Angeln mit Pinkies

Köderkunde: Angeln mit Pinkies auf Friedfisch

In Alle Inhalte, Futterkunde by Christoph Heers2 Kommentare

Sie sind klein, sogar kleiner als die meisten Maden, wuseliger wie ein Weihnachtsmarktbesuch und mein liebster Köder für die schwierigsten Angeltage – Pinkies! Diese Madenart ist das Kind zweier Goldfliegen und weiß für das erfolgreiche Feedern, Stippen oder Winkelpickern unter vielen Szenarien zu begeistern. Was ich dir über das Angeln mit den Pinkies erzählen kann, erfährst du wie immer im Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Pinkies sind eine kleinere Madenart

Mein feuchtfröhlicher Freund des Friedfischfischens, ich muss dir etwas über einen unterschätzten, aber doch so praktischen Köder erzählen – dem Pinkie! Diese kleine Madenart ist die Frucht aus der Liebe zwischen zwei Goldfliegen, den wild um die Wohnzimmerlampe herumkreisenden Nervenbrummersägen. Sollte der Sound einer Haarschneidemaschine dein Ohr passieren, war die Goldfliege garantiert im Spiel. Ich schweife ab….

Der Pinkie ist ein smarter und ungefähr zwei drittel kleinerer Angelköder wie die weltbekannte Fleischmade. Der Name leitet sich vom pinken Stich an der Außenhaut ab, allerdings besitzen einige Unterarten einen eher beigen oder mattweißen Farbton. Der Unterschied spielt aus der Sicht eines Anglers, eher des Fisches, keine wesentliche Rolle. Der pinke Touch deutet sich ohnehin nur dezent an und hat mit gefärbten Lebendködern nichts zu tun.

Goldlarven im Paarungsakt
Liebe pur: Zwei Goldfliegen sorgen für die nächste Köderdose voller Pinkies

Als mitunter kleinster Naturköder, nur Mückenlarven und Squats sind noch kleiner, spielen die Pinkies ihre Stärken für meine Winter, Wetterumschwungs oder Kleinfischangelei aus. Inkludiert sind auch diverse Anfütterungstaktiken mit Madenkörbchen* oder „Lose-Feed“ Strategien beim klassischen Posenangeln vom Frühjahr bis zum Herbst. Rundum: Pinkies punkten beim Angeln unter spezifischen Bedingungen auf alle Friedfischarten.

Herstellung, Herkunftsländer, Preise und Versand

Die wonnige Kindheit eines kommerziellen Pinkies beginnt mit der Eiablage auf einem wundervollen in speziellen Betonbecken über Gittern aufgebahrten Kadaver. Nach 7 Tagen schlüpft die Larve der Goldfliege, welche sich dann einige Tage am fauligen Fleisch satt frisst und vollständig gewachsen auf feingliedrigen Kies fällt.

An dieser Sandschicht findet auch die erste Reinigung statt, weil sich der Pinkie vom Gedärm an seiner Außenhaut entledigt. Alsbald setzt die fachmännische Hand zur Ernte an und schon wandern die Fliegenlarven vollständig gesäubert und vakuumiert über den Großhandel hin zum Angelladen in der Köderdose*. Ausgewiesene Hersteller der Pinkies sind diese Länder:

  • Polen
  • England
  • Ungarn
  • Italien
  • Frankreich
  • Rumänien
  • Tschechien

Der Ladenpreis schwankt naturgemäß und beträgt um die 6€ für einen Liter. Eine Dose, etwa 30ml, kostet im Durchschnitt nicht mehr als einen Euro. Du hast keinen Angelladen vor der Tür? Dein Händler führt nur Gummifische* und hält den Pinkie für eine Schweinart? Kein Problem, tu es mir gleich und kaufe deine Pinkies über das Internet! Eine Anleitung ist auf meinem Blog zwar für Maden veröffentlicht, der Sachverhalt ist aber identisch und klärt die wichtigsten Fragen im Vorfeld ab. Klick den Button bei Interesse an:

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Pinkies sind Köder für schwierige Angeltage

Die Angelei mit Pinkies kennt prinzipiell keine Grenzen, findet in meiner Welt aber vorzugsweise unter schwierigen Wetterlagen oder kniffligen Jahreszeiten statt. Etwa im Winter, wenn der Fisch im eiskalten Wasser seinen Stoffwechsel bei einer zeitgleichen Nahrungsaufnahme reduziert. Der kleine Pinkie, eiweißhaltig und lecker, beschäftigt den Brassen, Plötz oder Karpfen am Futterplatz – der Sättigungsfaktor fällt jedoch geringer verglichen mit Maden, Pellets, Maiskörnern oder Würmern aus.

Unter den anspruchsvollsten Situationen darfst du auch die sogenannten „der Fisch hat das Maul wieder vernagelt“ Phasen im Jahresverlauf verstehen. Ich denke gerade an das fiese Schmelzwasser im Frühjahr oder drastische Wetterwechsel über Nacht im Sommer. In diese Liste fällt ebenfalls das sonnige, windstille und wolkenlose Ententeichwetter. All diese Hürden im Alltag eines Friedfischanglers sprechen für eine Strategie mit Pinkies als Eckpfeiler.

Angeln mit Pinkies bei Nacht im Winter
Feederangeln im Winter bei Nacht ist oft nur mit Pinkies erfolgreich

Ein Extrembeispiel für das Angeln ausschließlich mit Pinkies sind meine Ausflüge mit der Feederrute bei Nacht – im tiefsten Winter! Der einzelne Pinkie präsentiert an der filigranen Hakengröße 20 fängt sogar dann noch Fisch, wenn selbst der eingefrorene Kescherkopf* formstabil durch das eiskalte Januarwasser gleitet. Zugegeben: Es ist ein aufgrund meiner Neugierde wahnwitziger Sonderfall und ich friere nicht selten auf der Sitzkiepe für nur wenige Bisse fest.

Das nächste Einsatzgebiet der Pinkies abseits doofer Weltuntergangsszenarien bezieht sich auf das sportliche Speed, Kleinfisch oder Köderfischangeln. Der Pinkie, solistisch oder kollegial serviert, wird vom kleinen Rotaugen, Rotfedern, Skimmer oder Laubenmaul schlicht schneller inhaliert. Kombiniert mit Stippruten, leichten Posen und feinen Haken verbessert sich beispielsweise die Ausbeute beim Köderfischangeln. Ideal im Winter zur Vorbereitung für die Quappenausflüge!

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Notköder auf Großfisch im Sommer

Der Pinkie mag zwar kein sonderlich selektiver Lebendköder sein, für meine Sommeransitze nimmt er dennoch eine Sonderstellung als Notnagel für die größeren Friedfische ein. Er bildet die eiserne Lebendköderreserve wegen einer Haltbarkeit von bis zu 6 Monaten! Ziemlich vorteilhaft, falls der Angelladen vor Ort keine Ware hat, der Weg ins nächste Geschäft einer Weltreise gleicht und nur die Maden aus der Biotonne in Reichweite liegen. Brrrrrrrr.

Aus welchem Grund auch immer: Fehlen mir die Maden, nicht nur emotional, sondern als wichtiges Futtermittel, springt der Pinkie in die Bresche – und mein Pflichtvorrat um die zwei Liter überdauert im Kühlschrank beinahe zwei Quartale. Stets Einsatzbereit, im gleichen Zeitraum schwirrt die verpuppte Fleischmade bereits in der vierten Generation um die Wohnzimmerlampe.

Gefangene Brassen im Sommer mit toten Pinkies
Sommerbrassen ließen sich die Pinkies am Baggerloch schmecken – ohne Beifänge!

Gefüttert werden die Pinkies beim Angeln im Sommer auf Brassen, Karpfen, Schleien oder Barben allerdings nicht im lebhaften, sondern mausetoten Zustand. Ein lebloser Köder im Futter wirkt aufgrund des fehlenden Bewegungsreizes, nichts ruckt und zuckt am Gewässergrund, einfach selektiver. Die handbreiten Rotaugen, Rotfedern oder Ukeleis bedanken sich darum mit Desinteresse am Futterplatz. Ganz im Sinne meiner Strategie – vorausgesetzt, das Futter ist ebenfalls passiv aufgebaut!

Als Köder bietet sich selbstverständlich ein Pinkiebündel, je nach Beißverhalten tot oder lebendig, am 14er-Haken an. An manchen Tagen will der Fisch eine wuselige Krake, dann wieder einen regungslosen Snack. Gerade im Winter scheinen die toten Maden oder Pinkies passend zum Stoffwechsel sogar noch etwas effektiver beim Angeln zu sein. Klick diesen Link für die Herstellung an. Weitere praktische Alternativköder sind Pellets, Maiskörner, Bachflohkrebse oder Brotflocken. Manche sind leider nur als Köder, aber nicht im Futter tauglich – Pinkies decken beim Angeln alle Szenarien ab!

Anfüttern mit Pinkies beim Angeln

Das Anfüttern auf Brassen, Karpfen, Schleien oder Rotaugen mit Pinkies unterscheidet sich nicht sonderlich von der Made und erfolgt mit den Händen, Futterschleudern, Futterkörben oder Futterbällen. Ich bevorzuge den mit der Futterschleuder geschossenen Pinkie sogar phasenweise, je nach Jahreszeit und Wassertiefe, beim Rotaugenangeln mit der Pose am Still oder Fließgewässer.

Der Plötz, er ist ein Fisch aller Wasserschichten, hat noch mehr Spaß wegen der längeren Absinkphase, so auch mein Plan, gleichzeitig fällt die Sättigung beim Gaumenschmaus weniger drastisch aus. Selbstverständlich, die Ergebnisse steigen! Bonustipp: Pinkies gerne im Wechsel mit Hanf* oder Castern beim Angeln schießen und nach einer gewissen Vorlaufzeit die Posenmontage am Grund für fette Rotaugen ablegen. Es lohnt sich oft!

Anfüttern mit Futterschleuder und Pinkies
Anfüttern mit der Futterschleuder und Pinkies beim Angeln auf Rotaugen

Ein weiteres Stilmittel für meine Angelei mit Madenkörben oder Stickfloats sind die in Gewürzen oder Lockstoffen eingelegen Pinkies. Beide Methoden sind grundsätzlich ohne Futtermehleinsatz erfolgreich und stützen sich eher auf das effektive Ködermanagement. Der aromatisierte Pinkie, ähnlich wie Micro Pellets*, lockt und hält die Schwärme zielgerichtet am Futterplatz, perfekt für das in Deutschland weitestgehend vergessene mobile Friedfischangeln. Oder einfach nur raffiniertes Angeln ohne tackletechnischen Showcharakter…..

Ich empfehle dir für das lose Anfüttern via Futterschleuder oder Madenkorb pro Köderdose zwei Esslöffel Curry, Anis, Kurkuma, Kaffee oder Knoblauchpulver. Geheimtipp: Madenwürze von Top Secret oder Flavor Shaker von Sonubaits über die Pinkies streuen, du wirst die Schlundzähne vom Futterplatz bis zum Ufer klappern hören! Verwende aber bitte keine Flüssiglockstoffe, der feuchte Pinkie ist ein wahrer Ausbruchskünstler und quetscht sich durch jede noch so kleine Lücke.

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Pinkies beim Angeln richtig Anködern

Angeködert wird der Pinkie typischerweise am Hautlappen hinter den beiden schwarzen Punkten, die „Augen“ am falschen Ende. Der Haken, bei diesem Thema sind keine Kompromisse gefragt, muss ein dünndrahtiges, leichtes und messerscharfes Modell sein. Die bestmögliche Köderpräsentation beschreibt einen fest im Sattel sitzenden, niemals auslaufenden und maximal quirligen Pinkie. Der Bewegungsreiz ist eine Waffe beim Friedfischangeln, nutze ihn!

Ein Häkchen passend zum Pinkie begünstigt auch den wohl wichtigsten Moment eines Anglers, der manchmal hektischen oder misstrauischen Köderaufnahme. Vornehmlich das Rotauge, die ruckartigen Bisse an der Feederspitze* treiben mir sogar beim Schreiben den Schweiß über die Stirn, attackiert den Köder häufig extrem flink – bei einer mitunter lausigen Trefferquote. Logisch, es ist ein den Raubfischen ständig ausgesetzter immer in Konkurrenz stehender Schwarmfisch. Im flankierten Sturzflug frisst es sich halt eher schlecht als recht.

Pinkies richtig angeködert am kleinen Haken
Pinkies werden beim Angeln klassisch am Hautlappen hinter den beiden Augen angeködert

Ich will dich jetzt nicht weiter mit verkomplizierenden Fallbeispielen nerven und zum entscheidenden Punkt kommen: Winzige Lebendköder sind wegen ihrer Leichtigkeit so wirkungsvoll und werden in ihrer Effektivität immer durch unnötig schwerfällige Haken kontrahiert. Ein Fisch hat keine Arme, muss seine Nahrung daher mit dem Maul prüfen und genau dieser Moment entscheidet zwischen Top oder Flop. Ich bin ja eher für Top! Zur Vervollständigung meine favorisierten Hakengrößen beim Angeln mit den Pinkies:

  • Einzeln – Größe 20
  • Duo – Größe 18
  • Tripple – Größe 16
  • Bündel – Größe 14

Verstehe diese Angaben wie immer als groben Richtwert, weil jeder Hersteller seine eigene Größensuppe kocht und keine Norm existiert. Aus der Erfahrung heraus möchte ich dir deshalb ein Modell empfehlen – den Browning Sphere Ultra Light*. Dieser Haken begeistere mich beim Winterangeln und landete trotz seiner filigranen Erscheinung einige Satzkarpfen beim Winkelpickern. Nicht mit gegafften, sondern mit viel Feingeist angeköderten Pinkies gefangen!

Herzlichst, dein 16er-Haken

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Über den Autor

Christoph Heers

Hallo! Mein Name ist Christoph Heers und ich bin die Person hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich Angler, mit vielen Wassern gewachsen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Meine Mission - die Erfahrungen mit dir zu teilen! Du findest auf meinem Blog viele Strategien, Tipps und Tricks über das Feedern, Stippen, Winkelpickern und Matchangeln, aber auch Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander!

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Kommentare

  1. Moin, danke für diesen tollen Artikel.

    Mir stellt sich jedoch die Frage, wie ich den Haken dann in meine Mould packen sollm wenn ich einen Methodfeeder nutze. Hast du da einen Tipp ohne das ich die Tiere zerquetsche?

    1. Author

      Anstatt lebende, einfach tote Pinkies/Maden beim Method Feedern für größere Friedfische verwenden. Eine Anleitung zur Herstellung findest du hier: Angeln mit toten Maden.

      Mehr als 100 Stück brauchst du beim Method Feedern nicht, ich friere mir darum immer kleine Mengen in Gläschen ein. Vor dem Ansitz hole ich die toten Pinkies oder Maden aus dem Froster, fülle etwas Wasser in das Glas, dann tauen sie während der Anfahrt auf, verwesen aber nicht und sind am See sofort einsatzbereit. Können am Bait Band oder Haken gefischt werden.

      Grundregel: Tote Maden/Pinkies nach Tötung während des Transports und beim Angeln immer in Wasser lagern. Topköder für alle Friedfische, besonders im Winter!

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