Alle Jahre wieder fange ich Hechte beim Friedfischangeln, mal auf Mais, mal auf gedrillte Weißfische, die vom Vorfach geschmachtet werden. Im Regelfall ziehe ich den kürzeren, das ist aber nicht immer so, wie ich von diesem Angeltag an einem kleinen See berichten kann. Ein kurzer Schnack aus dem Nähkästchen über Mais und Hecht, Fischdiebe, Erfahrungen und Erlebnisse.
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Räuber auf Abwegen
Beifänge sind nichts ungewöhnliches. Raubfische, die Friedfischköder verköstigen, absichtlich oder zufällig sei erstmal dahingestellt, auch nicht. Ja, es war mal wieder soweit und ich konnte einen Hecht mit Mais fangen, als ich just an meinem Lieblingssee großen Rotaugen nachstellte. Ich hab kein einziges erwischt, einige wenige davon übertreffen die magische 40cm Marke, sind aber nur so groß geworden, weil sie den Hechten sofort ausweichen. Sie sind scheu und müssen es sein, in der Mitte der Nahrungskette ist man schnell oder schnell Beute.
Weniger scheu sind Rotfedern, die Piranhas der hiesigen Wald und Wiesenseen. Sie sind nie alleine, Schwärme von hunderten Fischen sind möglich. Meine Strategien sind ausgebufft, präziser als japanische Uhrwerke und trotzdem wird es mir niemals gelingen, Rotfedern vollends vom Futterplatz auszuschließen. Ich kann die Menge im Zaun halten, an ihnen vorbeiangeln und mit diversen Ködern einigermaßen selektieren, aber ich kann sie nicht in Gänze ausklammern. Mit dem Futter kommen an vielen kleineren Gewässern Rotfedern und mit den Rotfedern automatisch Hechte, somit an manchen Tagen auch die Geschichten von Beifängen auf Mais. Es ist eine logische Verkettung der Ereignisse.

Friedfischangler im Kreuzfeuer
Als Friedfischangler habe ich diese Probleme, welche Raubfischangler mit Hechten gerne hätten, öfters, allerdings läuft es nicht immer auf ein Happy End hinaus. Zumindest keines für mich, für die Hechte schon, die mir ab und zu Weißfische vom Futterplatz oder Vorfach pflücken, wenn ich die Montage nach einem Biss einhole. Das Verhalten von Hechten ist ganz normal, eine eingeleierte Rotfeder (oder dergleichen) sieht wie angeschlagene Beute aus. Taumelnd und rotierend, ähnlich dem, was mit wenig Aufwand einkassiert werden kann.
Die Fehlerquote, die Summe aller Fehlattacken, ist bei kleinen bis mittleren Hechten hoch. Ich zähle nicht mit, aber wenn einer zugegen ist erwischt er wohl nur jeden hundertsten meiner Fische. Wenn überhaupt. Das erscheint mir nicht weiter ungewöhnlich und erklärt, warum jüngere Hechte immer wieder an gleicher Stelle in kurzen Zeitintervallen rauben. Sie brauchen mehr Anläufe, sind noch schlecht im Timing. Ein Hecht mit 60cm kann nur 3 Jahre alt sein. Größe und Lebenserfahrung gehen bei dieser Fischart eindeutig nicht Hand in Hand.
Wobei ich Hechten nicht die Fähigkeiten absprechen will, ich ergreife natürlich auch sofort Gegenmaßnahmen, denn viele verraten sich mit der ersten Fehlattacke und springen höher als man es ihnen zutrauen würde aus dem Wasser, um meine Beute zu erbeuten. So hoch und laut, das ich mir vor Schreck kurz in die Hose scheisse. Das Katz und Mausspiel beginnt und ich reize die Umsetzung meiner Angelrolle nunmehr aus, peitsche meine Fische beinahe über die Wasseroberfläche und bete bei jedem Biss, das jetzt bitte kein großes Rotauge einsteigt, auf das ein größerer Hecht einsteigt. Kapitale Rotaugen muss ich ausdrillen. XXL Hechte lieben das.
Blechköder Empfehlung vom 16er-Haken
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Es wären fast zwei Hechte gewesen
Der Hecht, den ich auf Mais gefangen hatte, lungerte am Futterplatz herum. Ich hab ihn zweimal an der Oberfläche rauben gesehen, dann ist er abgetaucht. Direkt an den Seegrund, dicht an meinem Futterkorb, wo die Weißfische geballt fraßen. Der Biss kam, als ich die Montage kontrollieren wollte, die Feederrute aufnahm und den Futterkorb mit dem ersten Kurbelschlag anliftete. Dabei entstehen weiträumige Schlammwolken am butterweichen Seeboden und mittendrin steigt ein Maiskorn auf, das für den Hecht vielleicht wie ein Rotfedernauge wirken könnte. Oder eine aufblitzende goldene Flanke. Er sieht was er sieht und schießt drauf los. Das sind wohl Instinkte. Glück hatte ich, weil mein 14er-Haken* an der Maulaußenseite hing und der Hecht das Vorfach nicht überbeißen konnte. Das ist der Regelfall und das sichere Drillende. Hechtzähne sind Schärfer als Chillis. Da geht dünne Mono schnell flöten.

Das ist mir ein Stündchen zuvor sogar passiert, bei einem weiteren Hecht, etwas größer, vielleicht knapp am Meter. Der traf sofort ins Schwarze, lauerte am Ufer, genau auf meiner Drillbahn. Umso größer Hechte sind, desto geringer sind die Fehlattacken. Die haben Erfahrung und auf deren Attacken kann ich mich nicht vorbereiten, es noch nicht einmal erahnen und schneller Kurbeln auf blauen Dunst hilft auch nicht, die sind sowieso schneller. Dieser Hecht kassierte meine Rotfeder an einer aufsteigenden Kante ein. Lautlos. Präzise. Tödlich.
Ich dachte erst, ich wäre an einem Ast hängen geblieben, hier liegt viel altes Holz rum. War kein Totholz, war ein Totmacher. Hat die Rotfeder eingesaugt, der Drill dauerte kaum eine Minute, bis er die Rotfeder ausspuckte und dabei das Vorfach durchtrennte. Das arme Ding konnte ich an der Wasseroberfläche treibend keschern, zerrupft wie ein Hühnchen, die roten Flossen in alle Richtungen zerfleddert und abgespreizt, mit Reißwunden auf beiden Flanken. Sie überlebte vorerst. Wir beide taten das. Der Schreck, wenn ein so großer Hecht vor der Nase zuschlägt und den eigentlichen Maisabnehmer inhaliert, ist besser als Kino. Der Film des Lebens gefällt.

Ein Erklärungsversuch, warum Hecht auf Mais gefangen wird
Warum Hechte gezielt Mais attackieren, das tun sie eher als ihn wirklich fressen zu wollen, schreibe ich logischen Verkettungen aktiver oder passiver Ereignisse zu. Eingeholter Mais rotiert am Vorfach und das genügt schon, Meister Esox unterscheidet nicht was dort schwimmt, er entscheidet nur, ob er in den Turbomodus schaltet oder nicht. Hechte sind Territorial und aggressiv, Türsteher an der Krautkante und werden auch mit Drillingen* an Maiskolben oder Hühnerkeulen gefangen. Das Verhalten ist oftmals Revierverteidigung, an kleinen Gewässern mit vielen Konkurrenten noch vehementer und das gegen alles und jeden, vollkommen gleich ob Weißfische, Ratten oder Enten.
Direkte Attacken am Futterplatz auf Mais (oder Würmer, Maden, Boilies etc.) führe ich auf zwei Ursachen zurück. Fehlattacken auf Beutefische, wobei der Mais unbeabsichtigt eingesaugt wird und Mais, den ein Angler oder Fisch durch Flossenschläge impulsiv genug bewegt, um eine Hechtattacke auszulösen. Größere Weißfische können mit einem Schwanzflossenschlag durchaus Friedfischköder auf Vorfachlänge aufsteigen lassen und so wohlmöglich Vorlagengeber sein. Wenn ich genau überlege, sind mir die allermeisten Hechte eingestiegen, wenn ich Montagen zur Köderkontrolle einholen wollte, wobei die Einschläge immer auf den ersten beiden Metern am Futterplatz folgten. Gebissen wie ein Brassen, Schlei oder Karpfen hat noch keiner, das passt auch nicht zum Hecht, eher zum Aal, Wels oder Barsch.
Denn eines ist Gewiss: Der Hecht ist der einzig wahre Raubfisch, der bereits als Jüngling andere Fische jagt und nicht an Insekten, Würmern, Schnecken oder Muscheln rumlutscht. Er ist ein instinktgetriebener Spitzenjäger, vorwärtsgerichtet, pfeilschnell und tödlich. Mit Beißreflexen, sich selbst in seiner Natur unterworfenen, denn Handlungsschnelligkeit setzt nicht ewig lange Analysen vorraus, sondern blitzschnelle Aktionen im Momentum. Der Hecht ist kein Denker, er ist ein Macher und ob nun ein Maiskorn oder eine Rotfeder seinen Wirkradius durchquert, dann macht er, was Hechte machen. Die Stille durchbrechen mit einem Schwall und dem ewigen Schweigen danach.
Herzlichst, dein 16er-Haken





















Hecht hatte ich noch nicht beim Feedern, jedoch beim herrankurbeln, Würmer als Köder, ging mir ein kapitaler Zander an den Haken. Normal Fische ich Catch and Release, Diesen Zander musste ich filetieren und mit 3 anderen Leute im Munde zergehen lassen.