Angeln mit Brotflocke

Angeln mit der Brotflocke an der Elbe

In Alle Inhalte, Feedern, Futterkunde by Christoph HeersKommentieren

Bock auf Brotzeit? Keine Sorge, ich will dir keine belegten Bemmen mit der feinsten ostelbischen Wurst servieren, stattdessen erwartet dich eine erstklassige Strategie – das Angeln mit der Brotflocke! Eine herausgerissene Flocke aus einer Weißbrotscheibe ist seit vielen Jahren mein liebster Ansatz für den flotten Ansitz auf Brassen, Döbel, Alande, Karpfen oder Rotaugen. Im März begleitete mich die Brotflocke sehr erfolgreich an die Elbe. Viel Spaß beim Lesen!




Effiziente Brotflocken für schwierige Wintertage

Es ist März, die Temperaturen wollen einfach nicht steigen und anstelle der ersten Sonnenstrahlen prallen faustgroße Regentropfen getragen von Windböen auf die Wasseroberfläche am großen Fluss. Die Elbe ist mein Zuhause und wie jedes Jahr verbringe ich unzählige Stunden an den wilden Ufern. Für die mitunter schwierigsten Ansitze rund um den Winter greife ich auf eine sehr effiziente Strategie zurück: Das Angeln mit der Brotflocke unweit der Strömungskante!

Gefühlt in Vergessenheit geraten und vollständig von den Pinkies, Maden oder Würmer verdrängt bedient dieser Köder meine praktische, spontane und vornehmlich faule Seite. Der Aufwand, ein Weißbrot zu kaufen und eine Flocke beim Angeln herauszureißen, bedarf keiner großen Worte. Im Bezug auf die Fängigkeit sind viele Lebendköder zwar effektiver, im kalten Flusswasser aber nicht zwangsläufig effizienter.

Angler mit Brotflocke
Brotflocken sind zielgerichtete Friedfischköder ohne großes Federlesen

Worauf ich hinaus will, ist der Kostennutzenfaktor für eine Strategie an den weniger ertragsreichen Angeltagen. Große Futterschlachten, massenhaft Lebendköder und enorme Vorbereitungszeiten sind an meiner Elbe ab April bis November, allerdings nicht von Dezember bis März bei maximalen Wassertemperaturen von nur 5 Grad gefragt. Zusätzlich peitscht der garstige Ostwind über die Buhnenköpfe, der Pegel schwankt und die Schneeschmelze drückt den Stoffwechsel – nicht meinen, ich fresse immer.

Der Fisch, er wandert manchmal schon im Januar, haart aber auch gerne bis weit in den März hinein in seinen Seitenarmen oder Häfen aus, ist dann nur mit viel Geduld und Ausdauer fangbar. Wartezeiten von bis zu 4 Stunden nach der Startfütterung für nur einen einzigen Biss sind keine Seltenheit! Viele Schneidertage im kalten Winter oder zeitigen Frühjahr waren mein Lehrmeister: Effizienz schlägt Effektivität am großen Fluss, darum sind einfache Strategien der Schlüssel zum Erfolg. Das Angeln mit der Brotflocke!



Richtige Weißbrotsorte ideal Anködern

Bevor wir beide einen Fuß auf den Buhnenkopf setzen, will ich dir noch etwas über die richtige Brotsorte und Anköderung erzählen. Ich bevorzuge immer frisches Sandwichweißbrot mit der typisch klebrigen grundfeuchten Konsistenz. Dieses in Scheiben geschnittene Sandwichweißbrot von Gut&Günstig oder Bums&Billg hat jeder Discounter für nur 0,99€ im Sortiment. Der spontane Wochenendausflug gelingt ebenfalls mit frischen Sonntagsbrötchen von der Tankstelle.

Das Anködern auf ordentliche Brassen, Dölande oder Rotaugen geschieht über ein daumennagelgroßes am Plättchen bis kurz vor den Hakenbogen kräftig angedrücktes Weißbrotstück. Die Brotflocke wird zusätzlich am Hakenschenkel für einen Halt von bis zu 20 Minuten selbst bei mittelstarker Strömung eingeknetet. Der Puschel, luftig locker am Hakenbogen flatternd, fungiert sogar als kleines Schwämmchen für Dips oder Sprays. Eine daumennagelgroße Brotflocke ist an der Hakengröße 10* perfekt präsentiert.

Brotflocke beim Angeln richtig Angeködert
Brotflocken angepresst am Hakenschenkel halten der Strömung bis zu 20 Minuten stand

Ein wichtiger Grundsatz für das Angeln mit allen Brotsorten ist der Schutz vor der Witterung für den Erhalt der klebrigen Konsistenz. Das Weißbrot trocknet unter Wind oder Sonnenschein sonst aus, wird spröde, verliert seine Klebkraft und hält nicht mehr am Haken. Ich empfehle dir alle Weißbrotscheiben, sechs genügen für einen Nachmittag, in Frischhaltetüten zu lagern und Flocken nur bei Bedarf herauszureißen.

Typisch Brot, allerdings kein Problem, ist ein leerer Haken nach Fehlbissen oder Köderkontrollen. Die Brotflocke ist ein sehr weicher, sich aufplusternder, schlonziger und nicht besonders widerstandsfähiger Köder. Diese Leichtigkeit steigert immer die Bissausbeute, führt aber auch zum flotten Verlust durch Fremdeinwirkung. Die Montage sollte nach einem Wurf deshalb nur gespannt und bis zur Köderkontrolle nach spätestens 20 Minuten nicht mehr bewegt werden. Nach einem Fehlbiss, fiese Rotaugen lauern beim Angeln an jeder Ecke, ködere ich sofort eine neue Brotflocke an. Auf den Bus zu warten macht Sinn, der weiche Köder ist aber garantiert weg!

Attraktives Brot über Lockstoffe

Eine Brotflocke arbeitet wie ein Schwamm und saugt sich mit allen Dips, Lockstoffen oder Sprays für eine reizvollere Köderpräsentation voll. Der besprühte Puschel provoziert beispielsweise über Aromen wie Krill, Monstercrab oder Knoblauch aggressivere Bisse vom launischsten Friedfisch. Ich bevorzuge Sprays wegen des einfacheren Handlings, kleine Dipgläschen und Flocken passen selten zueinander. Meine Empfehlung:

Quantum Radical Vampire Garlic*



Futtertakik beim Angeln mit der Brotflocke im März

Meine Futtertaktik für diesen launischen Märztag basiert auf dem Grundprinzip ”Sichtbarkeit durch Aktivität”. Ein mittelbindiges Rezept aufgebaut aus Futtermehlen*, Vanille und Micro Pellets zugesetzt mit gesiebten Weißbroten erledigt den Job. An den schwierigsten Angeltagen ist etwas Krawall an der Strömungskante oft förderlich und genau diesen umtriebigen Charakter erzielt das über einen 3mm Sieb geriebene Weißbrot im Futter. Es transportiert die Aromen stromab hin zu den Riechgruben und führt den Fisch dorthin, wo er hingehört. In die Richtung meiner Brotflocke!

Der Masterplan orientiert sich auch an der Jahreszeit und zielt auf den größtmöglichen Wirkradius ab. An der Strömungskante ist im kalten März noch nicht mit Standfisch zu rechnen und jeder Aland, Döbel oder Brassen muss mit allen mir zur Verfügung stehenden sinnvollen Stilmitteln angesprochen werden. Von der schwächeren Strömung getragene und nicht übermäßig aktive auf den größeren Friedfisch abzielende Partikel zeigen, was ich zeigen will. Eine Nahrungsquelle, meinen Futterplatz.

Futter aus Weißbrot mit Micro Pellets am Fluss
Aromen wie Vanille, Knoblauch, Bloodworm, Kurkuma oder Curry setze ich während meiner Angelei mit der Brotflocke situativ im Futter ein

Gemäß der Agenda kurzer Vorbereitungszeiten greife ich beim Angeln mit der Brotflocke häufig auf 2mm Micro Pellets im Futter zurück. Ungefähr 150g sind für diesen Märztag ausreichend, schnell aus der Tüte befreit, in die Köderdose abgefüllt, mit Flusswasser angesetzt und über den Futterkorb angefüttert. Der Fisch reagiert (hoffentlich) auf mein Angebot, verweilt länger am Futterplatz, diniert die Partikel, rastet getrieben vom Neid komplett aus und verleibt sich gierig meine Brotflocken ein. Empfehlung des Hauses: Micro Pellets in Bloodworm*, alleine schon wegen der rötlichen Farbe.

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Tackle für das Feedern an der Strömungskante

Meine Ausrüstung für das Angeln an der Strömungskante mit der Brotflocke liest sich spektakulär unspektakulär. Eine 4.20m/120g Feederrute bestückt mit einer 2 Unzen Glasspitze* schmückt den Buhnenkopf. Die Elbe mag zwar ein großer Fluss sein, am Übergang zur Buhne ist der Wasserdruck aber nicht sonderlich hoch. Der Begriff „Strömungskante“ beschreibt die Verhältnisse, ein Futterkorb bis maximal 70g passt.

Ausrüstung zum Angeln mit Brotflocken an der Strömungskante

Eine 5000er Rolle bestückt mit einer monofilen 0.26mm Schnur* fügt sich nahtlos in das Setup ein und führt den großen Fisch flott über das Packwerk. Der höhere Schnurzeinzug begünstigt zeitgleich die Einholgeschwindigkeit für den entfernten Futterplatz, in meinem Fall gute 45m an einer Sandbank. Pro Kurbelschlag sind um die 85cm auch im Hinblick auf Vorfachdrall ideal. Meine Ausrüstung für das Angeln mit der Brotflocke an der Strömungskante besteht aus:

  • Feederrute ab 4.20m/120g
  • Rollengröße ab 5000
  • Hauptschnur ab 0.26mm
  • Vorfachstärken ab 0.16mm
  • Vorfachlängen bis 100cm
  • Hakengröße 10 bis 12
  • Futterkörbe bis 70g

Die Vorfachlänge an der durchlaufenden Feedermontage beträgt 100cm im 0.16mm Durchmesser. Einem Anfänger empfehle ich, die Vorfachstärke um 0.04mm zu erhöhen. Ein Brassen wäre zwar kein Endgegner, sofern nicht querstehend in der Hauptströmung tänzelnd, allerdings zieht der Aland als typischer Brotflockenfisch im Drill voll durch. Den Schnurklipp während der explosionsartigen Fluchten lösen zu müssen, im Sommer sind Saltos an der Wasseroberfläche inkludiert, will vom Anfänger erst gelernt sein.

Ein Haken der Größe 10 bis 12 sollte für die daumennagelgroße Brotflocke aus dem gleichen Grund immer kräftig sein. Der robuste Draht hält den Brassen, Aland oder Döbel ohne Aufbiegen auf der Stelle, bis die Kurbelschläge den Weg zum Kescherkopf einleiten. Ein Browning Beast Sphere* ist ganz dufte. Wovon ich dir abrate: Feedern ohne Schnurklipp auf Distanzen über 20m zur Vermeidung jeglicher Komplikationen. Das Feedern ohne Wurfbegrenzung, verzeih mir bitte diesen Vergleich, ist wie F**cken mit Gummi bei Kindeswunsch. Genauigkeit ist Trumpf!

Brotige Märzbrassen beim Angeln mit Brotflocke

Meine Platzwahl fiel auf eine nicht von mir geplante Buhne an einer vom hohen Pegel verschluckten Sandbank. Alle anderen Buhnen, etwas tiefer aber nicht zwangsläufig ertragsreicher im Winter oder frühen Frühfrühjahr, beanspruchte die Elbe für sich. Vor drei Tagen ärgerte ich mich an dieser noch komplett begehbaren Strecke über zwei verschlagene Bisse. Keine 72 Stunden später präsentierte sich der März wie aus dem Lehrbuch – alles Landunter und der große Fluss grinste hämisch vor sich hin!

Einen Buhnenkopf überließ mir die Elbe allerdings. Zufall? Der Aufbau meiner Ausrüstung, nur ein Feederstuhl mit Side Tray, war schnell erledigt. Die Startfütterung über 5 Distance X-Change Feeder mit einigen Micro Pellets an der Strömungskante nebst der Sandbank auf 45m flott serviert und dann….passierte zwei Stunden nichts. Kein Zupfer oder Schnurschwimmer, nur zwei alte auf der Elbe schwimmende Kähne. Ja, auch das ist der März und das Angeln mit der Brotflocke bleibt ein Spiel auf Zeit. Ich würde den Spannungsbogen ja gerne hochhalten, aber diese verflixten Bilder!

gefangene Brasse mit Brotflocke beim Angeln
Auftakt nach Maß beim Angeln mit der Brotflocke: Großer Brassen!

Nach geschlagenen 2,5 Stunden schnappte sich also doch noch ein guter Brassen meine mit Knoblauch besprühte Brotflocke. In der Zwischenzeit, taktisch typisch am kalten Wasser orientiert, landeten alle 10 Minuten neue Futterkörbe mit Micro Pellets am Futterplatz. Drei weitere Brassen, mysteriös pünktlich jede halbe Stunde, folgten ihrem Kamerad über den Kescherkopf*. Die Bisse kamen wie immer aus dem Nichts und fühlten sich wie schwarzer Kaffee auf Speed an.

Nach 4 Stunden, zufrieden heimgekehrt und den Hund tätschelnd, berichtete ich Charly von der runden Nummer am großen Fluss. Er würde dir erzählen, das Herrchen sein Futter in nur 15 Minuten angemischt und die Taschen schneller wie ein Rotfedernbiss gepackt hatte. Das Angeln mit der Brotflocke ist auch genau das: schlicht, einfach, schnell und effizient!

Herzlichst, dein 16er-Haken

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Über den Autor

Christoph Heers

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Hallo! Mein Name ist Christoph Heers und ich bin die Person hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich schon Angler, mit vielen Wassern gewachsen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Meine Mission - die Erfahrungen mit dir zu teilen! Du wirst auf meinem Blog viele Strategien, Tipps und Tricks über das Feedern, Stippen, Winkelpickern und Matchangeln, aber auch Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander vorfinden!

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