flacher Parkteich im Winter

Pickern im Winter – Angeln bei 4 Grad

Das Pickern im Winter ist einer meiner liebsten Methoden für diese Jahreszeit. In einer Kulisse aus Märchen warten wir voller Vorfreude auf nur sehr wenige Bisse.

flacher Parkteich im Winter

Der Bedarf an Ausrüstung ist dabei so gering, das wir alles mit den Händen tragen könnten. Während andere Menschen im Glühwein ertrinken, schwingen wir unser heißes Eisen. Viel Spaß beim Lesen!

Pickern im Winter bedeutet Minimalismus

Trostlos zählte ich die Tage am Kalender runter, eine winterliche Umklammerung hatte uns seit einigen Wochen fest im Griff. Eine dicke Eisdecke schichtete sich undurchdringbar über den See, vor lauter Einbildung sah ich die Brassen schon Schlittschuh laufen. Es war eine sehr schwierige Zeit für mich.

Nahe dem geistigen Verfall spazierte ich jeden Morgen mit meinem Hund Charly um das Einst mich so liebkosende Gewässer. Während ich auf die Wärme der Sonne wartete, hinterließ mein Vierbeiner gelbe Spuren im Schnee.

Eisschmelze

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Eis schmelzen würde. Am 20.02.2017 sollte es dann nach fast 7 Wochen schwinden. Mein Leben hatte wieder einen Sinn. Leichter Wind, Nieselregen und Schmelzwasser stellten mit Sicherheit keine guten Bedingungen dar, trotzdem war es ein Versuch wert. Ohne große Umschweife packte ich meine Gerätschaften zusammen, das Pickern im Winter konnte nun mit etwas Verspätung beginnen.

Der Bedarf an sehr wenig Ausrüstung ist dabei der größte Vorteil. Kaum mehr als 500 Gramm Futter und einige wenige Köder werden gebraucht, um für dieses Szenario zu bestehen. Wir lauern nur auf sehr wenige Bisse, jedes Gramm an Gepäck wäre eines Zuviel. Mein Tackle bestand aus:

  • 500 Gramm Futter
  • Handvoll Pinkies
  • Weizen und Dips
  • Winkelpicker
  • 2000er Rolle
  • 0,14 Millimeter Mono Hauptschnur
  • sehr kleine Haken
  • Bleischrote und Körbchen
Pickern Winter

Würziges Lockfuckfutter für das Pickern im Winter

Passend zu der Jahreszeit setzte ich auf ein herbes und salziges Lockfutter bestehend aus 3 Mehlen. Verfeinert wurde die Mischung noch mit jeder Menge Salz. Das Mineral ist vor allem beim Pickern im Winter wichtig, weil die Fische sehr wenig Zugriff auf lebendige Nahrung haben. Es stimuliert ungemein und wirkt verdammt Fressfördernd. Auf einen ganzen Liter können wir ohne weiteres 150 Gramm an Salz anreichern.

Um das Futter sehr energiearm zu halten siebte ich es zusätzlich noch Stufenweise durch. Jeder einzelne Partikel muss raus. Das Schmelzwasser drückte die Wassertemperaturen ohnehin noch weiter nach unten, die Gefahr von Überfüttern ist einfach zu groß. Im Prinzip war mein Rezept nichts weiter als aromatischer Staub, etwas anderes wird zum Pickern im Winter aber nicht gebraucht.

Lockfutter Pinkiedose Dip Futterkorb

Die Köderwahl beschränkte sich auf Pinkies und Weizen, von beidem hatte ich kaum mehr als eine Handvoll dabei. Direkt in das Futter gab ich von beiden Ködern aber nichts, nur bei Bedarf würde ich Beifüttern.

Winterliches Pickern am flachen Parkteich

Bekannt für seine geringe Tiefe ist der Stadtsee in unserer Region, es ist aber ein schönes Gewässer für Ansitze über das ganze Jahr. Bei einer durchschnittlichen Tiefe von kaum mehr als 120 Zentimeter gestaltet sich das Finden der Fische natürlich recht schwierig, ungeachtet dessen besteht aber immer eine Chance auf Bisse.

Wer jetzt Erfolg haben will, muss sich beim Pickern im Winter klever positionieren. Der Zugriff auf kleinste Löcher von kaum mehr als 30 Zentimeter Tiefenunterschied ist Gold wert. Einen solchen Platz fand ich direkt neben einer jungen Weide. Zum Feedern im Frühling saß ich hier schon öfters, die Strukturen waren mir Vertraut.

Hinter einer Platte aus Beton zum Einlassen von Booten befand sich ein ausgespülter Bereich. Dieser kleine Hot Spot war für meinen Ausflug wie geschaffen. Die Frage war nur, ob die Fisch es auch so sehen würden.

Dezente Startfütterung

Auf kaum mehr als 15 Metern Entfernung baute ich einen Futterplatz über 3 kleine Futterkörbchen auf. Das sehr zentrierte Angeln ist ein Kernelement für das Pickern im Wintern. Traditionell verwenden wir eigentlich Bleischrote, diese werde ich aber erst im späteren Verlauf der Session montieren.

Als Köder setzte ich 2 Pinkies an einem 100 Zentimeter langem Vorfach ein, um den Fischen die optimale Zeit für die Aufnahme zu geben. Die Strategie war sehr einfach. Ich wartete geduldig auf irgendeine Reaktion.

Zwischendurch setzte immer wieder leichter Nieselregen und Wind ein, kein Mensch war am See zu sehen. Mir war nur wichtig, endlich mal wieder Angeln zu können. Gespannt lauerte ich auf den ersten Zupfer des Jahres.

Winkelpickerspitze

Geprägt vom Entzug vieler Wochen ohne Fisch schreckte ich bei jedem Windzug hoch, wenn die Spitze nur leicht wackelte. Tatsächlich hatte ich keinen Biss nach über 90 Minuten. Ich fütterte trotzdem nur sehr sparsam nach, um keine Sättigung zu provozieren.

Ungefähr alle 15 Minuten warf ich ein neues Körbchen mit vielleicht 5 Pinkies nach. Die erwähnten Bleischrote setzte ich zwischenzeitlich für Köderkontrollen ein.

Dips steigern die Ausbeute beim Pickern im Winter

Es ist nichts ungewöhnliches beim Pickern im Winter, wenn die Bisse auf sich warten lassen. Manchmal kann es Stunden dauern, bis sich Fische auf unseren Futterplatz einstellen. Vielleicht waren sie auch schon da? Anzeichen hatte ich keine, die Bewegungen an der 0,5 Unzen feine Spitzen rührten alle vom Wind her, täuschen lassen dürfen wir uns aber auch nicht.

Um einen weiteren Reiz zu setzen griff auf ich auf den einzigen Dip zurück, den ich dabei hatte. Ein Muschelextrakt auf Alkoholbasis passt perfekt zum kalten Wasser. Der Alkohol arbeitet bei niedrigen Temperaturen wesentlich besser als andere Grundstoffe.

Für 30 Sekunden badete ich meine Pinkies in der kleinen Dose, die Rückmeldung nach dem ersten Wurf war sensationell. Tatsächlich dauerte es keine 5 Minuten, da hing die erste Brasse am Haken. Zufall? Keine Ahnung, mir sollte es aber recht sein!

Erste Winterbrasse beim Pickern

Die recht ansehnliche Brasse konnte ich ohne große Gegenwehr landen. Das kalte Schmelzwasser schien den Fischen mehr zugesetzt zu haben als vermutet. Glücklicherweise schienen noch einige wenige Exemplare auf der Futtersuche zu sein. Trotz des sehr langen Vorfaches hing der 20er Haken weit vorne im Maul.

gepickerte Brasse im Winter

Ich freute mich noch einige Minuten, zwischendurch tanzte ich sogar wie ein Schneekönig um den Stuhl. Denn eines war ungewöhnlich. Der Weißfisch war für diese Gewässer besonders groß, weil die Bestände sehr verbuttet sind. Während die kleinen Exemplare reglos am Gewässergrund stehen, müssen die Eltern wohl schon fressen. Diese Beobachtung fand ich sehr interessant und Aufschlussreich.

Sieben weitere schöne silberne Brassen konnte ich in der letzten Stunde kurz vor der Dunkelheit noch fangen. Allesamt hatten sie ein recht gutes Maß. Nach einem doch recht mauen Auftakt war der Angeltag also gerettet. Jeder einzelne von ihnen Biss auf den gedippten Köder, auch das schien ein Grund für den Erfolg gewesen zu sein.

Weißfisch aus Parkteich im Winter

Das Pickern beendete ich mit einem positiven Ergebnis für mich, die Grundlagen meiner Strategie schienen gegriffen zu haben. So einfach war dieser Ansitz nämlich nicht. Der See taute eine Nacht zuvor erst auf, da ist jeder gefangene Fisch wie ein Ehrenauszeichnung. Die Gründe für die ansehnliche Ausbeute waren in meinen Augen:

  • Das zentrierte Füttern
  • Der Dip auf Alkoholbasis
  • Der gewählte Platz
  • Das defensive Füttern
  • Der niedrige Wurftakt
  • Das lange Vorfach
  • Die sehr kleinen Haken

Von den 500 Gramm Lockfutter nahm ich im Übrigen die Hälfte wieder mit Nachhause. Auch das ist Pickern im Winter! Bei vielleicht 20 Würfen über 3 Stunden Angelzeit fällt es uns auch schwer, Material zu verbrauchen. Aber genau darin liegt das Geheimnis des Erfolges auch unter schwersten Bedingungen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen!

Herzlichst, euer 16er-Haken

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