher. Bread Punch und Mais sind noch dabei, beides war aber zu keiner Zeit nötig. Weizen könnte ich jederzeit ebenso anbieten.

4m Stipprute und 1.5g Pose
Mein 4m Stippruten Setup ist kompromisslos. Der Blank leicht und schnell, aus Karbon, die Spitze setzt den Anhieb sofort um. Die Stippschnur ist mit 0.18mm* verhältnismäßig stramm, damit ich nicht ständig Montagen im Kraut absetze, wenn ich darin hängen bleibe und es heran bugsiere. So ein Batzen wiegt und der Krautteich hat seinen Namen nicht grundlos. Dem schließt sich an, das ich handlange Fische herausheben kann und mir etwas Spielraum für die Eltern bleibt. Ich mach kein Speedfischen, eher eine Etage darüber, die Angelei und das Handling sind aber recht ähnlich. Ich werfe einarmig aus dem Handgelenk heraus, fast so, als würde jemand ständig seine Kippe wegschnipsen. Die Pose darf dafür allerdings nicht zu leicht sein. Bei mir 1.5g, damit komme ich gut klar.

Mir liegen lange Antennen ebenfalls besser, meine Augen sind nicht das, was ich vererben wollen würde. Diese ist so ausgebleit, das ein Stück vom schwarzen Körper bei Hebebissen aufsteigt. Die Ködertiefe variiere ich permanent. Von der Oberfläche bis knapp eine Handbreit über Grund, was die Schwarmfische gerade verlangen. Tiefer gehts nicht, dieses Jahr ist alles voller Fadenalgen. Schlimmer als sonst. Köder lege ich an der Whip ohnehin kaum ab, ich konzentriere mich eher auf die Wassersäule, passend zur aktiven Fütterung. Deswegen macht mir diese Angelei auch so Spaß. Ich habe immer etwas zu tun, bin am drillen, füttern, justieren, testen und taktieren.

4m Whip Empfehlung vom 16er-Haken
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Rotfedern und Rotaugen
Startfütterung mit 4 Matschern und zwei Wirblern plus zwei Partikelschüssen. Mir sind sofort handlange Rotfedern eingestiegen. Einige sind tiefgolden, Smaug wäre neidisch, und manche fettbeleibt, der Wanzt ist wohl voller Algen. Rotfedern naschen gerne grünes.

Rotaugen mogeln sich immer wieder dazwischen. Der Drill an der kurzen Stippe befruchtet mich. Ich muss das unbedingt wieder öfters machen. Diese unverkennbare Direktheit, der schnellste Draht zum Fisch. Die Pose nickt nur kurz, ich hebe das Handteil blitzschnell an und der Haken sitzt. Der Fisch, so klein wie sein mag, ist trotzdem mit jeder Bewegung zu spüren, das Stipprütchen überträgt Flossenschlag um Flossenschlag in den Arm. So erging es mir die ersten beiden Stunden, bis plötzlich irgendwie nichts mehr ging. Zaungäste. Schlagartige Ruhe bedeutet fast immer Hecht oder große Friedfische am Futterplatz. Schleien sind oft involviert, ich erkenne da mittlerweile schon ein Muster. Wolkenminen und Weizen. Da steckt mehr dahinter.

Querschläger Giebel
Der erste Querschläger war aber erstmal ein Giebel. Gute Größe. Solche an der 4m Stipprute brennen sich ins Gedächtnis. Der Drill ist grandios, die kleinen Scheißer sind wie Jack Russel Terrier, störrisch und kraftvoll, ziehen voll durch. Genau deswegen hatte ich meine 4m Stipprute mit 0.18mm Hauptschnur bestückt, um nicht das nachzusehen zu haben. Mir hat dieser schon zum Freudentanz gereicht, doch es kam noch besser.


Kleine Schleie an der 4m Stipprute
Wenig später gesellte sich eine kleine Schleie an der 4m Stipprute dazu. Mit relativ viel Kraut im Gepäck. Selbst eine so kleinwüchsige dreht schon ordentlich am Rad. Mit Kraut auf dem Kopf werden sie oftmals ruhiger, lassen sich fast schon willig in den Kescher führen, von der Flucht in den Ruhemodus, als ob das Weed richtig ballert. Das tiefe Grün dieser juvenilen Schleie beeindruckt mich. Dafür gehe ich Angeln. Für solche Momente. In Weiser vorraussicht habe ich das Vorfach auf #12 / 0.17mm erhöht.

Große Schleie an der 4m Stipprute
Joa. War goldrichtig, denn gleich im nächsten Drill stand eine größere Schleie an der 4m Stipprute. Die brannte sich ins Gedächtnis und den Unterarm. Ich bin routiniert, bei meinem Zahnstochersetup gehört dann aber trotzdem Glück dazu. Können hilft, Petrus mehr. Eindeutig überm Limit. Vor und zurück. Links und rechts. Ich mit dem Arm und Oberkörper hinterher. Oftmals flüchten Schleien vertikal im Zick Zack. Also hoch und runter. Das kam mir die meiste Zeit entgegen. Seltener geht die Flucht plump vorwärts, wie bei einem Karpfen. Das tat sie zweimal und das waren die kritischen Phasen, ein Zeitraum von wenigen Sekunden, wo der gesamte Druck sich auf der Schnur entlädt und die Stipprute nur bedingt involviert ist. Zwischen Schleie und Stipprute liegen sowieso nur 4m mit etwas Dehnung. Das ist nichts und nichts ist alles in diesen Augenblicken.
Abrupt endet der Drill, wenn man dann alles reinwirft. Es muss ein Führen und Fühlen sein, das Fingerspitzengefühl, wann Kraft und wann Demut gefordert ist. Man spielt sich gegenseitig kaputt. Schleie und Angler. Des einen Ausdauer, des anderen Nerven. Unbedarft mit der 4m Stipprute den starken Mann zu markieren endet bei einer Schleie im Abriss. Dafür sind weder diese Ruten, noch diese Angelei gedacht. Mein Plan war ja eigentlich auch ein anderer. Habs letztlich gedeichselt, vor Freude fast geflennt, auch wenn meine Texte weniger emotional wirken als ich es tatsächlich bin, nur nutzt sich dieses Stilmittel schnell ab, wird zur Schallplatte und Füllstoff, biedert sich an und würde mich bald nerven, weshalb ich auf Selbsthilfegruppenpathos verzichte. Glaub mal, meine Knie waren so weich wie der Matscher, die Gedanken vogelwild zwischen Endorphinen und Gummizügen noch beim Keschern. Nur, wer geht mit Gummizug Rotfedern stippen? Naja. Beim Angeln gibt es eh keine Spielregeln, nur Situation. Augen zu und durch. Egal was kommt.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🎣 🐟 ❤️




























