Angeln 2020

Ein Jahresrückblick: Blog und Angeln 2020

In Alle Inhalte, Rund ums Wasser by Christoph Heers6 Kommentare

Das Jahr 2020 hatte 56 Wochen, 365 Tage oder 8760 Stunden und gefühlt verging keine einzige Minute, wo sich meine Gedanken nicht mit dem Angeln beschäftigten. Ja, es war eine schöne, wenn auch etwas holprige Saison! Im anfänglichen Frühjahr durfte ich beispielsweise über viele Ansitze die wunderschöne Elbe genießen und mit meinen präzisen Maulswurfsaugen der treibenden Pose während der untergehenden Sonne folgen. Das Angeln mit dem Stick auf das Frühjahrsrotauge war 2020 wieder verdammt lehrreich!

Im März hatte ich auf der Suche nach den Mutterschiffschleien ebenfalls das Privileg, zwei feuchtfröhlichen Hechten gut versteckt im Dickicht bei der Fortpflanzung beizuwohnen. Das faszinierende Liebesspiel erinnerte mich an einen Zander auf seinem Laichnest, den ich witzigerweise nur einige Meter weiter am gleichen Gewässer entdecken konnte. Den beiden Turteltauben wünsche ich für das nächste Jahr ebenfalls gesunden Nachwuchs. Und ein Apell an die Mutti: schnapp dir doch einen Snickers und lass das Männchen seine Kreise ziehen. Er schmeckt doch nun wirklich nicht!

Laichende Hechte beim Angeln 2020
Volltreffer: laichende Hechte beim Angeln 2020 entdeckt

Zwei Monate später, die Eisheiligen machten ihren Namen alle Ehren, folgte eine Brassenschlacht am wilden Elbloch wie aus dem Lehrbuch. Das Brassenangeln mit dem Method Feeder sollte nach einem heftigen Temperatursturz auf dem Blog illustriert werden. Das Ergebnis war beachtlich – satte 21 Brassen mit einem Gesamtgewicht um die 40kg wanderten über den Kescherkopf. Mein lieber Herr Gesangsverein, solch ein Ergebnis gleich im ersten Anlauf, das Anglerherz rotierte im Kreis!

Diese Momente, wenn die Strategie zum Heimspiel wird, sind emotional vergleichbar mit der wedelnden Rute von Charly, sobald das Knistern in der Jackentasche eine Hundekaustange verrät. Diese Hundekaustange verkörpert auch symbolisch das nächste Highlite beim Angeln 2020. Der Testbericht vom Juni beleuchtete einen alternativen Köder und mein eigenes Method Feeder Futter. Ohne große Umschweife, die Brassen stapelten sich am Futterplatz! Pfeif dir meinen Bericht rein und lass dich gedanklich vom Titelbild verzaubern. Mir brennt der Bizeps nach den vielen Drills noch immer!

gefangene Brasse an Christi Himmelfahrt
eisiger Temperatursturz an den Eisheiligen, dennoch ein erfolgreicher Tag beim Brassenangeln 2020

Der Sommer wurde dann von diesen fiesen Tritten in die Magenkuhle geprägt, die nur das Leben verteilt. Mein treuer Hund, das Alter gewinnt so langsam die Oberhand, verletzte sich beim Spaziergang am Vorderlauf. Eine sogenannte Gelenkmaus, der Tierarzt spricht im Fachjargon von der Knochenabsprengung. Die nächsten Wochen standen natürlich im Zeichen der Liebe und Pflege für den alten Gauner. Kein Problem, wir sind ein Team! Eine zweiwöchige Strangsanierung, Handwerkerhorden tummeln sich täglich bis zu 8 Stunden in der Küche, zerrten zusätzlich an den Nerven. Rundum, das Angeln fand im Sommer 2020 nicht statt!




Experimentelles Angeln im Herbst und arbeitsreicher Winter 2020

Der Herbst, Charly konnte wieder beschwerdefrei laufen, stand dann im Zeichen experimenteller Angelausflüge. Die asiatische Instantnudel wurde beispielsweise als Futterzutat geboren und erfolgreich an der Elbe getestet! Im September noch in der Rohversion, im Oktober sogar gefärbt über einen raffinierten Lockstoff.

Ganz nach meinem Geschmack – ein kurzes Livevideo kündigte die Idee auf Facebook an und keine 10 Minuten später rappelte es auch schon im Karton. Ein wuchtiger Brassen, etwa 2kg schwer, schnappte sich den Wurm. Der Bericht stellte 2020 einen weiteren Meilenstein dar und wurde als „Angeln im Herbst“ veröffentlicht.

Döbel im Kescher beim Angeln 2020
kapitaler Spätherbstdöbel mit Knick in der Querachse

Im November erlebte sogar das Posenangeln seine Renaissance, weil mir ein zufriedener Guidinggast ein neues Spielzeug via Post zukommen ließ. Ein Bait Dropper, der Futterkorb für den Stippangler! In Windeseile führte mich mein Weg an ein launisches Buhnenfeld und gleich beim ersten Ansitz zeigten sich die neuen Potentiale. Ein kapitaler Döbel klopfte an der Tür und wusste sich im Drill klever zu verkaufen! Der alte Knabe brannte sich auch wegen eines witzigen Knicks in der Querachse ins Gedächtnis und ist nun für immer auf dem Blog verewigt.

Das restlichen Jahrestage 2020 waren allesamt weniger spannend, kaum mit Angeln, dafür aber mit viel Arbeit verbunden. Werbeeinbindungen dank neuer Partnerschaften, Überarbeitung alter Berichte und wichtige Weichenstellungen bestimmten den Fahrplan. Das Quappenangeln mit der Feederrute, ein Thema das 2019 schon erscheinen sollte, kostete mich auch gute 15 Arbeitsstunden im November. Okey, ich war noch ein paar mal an der Elbe mit dem Bait Dropper unterwegs, um die Erfahrungswerte auszubauen. Quasi als Vorbereitung für die Winterberichte 2021. 😉

Entwicklung des Blogs und schwierige Nachfrage für das Angeln auf Friedfisch 2020

Der 16er-Haken, so wie du ihn siehst und liest, wurde im Dezember 2020 stolze 2 Jahre alt. Ich fühle mich manchmal wie ein alter Hase, obwohl ich doch noch das Greenhorn unter den Bloggern bin! Mein digitaler Auftritt konnte den vielen Konkurrenten, zumeist ohnehin nur dubiose Schreibtischangler ohne Fischgeruch am Kescher*, dafür aber zwischen den Beinen, den Rang ablaufen. Der Blog steigerte sich 2020 phasenweise auf über 15.000 Leser im Monat!

Diese Zahlen sind im Spätherbst, wahrscheinlich wegen Corona, aber auch viel Regen, etwas gefallen. Der 16er-Haken etablierte sich dennoch im Internet, kann eine Stammleserschaft, ein neues Partnerprogramm und weitere 40 Angelberichte vorweisen. Der Partnerschaftswechsel war allerdings ungeplant und eher ein Stinkefinger für Ebay. Das große Auktionshaus kürzte die Provisionen innerhalb eines Jahres dreimal auf weniger als 3% pro Sale. Während einer Zeit der Rekordgewinne!

Wanderangeln im Herbst 2020
Steigende Leserzahlen sind der Lohn authentischer Arbeit

Etwas mehr Bauchschmerzen bereitete mir das eintönige Nachfrageverhalten der deutschen Angler im Jahr 2020. Das Friedfischangeln ist ohne Frage eine Nische, die Welt scheint sich aber nur noch um die penisverlängernden Edelfische zu drehen. Hecht, Zander, Barsch und Karpfen sind voll im Trend, alle anderen Fischarten fristen ihr Schattendasein im virtuellen Mikrokosmus. Abseits vom Feedern, Method Feedern und einigen Basics generieren Inhalte über das Winkelpickern, Matchangeln oder Stippen einfach keine Leser via Social Medias oder Suchmaschinen.

Das sprichwörtliche „Totholz“ bremst natürlich meine Kreativität und ich muss mir für 2021 neue Strategien für den Blog einfallen lassen. Keine 50 Angler sind im Monat beispielsweise auf der Suche nach „Posenangeln auf Rotaugen“ oder „Brassen mit dem Winkelpicker“ und gemessen am Arbeitsaufwand für solche Werke sind diese Zugriffszahlen der berühmte Tritt in die Eier. Eine Erfahrung, die mir 2020 bereits bei der Seitenarmmontage oder das Angeln mit toten Maden widerfahren ist. Der Blog muss jedenfalls wachsen und dieses Kunststück gelingt mir nur, wenn ich die Nachfrage bediene. So läuft der Hase nun einmal!



Missmut über die sozialen Medien

Einen ähnlich kritischen Ton muss ich bei meinen geliebten, stets in der Erwartungshaltung auf monumentale Fänge getrimmten sozialen Medien anschlagen. Ganz ehrlich, ich war und werde nie der begeisterte Facebooker oder Instagramer sein und mir fehlte 2020 auch zunehmend die Motivation, etwas gehaltvolles über das Angeln in der digitalen Kloake abzusetzen. Nur ein einziger Blick in den Newsfeed genügt und mir kommt das blanke Kotzen!

Kleinkriege in den Anglergruppen, AFD hier, CDU dort, Verbrennungsmotor verbieten, Kernkraftwerke abschalten, der FC Bayern stinkt (stimmt), Schalke steigt hoffentlich ab, Merkel riecht nach Maggi, Ausländer raus! Ausländer rein! Frauenquoten einführen, Männer aus Führungspositionen entfernen, wer nicht Gendert ist ein Nazi, in Leberwurst sind Vitamine drin, deine Mutter hat nen Bart und und und und! Für Kunst, Kultur oder Literatur ist auf diesen inzestuösen Plattformen nur wenig Raum vorhanden und die Diskussionskultur so toxisch wie das Naschen am Fliegenpilz.

Blick auf die sozialen Medien

In den meisten Anglergruppen hat sich mittlerweile sogar der „golden Standard“ etabliert, nur noch über die Fänge der Kollegen zu motzen. Jedes Bild ohne Riesenzander, Meterhecht oder Boiliebauchkarpfen wird aber sowieso nicht mehr registriert, abseits der netten „toller Köderfisch“ Kommentare. Gerade auf Facebook, beim Einloggen scheint sich das Gehirn zu deaktivieren, sind viele Angler unfassbar abgestumpft. Durchlebt die Menschheit über die sozialen Medien eine evolutionäre Rückwartsrolle? Ich konnte diesen Größenwahn für ein paar Likes/Follower im Angeljahr 2020 jedenfalls nicht leben.

Der Blick auf meine Kanäle, das Foto für diesen Absatz ist nicht zufällig gewählt, fällt daher nüchtern aus. Meine Facebook und Instagramseite wurden 2020 um lediglich 400 Angler jeweils reicher! Das maue Wachstum ist aber kein Fremdverschulden, sondern ganz klar auf mein fehlendes Engagement zurückzuführen. Stand jetzt ist ein Post alle 5 Tage rekordverdächtig. Und was sind diese Stories überhaupt? Ein kleiner Lichtblick: Meine Follower sind allesamt stabile Jungs und Mädels, deshalb Motivation genug, um ein sporadisches Lebenszeichen im Tollhaus abzusetzen. Grüße an Carsten, Kati, Volker, Niels, Timo, Andre und dich, falls dein Name fehlt!



Pläne für das Angeljahr 2021

Mein werter Freund, so kritisch sich das Fazit über die sozialen Medien gelesen hat, so rosig wird die Zukunft sein! Ich kann das Jahr 2021 kaum erwarten und meine Synapsen springen vor lauter Tatendrang im Kreis. Nach meinen ersten Erfahrungen mit dem Bait Dropper beim Stippangeln im Herbst 2020 verspüre ich beispielsweise die Lust, die gleiche Strategie auf die dicke Elbbrasse umzusetzen. Der Frühling, hoffentlich nicht so stürmisch wie die letzten Jahre, ist für das traditionelle Stickfloatfischen an der Strömungskante reserviert. Eine tolle Methode, die verdammt Sexy ist!

Das Angeln mit dem Waggler, wenn auch nicht auf dem Blog veröffentlicht, war im Sommer 2020 mein kleiner geheimer Frustpuffer. An diese Erfahrungen will ich im nächsten Jahr nahtlos anknüpfen! Schön die Hose hochkrempeln, mit den Füßen im Wasser stehen, die Futterschleuder überstrapazieren und alle 2 Minuten zum großen Wurf ausholen. Im Sommer ist der zwei handbreit über Grund angebotene Köder so verdammt erfolgreich! Ich freue mich auf die vielen Rotaugen oder Rotfedern und wenn das Glück auf meiner Seite ist, darf ich auch einer feisten Schleie die Flosse schütteln.

Angeln mit Pose 2020
Angeln mit dem Waggler soll nicht nur 2020, sondern auch das nächstes Jahr stattfinden

Ein kleines Futterprojekt steckt ebenfalls in der Pipeline: Ich will das Werk von Rüdiger Kremkus, das berühmte „Mein Futter“, für meine Wettkämpfe kopieren! Ein Projekt, das viel Herzblut, Arbeit und so einige Stunden am Wasser einfordern wird. Im Februar sind 150kg Futtermehle auf dem Weg und ich wünsche dem Paketdient bereits jetzt viel Spaß beim Transport. Ein neues Themenfeld, die ersten Produkttests, sind ebenfalls für 2021 geplant. Eine spannende Aufgabe und ein weiterer Eckpfeiler um die Unkosten meines Blogs zu decken. Der Rest wird sich zeigen, die Ideenkiste ist jedenfalls randvoll!

So, genug geschnackt, mein feuchtfröhlicher Freund des Friedfischangelns, ich wünsche dir ein erfolgreiches Angeljahr 2021 und einen randvollen Setzkescher. Ich hoffe, dir hat mein kleiner Jahresrückblick gefallen und ich möchte diesen Bericht mit einer Weisheit, die mir gerade beim Kaffeegenuß eingefallen ist, lyrisch beenden: ”Eine Angelsaison beginnt mit der Geburt und endet erst mit dem Sargnagel”!

Herzlichst, dein 16er-Haken

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Über den Autor

Christoph Heers

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Hallo! Mein Name ist Christoph Heers und ich bin die Person hinter dem 16er-Haken. Seit meiner Kindheit bin ich schon Angler, mit vielen Wassern gewachsen und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Meine Mission - die Erfahrungen mit dir zu teilen! Du wirst auf meinem Blog viele Strategien, Tipps und Tricks über das Feedern, Stippen, Winkelpickern und Matchangeln, aber auch Seitensprünge auf Hecht, Aal, Quappe oder Zander vorfinden!

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Kommentare

  1. Hallo Christoph,
    ein herzliches Dankeschön für Deine vielen pfiffigen Friedfischartikel. Habe schon dutzende deiner Ideen bei mir in der einen oder anderen Form in Benutzung – nicht zuletzt das selbstgemachte Methodfutter ;). Bitte schreib weiter Friedfisch – Nischenartikel. Es macht viel Spaß sie zu lesen.
    Wünsche Dir ein gesundes neues Jahr mit vielen Fischen.

    Gruß
    Lutz

  2. Hallo Christoph,
    ein schön zu lesender, ehrlicher und auch selbstkritischer Jahresrückblick.
    Ich freue mich schon auf weitere Artikel von dir in 2021 🙂
    Dir und Charly wünsche ich ein Gutes und gesundes neues Jahr und viele, viele schöne Stunden am Wasser.
    Gruß aus Wuppertal
    Tim

  3. Hi Chris,
    auch wenn es noch etwas früh dafür ist: ich wünsch Dir viele schöne und erfolgreiche Angelsessions im kommenden Jahr (und Charly einen beschwerdefreien Lebensabend voller Abenteuer am Fischwasser).
    In Vorfreude auf die Artikel des Jahres 2021 grüßt Dich
    der schräge Vogel aus Rostock.

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