Zandernest

Das Zandernest – Glücklicher Zufall während der Laichzeit

Ein Zandernest während der Laichzeit vor den Füßen zu entdecken, ist an Spannung kaum zu überbieten. Nur durch Zufall stolperte ich an einem Angeltag über dieses tolle Begegnung. Dicht am Schilf im flachen Wasser konnte ich dem Zander in die Augen schauen.

Zandernest

Warum ich dieses Zandernest entdecken konnte, erfahrt ihr wie immer im Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Das Zandernest war nur ein Zufall bei der Gewässererkundung

Ein Angler fängt seinen Fisch nur so erfolgreich, wie er seine Umgebung versteht. Als neugieriger Mensch treibt es mich deswegen oft in die wahnwitzigsten Situationen. Vor wenigen Wochen erst durchstöberte ich den Teich, um nach den Larven der Zuckmücke zu suchen. Im Winter saß ich bei Minus 6 Grad beim Nachtangeln im Hafen, um das Verhalten der Weißfische zu studieren.

Auch das Wandern mit dem Hund entlang der vielen Gräben erweitert meinen Horizont. Diese kleinen Mission abseits des Angelns sind für mich ein fester Bestandteil meines Hobbies. Das Erforschen der Gewässer und das Entlocken der Geheimnisse unter der Wasseroberfläche sind für mich mehr als nur ein Zeitvertreib. Ein Zandernest konnte ich dabei jedoch noch nie entdecken.

Gewässererkundung und Studium des Lebensraums

An einem launischem Tag im Frühling sollte sich dieser Umstand nun schlagartig verändern. Um meine Kenntnisse über den Lebensraum der Friedfische zu erweitern, entschied ich mich, ins kalte Wasser zu steigen. Was verbirgt sich zwischen dem Schilf? Welche Larven siedeln sich im Kraut an? Kann ich an diesem See junge Schleien entdecken?

Die vielen Fragen wollte ich mir bei der Gewässererkundung selbst beantworten, mit einem Zander auf seinem Nest rechnete ich natürlich nicht. Wir sind zwar mitten in der Laichzeit, im flachen Wasser konnte ich diesem Schauspiel jedoch nie beiwohnen.

Der Zander war auf seinem Nest fast unsichtbar

Als ich meine Gummistiefel auf das trockene Gras abgelegt hatte, noch mit den Socken in der Hand, wusste ich um das große Opfer des Tages. Das Wasser war noch recht kalt und stand um gut einen halben Meter höher als gewöhnlich. Um an die wirklich interessanten Stellen zu kommen, müsste ich also bis an die Grenzen gehen. Ich kam noch nicht einmal bis zum Schilf, da stand ich schon Hüfthoch im See.

Schlange im See beim Erkunden des Gewässers

Mit der Kamera in der Hand wollte ich meinen Lesern aber einen tieferen Einblick in meine tägliche Arbeit geben. Ein Blog über das Angeln ist eben kein Ponyhof. Das Lebensgefühl abseits der geschrumpften Fortpflanzungsorgane ist dennoch unbeschreiblich. Nur kurz darauf zog sogar eine Schlange ihre Bahnen im Licht der Sonne durch das alte Gewässer.

Nach einem schnellen Schnappschuss widmete ich mich wieder den Kleinstlebewesen an der Ufervegetation. Die kleinen Moderlieschen kreuzten dabei meine Beine ohne Scheu. Als ich meinen Weg fortsetzen wollte, stieß ich allerdings auf einen schwarzen Schatten unter der Wasseroberfläche.

Zander am Ufer waehrend der Laichzeit

Erkennen konnte ich jedoch nicht, was sich hinter dieser eindrucksvollen Silhouette verbergen sollte. Ein Zandernest hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich hielt den Fisch anfänglich sogar für altes Holz. Die vielen Kleinfische um diesen vermeintlichen Gegenstand verstärkten sogar mein Bauchgefühl.

Ein Zander während der Laichzeit umzingelt von möglichen Fressfeinden der Eier am Gelege? Solch ein Szenario hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, nach einigen Minuten sollte sich die Wahrheit aber zeigen.

Als ich dem Objekt näher kam, konnte ich den Fisch erkennen

Die vielen Moderlieschen um das vermeintliche Holz erzeugten in mir natürlich eine gewisse Neugierde. Anfänglich vermutete ich dort eine Ansammlung diverser Insekten und deren Larven, welche einen Anlaufpunkt für die Fische erzeugen. Wo es Nahrung gibt, sammeln sich die unterschiedlichsten Lebewesen der Gewässer.

Als ich mich dem Objekt jedoch näherte, drehte es sich in meine Richtung. Aus der Entfernung konnte ich den Fisch auf dem dunklen Untergrund einfach nicht erkennen. Erst als ich meine Position veränderte, hatte ich Gewissheit. Es war ein Zander mitten in der Laichzeit, der sein Nest bewachte.

Zander auf seinem Nest

Ich verhielt mich umgehend wie ein Fischreiher, um dem Knaben keinen Grund zur Aggression zu geben. Wie oft habe ich schließlich gelesen, das sie Vehement ihr Gelege verteidigen. Dieses Zandernest schien allerdings einen harmonischen Wächter über seinem Kopf zu tragen. Das Zandermännchen war recht ruhig, besonnen und auf seine Aufgabe fokussiert.

Das Zandernest zu fotografieren war nicht so einfach

Das Fotografieren des Zandernests war aber wesentlich schwieriger als erwartet. Meine Kamera kann ich zwar für Unterwasserbilder verwenden, allerdings würde jede Bewegung meinerseits den Untergrund aufwühlen. Die Trübung vor dem Objektiv ist für jedes Bild selbstredend Gift. Ich hielt mich an die Fischreiher, arbeitete mit dem Zoom und schoss die Fotos nach dem Zufallsprinzip. Dieses Zandernest wollte ich unbedingt für die Nachwelt festhalten!

Zandermaennchen beim Bewachen seines Nests

Nach einigen Anläufen und höchster Konzentration konnte ich den Burschen letztendlich digital einfangen. Mir fiel erst später auf, wie gut getarnt der Zander sein Nest angelegt hatte. Es befand sich genau über dem Kraut vor einer freien Fläche aus Kies. Er konnte nicht nur sich selbst, sondern auch die Eier perfekt verstecken. Gegenüber mir zeigte er keinerlei aggressives Verhalten. Ich hatte aber beständig das Gefühl, das er mich nicht aus seinem Blick lassen würde.

Mein Abstand von ungefähren 2 Metern schien dennoch groß genug gewesen zu sein, um nicht als Störenfried zu gelten. Erst als ein kleiner Trupp von Brassen dem Nest zu nahe kam, schaltete der Zander zwei Gänge höher. Er startete recht langsam, schwamm dann aber stark beschleunigend auf die Weißfische zu. Ich nehme an, das er sein Nest wegen den Eiern nicht aufwirbeln wollte. Leider gelang es mir nicht, diesen Moment einzufangen.

Angler mit nassen Hosen nach der Gewässererkundung

Dennoch war dieser Nachmittag für mich ein riesiger Erfolg und eine bereichernde Erfahrung in meinem Leben. Die nasse Hose konnte ich nach diesem Erlebnis ohnehin verschmerzen. Eine Gewässererkundung erfordert immer den nötigen Willen.

Wann haben wir schließlich die Chance, einem Zandernest so nahe zu sein? Einen guten Tipp gab mir das staatliche Männchen zum Abschluss ebenfalls. Es gebe hier keine Barben, der Käse an meinen Füßen hätte also keinen Erfolg. Ein Scherzkeks war der Knabe also auch noch! Anbei habe ich noch einige Fakten zur Laichzeit der Zander für euch.

Herzlichst, euer 16er-Haken

Laichzeit der Zander


Die Laichzeit der Zander befindet sich zwischen April bis Juni. Sie benötigen eine Wassertemperatur von 10 Grad, um sich erfolgreich Fortzupflanzen. Das Männchen beginnt in dieser Zeit mit dem Ausheben eines Laichplatzes in den flachen Zonen der Gewässer. Sie reinigen das Nest von Schlamm und alten Pflanzenresten vor der Eiablage. In diese Kuhlen legt das Weibchen bis zu 200.000 Eier je Kilogramm Körpergewicht.

Zander Laichzeit

Das Männchen bewacht das Zandernest bis zum Schlupf der Larven. Durch ein Wedeln mit den Brustflossen versorgt er die Eier dabei mit Sauerstoff und frischem Wasser. Innerhalb der Laichzeit nimmt der männliche Zander keine Nahrung auf. Nach 7 Tagen schlüpfen die Larven. Sie ernähren sich anfänglich noch von ihrem Dottersack, bis sie auf Zooplankton und später Kleinstlebewesen umsteigen. Nach 4 Jahren tritt die erneute Geschlechtsreife ein, die Zander beginnen dann erstmalig mit der Laichzeit.

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