Beifang Zander

Beifang Zander: Der Report zum Traumfisch

Einen Zander als Beifang zu Landen kommt für einen Friedfischangler hin und wieder vor. Bisweilen konnte ich in der Vergangenheit aber nur durchschnittliche Maße im Kescherkopf verbuchen. Ohnehin, beim Stippen oder Angeln im Uferbereich sind Zanderböcke in der Schonzeit durch ihr aggressives Verhalten stets bestrebt ihr Nest zu beschützen.

Zwangsläufig, ganz unbewusst, legt man seine Montage in solch einem Bereich aus und schnell hängt ein Männchen von Zander als Beifang an den für Brassen bestimmtem Köder. Mit der Zeit lernt man diese Problematik aber zu umgehen und meidet solche Spots.

Zander Kescher

Außerhalb der Brutpflege, in den Monaten Juli bis tief in den Winter sind Kontakte mit solchen Raubfischen für mich selten. Nur an der Elbe, beim Feedern an Strömungskanten, fing ich hin und wieder kleine Zander. Reflexe und Neugier animieren auch Räuber zum Biss auf Maden.

Für mich Stand aber eine neue Dimension als Überraschung an einem sommerlichen Herbsttag an. Diese Art von Beifang hatte ich so nicht geplant, obgleich mit Zandern an der Elbregion immer zu Rechnen ist.

Vollkontakt im Frühherbst – Beifang Zander XXL

Zander

Ohne große Worte, dieser Beifang von Zander stellte sich als meine klare Bestmarke heraus. Ein Umstand, der nicht weiter verwunderlich sein dürfte. Als 24/7 Friedfischangler stelle ich Räubern faktisch nicht nach. Auf mehr als 5 Ansitze im Jahr komme ich auf Rotaugenfresser nicht.

Auch an jenem Tag war die Mission eine ganz andere, der Fang eines Zanders stand für mich nicht auf dem Zettel. Ich saß an einem Baggerloch mit Zulauf zur Elbe, nicht sonderlich stark wegen der oft durchschnittlichen Ausbeute beangelt. Auf etwa 15 Metern Distanz setzte ich meine Montage an einem Winkelpicker ab, konnte spielend leicht Brassen auf Brassen landen.

Das Wasser war vielleicht 2 Meter tief, die Sonne strahlte, kein Wind oder Wolken waren zu sehen. Keine idealen Bedingungen für einen Angeltag in meinen Augen, die Klodeckel ließen sich aber durchweg fangen. Sie schoben über den Futterplatz wie ein Mähdrescher über den Acker. Der Köder des Tages waren 4 oder 6 Pinkies, ein kleines, aber effektives Päckchen für jede Situation.

Bündel Pinkies

Nach etlichen Weißfischen dann eine seltsame Kehrtwende im Drill. Der Biss an der 0,5 feinen Unzenspitze zeichnete sich anfänglich noch nach typischer Brasse ab, bis zu diesem Moment dachte ich auch an keine andere Fischart.

Der Unterschied zu einem klassischem Friedfisch wurde aber nach ungefähr 5 Minuten eindeutig klar. Im Gegensatz zu Weißfischen stellte sich dieser Zander nicht an die Oberfläche, er verharrte einfach nur Bockig am Gewässergrund. Wie ein Betonklotz, unbewegbar und unendlich zornig.

Keine leichte Aufgabe am ultraleichten Winkelpicker

Winkelpicker Elbloch

Wenn wir einen Fisch drillen, spüren wir, wann der Moment für Druck machen oder Ruhe bewahren gegeben ist. Umso feiner die Rute ist, desto eher entwickeln wir dieses Gefühl. Anfänglich agierte ich noch sehr Zielstrebig, hielt die Bremse hart eingestellt dagegen, versuchte den Tanz schnell zu Beenden.

Immer noch im Glauben an einen Weißfisch wohl angemerkt. Irgendwann wurde mir klar, das ich etwas anderes an der Leine hatte. An einen Zander als Beifang glaubte ich der Wetterlage, des Spots und der Bleigleitumstände nicht. Der Gewässergrund war so dermaßen schlammig, für mich stand dieser Fakt einfach zu hart im Widerspruch. Innerlich murmelte ich verschiedene Szenarien durch:

Das könnte ne Katze sein (Anmerkung, Wels ist gemeint), vielleicht auch eine gehakte Brasse. Was zum Teufel ist das?

Mit zunehmender Zeit wurde ich immer Unsicherer. Nicht des Drills wegen, sondern das Verhalten des so nicht geplanten Beifanges geschuldet. Ein Zander macht sich Bockschwer, so entnehme ich das immer den Berichten anderer Anglern. Selbst hatte ich diese Erfahrung so noch nie gemacht.

Der Ochse blieb einfach auf der Stelle stehen! Ein unweigerliches Problem entstand für mich, weil meine Gerätschaft auf gar keinen Fall für so ein Duell ausgelegt war. Ein 16er Haken, ein 0,12 Millimeter dünnes Vorfach und ein Winkelpicker bewegen so einen Kollegen nicht einen einzigen Meter vom Fleck.

Ohne Frage, ich hätte den Druck erhöhen können, dann wäre die Energie vom Blank aber auf den Haken und das Vorfach übergegangen. Ganz schnell wäre der Titel „Zander als Beifang“ in „Pleite am Baggerloch“ umgeschrieben. Es schadet manchmal nicht sich in Geduld zu üben.

Große Beifänge wie Zander aussitzen – Keine Alternative

See

Immer wieder nahm der Quereinsteiger Schnur, ich gab nach, nur im Moment des Anscheins von Schwäche wieder einige Meter gut zumachen. Blieb der Fisch stehen, tat ich es auch. Wollte er tanzen, tat ich das auch. Welche Wahl hatte ich denn?

Noch immer wusste ich bis zu diesem Moment nicht um die Fischart, welche sich an den Pinkies gütlich tat. Auf keinen Fall wollte ich ihn verlieren. Dieses Trauma hängt sich unweigerlich mehrere Jahre an. Ich hatte so eine Erfahrung schon gemacht und noch heute schieben sich diese Erinnerung schemenhaft ins Gedächtnis. Eine Antwort wird man nicht mehr bekommen, umso konzentrierter war ich bei der Neuauflage. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge.

Eine Zeit lang hatte ich den Fisch genau unter meinen Füßen, in 2 Meter tiefem Wasser, wütend klammerte er sich am Untergrund. „Zeig dich, du Sau“ ging mir über die Lippen. Ob er das gehört hatte? Ein kurzes Zeichen von Erschöpfung, dann eine massive Silhouette.

Beifang Zander

Das Spielchen ging noch eine ganze Weile so. Der Zander bestimmte die Regeln, ich war nur Akteur und Nebendarsteller. Nach unzähligen Minuten und einem sehr mulmigen Gefühl gab er dann nach. Ein Beifang von Zander wie er im Buche steht.

Holla die Waldfee, an diesen Tag werde ich mich noch viele, viele Jahre erinnern werden. Ich hielt die Stachelritter für schwacher Kämpfer, wurde nun aber eines besseren belehrt. Mein größter Respekt, nun kann ich Nachvollziehen woher der Reiz vieler Raubfischangler herkommt. Sie sehen nicht nur Klasse aus, sie sind auch Elegant wie ein Elefant im Porzellanladen. Ein Vergnügen, das ich in dieser Intensität aber nicht so schnell nochmal erleben will.

Herzlichst, euer 16er-Haken

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