Schinkenheu schmeckt auf Toast. Schön mit Butter. Und er sieht aus wie kleine Würmer. Das ist mir schon oft beim Frühstück durch den Kopf gegangen, jetzt hat sich der Kopf für einen Ansitz entschieden. Fängt Schinkenheu als Köder aber auch beim Feedern an der Elbe? Ich bin dieser Frage in meiner neuen Supermarktserie nachgegangen.
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Kleine Schinkenwürmer
Zeit für eine Serie Kollege Friedfisch. Futtermittel aus dem Supermarkt und allem, was in diese Richtung geht. Sonderposten, Asia Store oder Zoohandlung. Wo sich Futter und Köder aneinanderreihen, welche nicht alltäglich oder geile Alternativen sind. Exoten, Exorbitantes und Zeugs für Exorzisten. Einfaches und Einfallsreiches. Von Alraunenwurzel bis Zanderaugen. Nichts wird geschönt, keine Superlative für Klicks und Kids bedient, ich werde an meinen Testtagen nur die knallharte Realität einfangen. Denn Futter oder Köderalternativen sind auch nur das: Alternativen. Sie fangen in der Regel nicht besser wie die Holy Trinity im Friedfischangeln (Würmer, Maden, Caster, Pinkies, Mais), bieten aber neue Blickwinkel und Auswege in der Spontanität, wenn mal wieder nichts außer der Kühlschrank in Griffreichweite liegt. Vielleicht kommt dabei trotzdem der Fisch des Lebens rum oder nur wieder die Erkenntis, ins Klo gegriffen zu haben. Und wenn schon, Angeln ist nicht nur Rekorde, Likes und Bitches, es ist der Spaß und die Freude am Erlebten und genau das ist mir ein Anliegen mit dieser Supermarktserie. Dinge zu erleben!
Schinkenheu macht den Auftakt. Den wollte ich mir eigentlich zum Frühstück in den Mähdrescher schieben, habs mir dann aber anders überlegt. Mir ist das schon so oft durch den Kopf gegangen, dabei blieb es dann aber auch. Jetzt wird Nägel mit Köpfen gemacht. Wetter schön, Haare schön, ab zum Feedern an die Elbe mit Schinkenheu als Köder. Ich werde vieles an der Elbe testen, meinem Zuhause, wo ich die Fische beim Vornamen kenne. So fallen mir Einschätzungen leichter und Bewertungen seriöser aus. Vergleichbarkeit braucht seine Grundlagen. Interessant am Schinkenheu ist die Optik. Mistwürmmäßig. Etwas dicker, aber nicht so sehr. In der Konsistenz gummiartig, sitzt am Haken ziemlich fest. Das Aroma ist eher schwach, Schinkenheu riecht nach frisch gemähter Sommerwiese. Natürlich nicht. Dezent nach Fleisch. Nichts was einem vom Hocker reißt.

Er sinkt, das habe ich mir als erstes angesehen, ob er denn zum Anfüttern taugt, dabei wurde er überraschend schnell gräulich. Wie Würmer, welche in Pfützen ertrunken sind. Jedes Kind kennt das, wenn es noch Barfuß bei Regen durch die Straßen lief. Meine Kindheit war so. Bei Pegelanstieg oder auf Hochwasserwiesen säuft ja vieles ab, da könnte so ein ausgelaugter Schinkenwurm doch ins vertraute Beuteschema passen. Zumal sich tote Würmer auch nicht mehr bewegen. Wenn Schinken kriecht, lauf. Das Crossover aus ausgewaschener Wurmfarbe und Wurmform hat jedenfalls Potential. Die Entscheidung liegt allerdings nicht bei mir. Nur die Vermutung, die meint, das Schinkenheu Aland und Döbel fängt.


Session
Die ersten beiden Fische auf Schinkenheu habe ich dann gleich mal sauber verkackt. Beide kamen in den ersten 30 Minuten. Aland und Döbel. Ja Ja. Nein. Brassen, wohl zwischen 40cm und 60cm. Wobei sich der erste Drill seltsam anfühlte, ein beständiges nach unten gestrebe, wie ein kopfschüttelnder Stein. Könnte ein kleiner Zander gewesen sein. Gehakt vielleicht. Den hab ich richtig grenzdebil abgesetzt, weil ich filmen wollte und der gottverdammte Kamerabutton sich nicht Swipen ließ, da mein Daumen mit Futter vollgeschmiert war. Beim herumgefuchtel ist mir dann die Schnurspannung eingesackt. Fisch weg. Ey. Wie friedfischbehindert. Wegen Futter auf dem Daumen. Die Aufnahme sagt alles, bleib bis zum Ende dran. Scheiß Bloggen immer. 😂👍
Fisch Nummer Zwei war ein Brassen, den hab ich gesehen. Und gedrillt wie ein Beserker. Der Schinken hing an einem 14er Haken und ich noch voll im Method Feeder Modus der letzten Wochen, wo meine Setups wesentlich stringenter ausfallen. Ich bin quasi wie ein Sumoringer ins Ballett rein. Ausgeschlitzt natürlich. Bei kleinen Haken MUSS man vom Gaspedal runter. Mich ärgert eigentlich nur, das ICH nicht auf Sendung war und bei Tests endet sowas gleich doppelt unglücklich, denn wie das immer so ist, danach gehts steil bergab. So kam es auch. Typisch. Wobei ich abmildernd feststelle, das es mir bei solchen Ködergeschichten um erste Tendenzen und Erfahrungen geht. Mein Fokus liegt auf der Essenz, die ich aus den Dingen ziehen kann. Nicht irgendein Clickbait. Der beste geheime Köder. Supermarktköder macht Elbe leer. Heiße Hafenmütter aufs Korn genommen. Blablabla. Leck Eier Algorithmus und Mainstream.

Ich habe noch eine Vermutung. Beide male ist der Schinkenheu trotz druckvoller Drillphasen unberührt wieder aus dem Wasser zurückgekehrt. So wie er angeködert wurde. Meist im Stile eines Jigs*. Er könnte sich wie eine Gummimuffe zwischen Haken und Maul gezwängt haben, was das Ausschlitzen exorbitant erhöht, weil nicht viel Draht zum Greifen übrig bleibt. Das erscheint mir sinnvoll und erklärt die Aussteiger etwas. An meinem Dilettantismus ändert sich dadurch aber trotzdem nichts.
So sah die Anköderung bis zum doppelten Fischverlust aus.

Das habe ich sofort korrigiert. Anköderung fortan wie eine Made. Straight durch den Kopf, bei einem kräftigen Anhieb wird der Schinkenheu gelöst. Dafür muss er zwar knapp angeboten werden, die gummiartige Konsistenz lässt aber nicht wirklich anderes zu. Kau mal Schinken auf blanker Felge, so muss das für einen Fisch sein. Das lose Ende habe ich zusätzlich mittig abgekniffen, damit die Präsentation bündiger ist, das Schinkenstück schneller eingesaugt werden kann. Erstmal was fangen sozusagen. Schinkenheu ist recht lang, das macht ihn Vielseitigkeit. Sehe ich als Vorteil. Für kleine und große Fische geht da was. Meduza Rig für kleine Walker ik hör dir Trapsen. Schinkenwürfel sind das Pendant, die Stippversion, teste ich irgendwann, da passt die Größe besser.

Das viel größere Problem ist Mutter Elbe gewesen. Pegelabstieg. Meine ganze Buhne dementsprechend voller Treibgut. Haufenweise Äste, Kraut und Büsche. Bei jedem zweiten Wurf lief mir Dreck in die Futterkörbe* und den Schinken. Der, und das muss man ihm lassen, überlebt aber wirklich alles. Es gibt Köder, wo das Vertrauen schon beim Aufschlag an der Wasseroberfläche endet. Schinkenheu macht eine bessere Figur.

Bin vom Kehrwasser an der Strömungskante testweise dichter in den Kessel gerückt. Sofort eine Grundel. Erwartbar. Grundeln visiere ich bei meinen Ködertests nicht an, die fressen alles. Dennoch ist eine gewisse Erleichterung zu spüren, wenn erstmal Fisch im Kescher liegt. Metaphorisch. Hab die Grundel herausgehoben. Vom Kessel bin ich gleich wieder selbsterklärend zurück zur Strömungskante. Dort gab es zwar hin und wieder Zupfer, nichts davon jedoch eindeutig. Keinesfalls einen Anhieb wert. Alles sehr chaotisch.
Ich habe vier Futterplätze letztlich bespielt. Überall Treibgut. Das ist der entscheidende Nachteil am Flussangeln, sobald die Pegel schwanken und die gesamte Vegetation mitnehmen. Wobei ich auch das mir selbst Ankreiden muss. Ich saß an einer kurzen Buhne mit kreuzendem Strömungsspiel, wo sich das Elbwasser kaum noch in Prall und Gleithang unterteilen lässt. Dadurch bleibt viel Nahrung in der Struktur kleben, das Treibgut zirkuliert aber auch ewig und drei Tage auf der Fläche. An einem normalen Buhnenfeld gäbe sowas nicht. Dort wandert Unrat rein und wieder raus. Hier zirkuliert alles. Das wusste ich, habs aber komplett außer Acht gelassen. Es gibt Tage, da trifft man einfach keine guten Entscheidungen.

Nach Zwei Stunden erbarmte sich noch eine Güster, die hatte richtig Bock auf Schinkenheu. Spitze schlug mehrmals heftig aus. Güstern machen gemessen an ihrer Körpergröße oft ordentlich Rabatz. Ich mag die. Die mich aber nicht, deshalb blieb es bei dieser einen.

Spielabbruch erfolgte abrupt. Auch das war ungeplant und passt ins Drehbuch. Oma rief an. Gebackene Ente abholen, hat sie mir mitbestellt. Oma ist 79 und geht um 20 Uhr ins Bett. Als Enkel ist es meine Pflicht die Prioritäten richtig zu setzen und den Schinkenheu hintenanzustellen. Herrje. Ein Serienstart nach Maß. Das meinte ich Eingangs mit Realität einfangen. Sowas kommt dabei rum und das sind eben die Schinkenheugeschichten aus dem Leben. Dennoch habe ich etwas gelernt und bin schlauer als gestern.

Tacklebox für Feedern an der Strömungskante vom 16er-Haken
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Fazit vom Schinkenheu als Angelköder
5 von 10 Punkte für Schinkenheu. An sich bringt er alles mit, was einen guten Köder ausmacht. Er hält am Haken, ist in der Größe gut zu portionieren und kann vom kleinen Stück bis zum ganzen Wurmimitat auf den Haken gezogen werden. Mehr als 15 Bisse hatte ich in 2.5 Stunden Angelzeit trotzdem nicht. Diese allesamt neugierig, dennoch vorsichtig. Ich will dem nicht zuviel beimessen, der Angeltag war dafür zu diffus. Das Wasser trüb und versifft, eine Suppe aus totem Getier und Allerlei, da kommt sich ein Stück Schinkenheu schon verloren vor. Ich sehe vorerst einen fähigen Alternativköder, der weder besonders, noch besonders schlecht fängt, sondern sich im gediegenen Mittelfeld einordnet. 4 Fische, wenn ich die beiden Verluste hinzuzähle, sind in dieser kurzen Zeit absolut im Rahmen.
Aufgrund der schwierigen Angelbedingungen und ungeplanten Unterbrechung werde ich mir einen zweiten Testtag gönnen und die Fangbilder in einer abschließenden Gallerie einpflegen, dazu vielleicht noch ein paar Worte verlieren. Meine Performance, einige Entscheidungen und der Zeiteinsatz waren jetzt echt nicht so optimal. Da geht mehr, ich kann besser und der Schinkenheu auch.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟 🎣 ❤️
















