Copra Melasse

Angeln mit der Copra Melasse im Futter

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Ein süßer Geschmack, herber Geruch und brauner Farbton beschreiben die Charakteristik meiner mitunter liebsten Zutat für die eigenen Rezepte: die Copra Melasse! Hergestellt aus zuckersüßer Melasse und Kokosnusstrester verspricht dieses Futtermehl ein freudiges Gaumenfest am Gewässergrund. Gleichermaßen auf Brassen, Karpfen, Schleien oder Rotaugen! Welche Eigenschaften die Copra Melasse besitzt und wie der Einsatz im Angelfutter erfolgt, erfährst du wie immer im Bericht. Viel Spaß beim Lesen!




Ein Hauch von Malayalam im Angelfutter

Viele Angler kennen die Copra Melasse vom Hörensagen, fast alle Händler verkaufen sie, aber kein Mensch konnte mir bisher erklären, woraus dieses Futtermehl eigentlich besteht. Sie schmeckt süßer wie der erste Kuss, riecht herber als das Feierabendbier und könnte farblich frisch gemahlener Kaffee sein. Die meisten Futterzutaten erklären sich glücklicherweise von selbst. Ein Maismehl wird beispielsweise aus Mais, ein Biskuitmehl aus Keksen und ein Brotmehl aus Brot hergestellt. Und die Copra Melasse?

Mein feuchtfröhlicher Freund des Friedfischfischens, nach stundenlangen Recherchen inklusive Augenringen im Rettungsringformat landete ich letztendlich in Indien und wurde zum Sprachwissenschaftlicher. Auf Wish bestellt. Die Copra Melasse besteht, bitte den Trommelwirbel einspielen, aus Kokosnüssen! Genauer geschrieben aus dem Kokostrester, das Fruchtfleisch nach der Gewinnung von Kokosnussölen und Fasern.

Die Copra Melasse wird aus der Kokosnuss hergestellt
Copra Melasse besteht aus Kokosnussmehl und Melasse

Dieser Kokosnusstrester wird weiterverarbeitet, mit zuckersüßer Melasse vermengt und danach als Tierfuttermittel verkauft. Hauptsächlich in der Schweinezucht und ebenso als Futtermehl* für Angler. Die Copra Melasse setzt sich also aus zwei verschiedenen Rohstoffen zusammen. Aus der Melasse, verantwortlich für den süßen Geschmack und braunen Farbton. Die Kokosnuss steuert das Mehl mit seinem röstartigen Aroma bei.

Das „Copra“ vor der Melasse, ich schließe den Kreis zum Sprachwissenschaftler, entspringt im Übrigen dem Malayalam, der Amtssprache im indischen Bundesstaat Kerala. Der Begriff leitet sich vom ”koppara”, ins deutsche Übersetzt die „getrocknete Kokosnuss“ ab. Und jetzt darfst du dreimal raten, was der keralische Bauer weitläufig auf seinen Feldern anbaut. Richtig, dort wächst die Kokosnuss soweit das Auge reicht! ?



Eigenschaften der Copra Melasse

Die Copra Melasse zählt zu den Funktionsmehlen im Grundfutter und ergänzt meine Rezepte um ihren süßen Geschmack, herben Geruch, braunen Farbton und schwerem Eigengewicht. Als universelle Zutat ist dieses Futtermehl auf alle Friedfischarten beim Feedern, Stippen, Matchangeln oder Winkelpickern einsetzbar. Der Geruch, angesiedelt zwischen Arsch und Mottenkammer, ähnelt den gerösteten Kokosnussmehlen und spricht beispielsweise Rotaugen das ganze Jahr über gezielt an.

Der süße Geschmack nagelt wiederum alle Brassen, Schleien oder Karpfen am Futterplatz fest. Ein Angelfutter süßer wie die Jugendliebe ist ohne großes Federlesen über die Copra Melasse angemischt mit Biskuitmehlen, wahlweise noch Flüssigmelasse als Diabetesbeschleuniger, sowie den Basismehlen möglich. Der dunkele Farbton, beinahe Kaffeebraun, spielt ebenfalls eine Rolle für das Abdunkeln eines Friedfischfutters im Winter. Zusammengefasst besitzt die Copra Melasse diese Eigenschaften:

  • keine Bindung
  • kaffeebrauner Farbton
  • süßer Geschmack
  • herber Geruch
  • leichte Aktivität
  • hoher Nährwert
  • hohes Eigengewicht

Ein Eckpfeiler meiner Futterrezepte sind die bindigen, fettigen und oftmals auftreibenden Biskuitmehle. Die Copra Melasse, schwer und bindefrei, sprengt diese Keksmehle bei einer zeitgleichen Beschwerung vorteilhaft auf. Die gleiche Funktion erfüllen die eher aktiven, aber weniger aromatischen Maismehle. Die Copra Melasse ist deshalb ein universelles, beschwerendes und aromatisierendes Futtermehl in allen Rezepten. Rundum, ein unschlagbares Gesamtpaket!

Frische Copra Melasse fühlt sich erdfeucht an

Eine frische Copra Melasse, quasi von der Kokospalme in den Melassebottich gefallen, fühlt sich aus der Tüte befreit noch erdfeucht an. Diese Grundfeuchte, ein Tagteam aus Melasse und Kokosnussöl, führt nicht zur Schimmelbildung oder sonstigen Qualitätseinbußen. Im getrockneten Zustand ist das Mehl nur etwas leichter, aber weder im Geschmack, noch Aroma abweichend.

Dosierung im Futter

In meinen Rezepten nimmt die Copra Melasse einen Anteil von bis zu 40% pro Kilogramm im Lockfutter je nach Zielfisch, Gewässertiefe, Strömungsstärke und Angelmethode ein. Die Gesamtmenge variiert ebenso nach den Untergrundverhältnissen und orientiert sich stets an der Idee, wie mein(e) Rezept(e) schmecken, riechen und arbeiten sollen. In der Tabelle sind einige Dosierungsempfehlungen hinterlegt, verstehe diese Angaben bitte als groben Richtwert:

FuttersorteAnteil im Futter
Rotaugenfutter30% – 40%
Brassenfutter20% – 25%
Futterschwere10% – 15%
Bindungsreduzierung10% – 25%
Karpfenfutter15% – 25%
*Angaben beziehen sich immer auf einen Kilogramm im Lockfutter

Eine Grundregel – im steigenden Anteil verleiht die Copra Melasse allen Rezepten einen immer süßeren, schwereren, dunkleren und weniger bindigen Charakter. Hoch dosiert, meine Grenze liegt bei satten 40% im Futter, beschleunigt sich die Köderfreigabe massiv. Ein Futterball öffnet sich dann schon im Oberflächen oder Mittelwasser und kurz darauf purzeln die Maden zum Gewässergrund. Ideal für Rotaugen, Rotfedern, Alande oder Sommerkarpfen! Eine flotte Köderfreigabe ist auf weichen Untergründen ebenfalls sinnvoll, um den Futterplatz auf und nicht im Schlamm zu präsentieren.



Leichtes und herb riechendes Futter für Rotaugen

Ein herb riechendes Rotaugenfutter im süßsalzigen Geschmack ist über die Copra Melasse im Anteil von bis zu 40% erzielbar. Das Rezept wird idealerweise mit feinen Brotmehlen oder semiaktiven Zwiebackmehlen aufgebaut. Hoch dosiert übernimmt sie den Part des Aktivators, bricht die bindige Struktur auf, dunkelt das Angelfutter ab und beschleunigt die Köderfreigabe.

Ein Hanfmehl, grob gequetscht oder geröstet, spielt als weitere Zutat die wichtige Aktivität aus. Das grobe Hanfmehl übernässe ich im Vorfeld zusätzlich, dann entsteht eine enorme Wolkenbildung. Klicke diesen Link, navigiere bis zur Mitte und pfeif dir meine Anleitung für noch mehr Informationen rein. Bonustipp: Im Herbst oder Winter sind gekochte Hanfkörner* als Futterzutat für fette Rotaugen unschlagbar!

Rotaugen lieben den herben Geruch der Copra Melasse
Rotaugen lieben das herbe Aroma der gerösteten Kokosnussmehle

Das Aroma, artverwandt mit den gerösteten Kokosnussmehlen, ist ein leistungsstarker Attraktor für das Rotauge. Ich kombiniere diese Grundrichtung gerne mit klassischen Gewürzen wie Curry, Kurkuma, Koriander oder sogar Maggi für noch mehr Spektakel im Wasserkörper. Zu allen Jahreszeiten versteht sich!

Hoch dosierter Koriander, bis zu 200g auf einen Kilogramm im Lockfutter, fördert ebenso die Aktivität. Das Rotauge spricht auf visuelle Reize vorzüglich an, eine Strategie, die sich unter Holländern und Franzosen fest in der Trickkiste etabliert hat. Bonustipp: Das Aroma der Copra Melasse zugesetzt mit Vanillelockstoffen* und Koriander zauberte mir schon etliche große Elbrotaugen über den Kescher. Unbedingt ausprobieren, es lohnt sich!

Süßer Brassenfutter auf schlammigen Untergründen

Für ein süßes Brassenfutter serviert auf schlammigen Untergründen verwende ich einen Anteil von bis zu 25% der Copra Melasse in meinen Rezepten. Angemischt mit Biskuit* oder Waffelmehlen, viele Sorten treiben auf, entsteht ein beinahe schwereloser, aber sinkender süßlicher Rohbau. Alle weiteren Zutaten runden den Mix für eine flotte Köderfreigabe am weichen Gewässergrund ab. Das Zusammenspiel zwischen Copra Melasse und leichten Futtermehlen ist für meine Brassenangelei von großer Bedeutung, beispielsweise am schlammigen Teich, See, Hafen, Elbloch oder Buhnenfeld.

Brassen gefangen auf süße Coprah Melasse
Süßes Futter fängt viele Brassen an meiner Elbe

Der herbe Geruch, nicht sonderlich dominant, allerdings ein Rotaugenmagnet, sollte mit typisch brassigen Lockstoffen übertüncht werden. Ich empfehle dir Aromen wie Bloodworm, Krill oder Spekulatiusgewürz im Brassenfutter. Ein Fertigfutter für die Flussangelei, etwa das Sweet Bream von Browning*, ist mit 200g Copra Melasse pro Kilogramm ebenfalls in seinem Einsatzgebiet erweiterbar. Der nun weniger bindige und noch schwere Mix eignet sich dann perfekt für die mittlere Strömung an den Buhnen, Flüsschen oder Kanälen.

Copra Melasse kaufen – Erfahrung zu Preisen

Die Copra Melasse zählt zu den mittelpreisigen Futtermehlen und kostet zirka 3€ pro Kilogramm. Ein Gebinde, die sogenannte „Sackware“, drückt die Kosten auf bis zu 1.50€ pro Kilogramm. Solche Schnapper bieten einige Händler über ihre Futterfeste oder Rabattaktionen an. Für meine Ansitze, immerhin bis zu 120 Tage nur Friedfischangeln im Jahr, steht ein Verbrauch von 15kg – der Sack kauft also Säcke. Qualitative Copra Melasse kannst du bei meinem Partner kaufen:

Copra Melasse 1kg*

Futtermehle in Fässern geschützt vor Ungeziefer und Feuchtigkeit lagern

Meine Copra Melasse wird nebst unzähligen weiteren Futtermehlen immer in Fässern mit Schraubverschluss gelagert. Diese Fässer schützen meine Rohstoffe vor Feuchtigkeit, Lichteinfall, Verderb und Ungeziefer. Sei besonders auf der Hut vor Lebensmittelmotten und verzichte aus Kostengründen niemals auf luftdichte Behälter. Du bezahlst nach einem Befall sonst in jeder Hinsicht doppelt! Ein günstiger Eimer, der Deckel sollte nahtlos am Rand ansetzen, bietet sich als Ersatz zum Fass an.

Ein Futtermehl überdauert in der Vorratskammer richtig gelagert viele Monate, sogar Jahre. Weder der Geruch, noch die Konsistenz oder der Geschmack, alles mit Nase und Zunge an einem drei Jahre alten Honigbiskuit getestet, nehmen spürbar ab. Einzig die Copra Melasse, sofern frisch, verliert nach einem halben Jahr ihre Grundfeuchte. Gönnerhaft wie und je möchte ich dir noch diese bereits auf dem Blog veröffentlichten Futtermehle für den gepflegten Lesegenuss empfehlen:

Abschließend noch eine Frage – wie sehen deine Erfahrungen mit der Copra Melasse im Angelfutter aus? Hat sich dieses Futtermehl in deinen Rezepten oder Fertigfuttersorten etabliert? Wenn ja, warum? Du hast eine Rezeptidee und möchtest Feedback? Sonstige Sorgen, Nöte oder Ängste? Hinterlasse mir und meinen Lesern einen Kommentar, weil uns deine Meinung brennend interessiert!

Herzlichst, dein 16er-Haken

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Über den Autor

Christoph Heers

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Hallo! Mein Name ist Christoph Heers und ich bin die Person hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich schon Angler, mit vielen Wassern gewachsen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Meine Mission - die Erfahrungen mit dir zu teilen! Du wirst auf meinem Blog viele Strategien, Tipps und Tricks über das Feedern, Stippen, Winkelpickern und Matchangeln, aber auch Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander vorfinden!

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