Im zweiten Beitrag meiner Supermarktserie schaue ich mir Sternnudeln als Köder an. Kleiner vorgelochter Semiteig salopp gesagt, der überraschend erfolgreich Schleie, Brasse, Rotauge und Rotfeder beim Stippen am Teich gefangen hat.
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Vorgelochte Mininudeln
Ich laufe jede Woche einmal an Sternnudeln im Supermarkt vorbei und hab mir immer gedacht, das dass ein richtig geiler Angelköder sein könnte. Die Dinger sind eigentlich perfekt. Lecker Teig und vorgelocht. Etwas für die Thermoskanne, das ich schnell mal nebenbei ansetzen kann, wenn ich an meinem Teich auf Rotaugen und Rotfedern stippen will. Erster Test komplett random warum auch immer direkt an der Elbe, gleich komplett verschissen. Zu weich. Dadurch ist mir auch ein Logikloch für meine Supermarktserie aufgefallen, in der ich nur schnelle Fangberichte schreiben wollte, das wäre weniger Hirnfick, nur muss ich mich in die allermeisten Futtermittel erstmal über mehrere Ansitze hineinfuchsen, bis ich den Dreh überhaupt raus habe. Bei den Sternnudeln ist es nicht etwa das Anködern oder die Angelei an sich, sondern die Vorbereitung. Und die ist nunmal nicht mit einem einzigen Angeltag herausgefunden.
Also Konzeptanpassung. Ich fasse die Entwicklung von Supermarktködern bei meiner Feldforschung in Etappen mit den Erkenntnissen zusammen, investiere dabei Zeit die ich nicht wirklich habe, um praxisrelevante Ergebnisse präsentieren zu können, die auch wirklich anglerischen Sinn ergeben. Das heißt, ich brauche wesentlich länger, kann aber echten Mehrwert schaffen. Aufwand und Ertrag sind dann leider wieder eine Geschichte für sich, zumal diverse KI’s meine Kram unverhohlen stehlen werden. Wir leben in einer echt bitterbösen Zeit für Fachautoren mit Praxisbezug. Alle Profitieren, nur nicht der, der sich die Arbeit macht. So. Und jetzt stelle ich dir mit den Sternnudeln einen Alternativköder aus dem Supermarkt vor, in dem ich ordentlich Potenzial sehe. Auf den Fersen von Maden, Pinkies, Mais und Wurm, wenn auch nicht auf Augenhöhe, aber durchaus im Dunstkreis der Meta.

Sternnudeln kurz erklärt
Denn Sternnudeln sind absolut fängiger Einhängeteigscheiss in der Größe einer halben Made mit der Kontur eines Viechs das ins Wasser gefallen ist und einem Loch, wo der Haken nur hindurchgeführt werden muss. Dadurch wird die Struktur des Nudelteigs nicht verletzt und der Hakenhalt fällt für einen vermeintlich kleinen Köder solide aus. Haltbarkeit ist ebenfalls unbestritten, roh wahrscheinlich unendlich, davon profitieren Camper, Backpacker, Platzarme oder Sparsame. Ich will das offensichtliche jetzt nicht mit Begründungen konstruieren, für normalen Teig bräuchte man Zutaten die nach wenigen Tagen bis Wochen hinüber sind. Viele andere Köder ebenso. Sternnudeln gibt es in jedem Supermarkt, bei uns in der Preisklasse 250g für 1.39€ (Stand 07/26).

Sternudeltesttag 1: Feedern an der Elbe
Nothing to say. Komplett verschätzt und die Sternnudeln in der Thermoskanne bei moderater Garzeit verkocht. Zu weich, kein Halt am Haken, schon garnicht beim Feedern, noch weniger an der Elbe. Hat mich richtig angekotzt. Mir war nach Monsterrotaugen. In der Köderdose sah das alles noch fähig aus, in der Praxis holt einen die Realität dann wie immer ein. Das war auch der Moment wo mir klar wurde, das ich Futtermittel für die Supermarktserie nicht in einem Abwasch abfertigen kann, mein Nerdtum das auch garnicht zulässt und ich mehrere Ansitze investieren muss, um die Fängigkeit und Möglichkeiten zumindest in Grundzügen zu verstehen. Die perfekte Zubereitung der Nudeln erkläre ich dir etwas später, damit ich an dieser Stelle keine Verwirrung stifte.

Testtag 2: Sternnudeln als Köder beim Stippen
Ich hab natürlich sofort adaptiert und bin wieder zu meiner ursprünglichen Idee zurückgekehrt, dem Stippen am Teich. Nur mit dem Unterschied, das ich mir die Sternnudeln vorher etappenweise in einem Thermobecher in mehreren Durchläufen von 14 Minuten auf 13 Minuten, dann 12 Minuten auf 11 Minuten bis letztlich 8 Minuten in der Garzeit ansah. Alleine das hat mich knappe zwei Stunden in Schach gehalten, soviel zum Thema Aufwand. Es gibt echt Menschen die glauben, sowas macht sich nebenbei. 😂
Bei 8 Minuten ist der trügerische Eindruck im Headquarter entstanden, einen fähigen Garpunkt erwischt zu haben. Nö. Die sind trotzdem zu weich geworden, mit etwas Verzug, weil der Teig noch eine ganze Weile nachzieht, wenn man ihn zu schnell in die Köderdose* umschichtet. Mir ist das erst am Teich aufgefallen, dennoch bin ich meinem Wunschbild der perfekten Sternnudel als Angelköder ein Stückweit näher gekommen. Mein Leben und dieser Scheißköder, eine Biographie von Trippelschritten.

Das Ergebnis vom Stipptag war unabhängig davon trotzdem passabel, ich musste mich halt durchwürgen und fummeln, relativ häufige Köderkontrollen fahren, viele Nudelverluste hinnehmen und auf Zack sein. Zur Belohnung gabs zahlreiche Rotfedern und zwei echt krasse Brassen für dieses Gewässer. Die Sternnudeln haben da schon ihr Potential als Allroundköder angedeutet und mir war der Tag eine gütliche Wonne. Bis auf die ständige Ungewissheit, ob da noch was am Haken hängt. Das war eher nervig.

Testtag 2: Sternnudelschleien, Rotfedern und Rotaugen an der Stange
An Tag 2 bin ich mit Sternnudeln im Gargrad 7:30 Minuten und 7:00 Minuten angetreten. Eine Sorte mit Butter Vanille (links), die andere Sorte mit Maggi (rechts).

Wieder Stippen. Schön mit 6m Stange, 0.18mm Hauptschnur und 1.5g Schwimmer. In 70cm flachem Wasser mitten im Kraut. Wenn schon denn schon.

Insgesamt 150 Fische, darunter zwei tolle Schleien, aberwitzig viele Rotfedern und ein paar bessere Rotaugen. Eins fast 30cm, das könnte sogar mein Krautteich PB gewesen sein. Die Sternnudelhärte war bei Minute 7:00 nahezu perfekt, allerdings noch einen Ticken zu weich für meinen Geschmack. Probleme hatte ich jedoch kaum noch. Das Ergebnis wiederum ist für einen Alternativköder aus dem Supermarkt irre gut. Schade das kein Giebel dabei war, dann hätte ich alle Friedfischarten im Krautteich mit Sternnudeln als Köder erwischt. Mit Maden oder Wurmstücken würde ich sicherlich noch etwas mehr fangen, alleine schon wegen der häufigen Mehfachverwendung ohne Neuanköderung, aber so mal unter uns, das ist schon beeindruckend in einem Zeitraum von 4 Stunden, was die Mininudeln abgeliefert haben. Da gibts nichts zu relativieren, das ist Hochkunst.

Stippruten Empfehlung vom 16er-Haken
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Anleitung: Sternnudeln zum Angeln vorbereiten
Der Knackpunkt ist also nicht die Fängigkeit, sondern die Zubereitung, um eine ködertaugliche Sternnudel zu erhalten. Ich bin bei exakt 06:30 Minuten Garzeit in einem kleinen Thermobecher nach etlichen weiteren Tests angelangt, alles mit der Stoppuhr herausgearbeitet, so genau muss die Prozedur tatsächlich auch sein. Nur eine Minute länger sorgt schon für signifikante Nachteile in der Konsistenz. Wenn die Sternnudeln etwas größer sind, kann ja bei manchen Anbietern durchaus so sein, würde ich die Garzeit trotzdem nicht oder nur marginal verlängern.
Ich zeige dir nun alle Schritte und betone mit Nachdruck, das jeder einzelne genauestens einzuhalten ist.
Gebraucht wird ein Thermobecher oder eine kleine Thermoskanne, eine Gabel und ein Nudelsieb oder ähnliches. Stoppuhr haste auf dem Smartphone. Weithalsiger Thermobecher ist besser, weil der sich danach unkompliziert reinigen lässt. Manche Sternnudeln verkleben sich echt fies am Gefäßboden, sind nur mit der Gabel zu lösen und da musste erstmal hinkommen. Bei einer handelsüblichen langen Thermoskanne wirds schwierig.

Für die Angelei reicht mir eine Viertel Tüte Sternnudeln an einem kompletten Nachmittag aus, das sind ein paar Hundert Köder. Anfüttern wäre möglich, dafür nehme ich aber anderes Zeugs. Eine entsprechende Taktik stelle ich demnächst vor.

Die Sternnudeln gebe ich direkt in den Thermobecher.

Jetzt kommen noch Lockstoffe hinzu. Flüssiglockstoffe sind auch nur jetzt einzubringen, später nicht mehr. Sternnudeln sonst futsch. Ich habe beispielsweise an Tag 2 (Brassen) mit einen guten Schluck Maggi geangelt, dadurch schmecken die Sternnudeln später schön salzig (habs probiert). Hau da ruhig die Menge von einem Schnapsglas rein. Die Nudeln werden noch abgeschreckt, dementsprechend verliert sich etwas Aroma und die Dosierung darf deshalb höher als gewöhnlich sein.

Butter Vanille geht als Allrounder ebenfalls. Die kamen am Testtag zum Zug. Für Schleien empfehle ich irgendwas mit Wurm* oder Krill*.

Der Startschuss zur Zubereitung erfolgt mit dem kochenden Wasser, das ich in den Thermobecher gebe. Mit dem ersten Schluck läuft auch die Stoppuhr bei exakt 6:30 Minuten an. Sei dabei nicht nachlässig. Nimm das ernst.


Bevor ich den Deckel auf die Thermoskanne klatsche verrühre ich die Sternnudeln noch, damit das Wasser sich auch nach unten verteilt und alle den gleichen Gargrad erreichen. Die Quellen initial ultra schnell und machen im unteren Drittel sonst dicht.

Nach 3 Minuten rühre ich nochmals um, aus dem eben genannten Grund.

Mit dem Bimmeln der Stoppuhr kippe ich die Sternnudeln auf ein Nudel oder Salatsieb im Waschbecken….

….und schrecke sie sofort ab, damit ein Weitergaren weitestgehend unterbunden wird.

Danach landen die Sternnudeln ausgebreitet auf einem großen 2.5mm Futtersieb*, damit die Restfeuchtigkeit entschwindet. Alternativ kann der Nudelsieb auch kurz in die Sonne gestellt werden. Eine Flüssiglockstoffzugabe ist nun komplett tabu, ein einbalsamieren mit Curry, Zimt, Knoblauch oder Anis sei erlaubt. Die Sternnudeln sind noch recht bissfest und feucht, weichen und trocknen jetzt aber nach.

Nach 30 Minuten sind die Sternnudeln angelfertig. Zwar verklebt, das liegt an der Stärke, aber fängig. Ich fülle sie nunmehr in die Köderdose um und fang mir einen Wolf. Komm ja nicht auf die Idee, die Sternnudeln auswaschen zu wollen, dadurch werden sie matschig und untauglich. Nur Grundelsöhne machen sowas.

Futtersieb Empfehlung vom 16er-Haken
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Sternnudeln Anködern
Die Anköderung ist wiederum ziemlich einfach. Der Haken wird durch das Loch geführt, der Teig dabei in seiner Struktur nicht verletzt und die Robustheit erhöht. Die Sternnudeln verkleben in Köderdose, man kann sich mit etwas Übung aber erstaunlich schnell ein Duo herausfrimeln, oft kleben sowieso schon zwei aneinander, und diese sofort mittig durchs Loch anködern. Oder einen kleinen Nudelcluster nehmen und sich austoben. Ist ne reine Übungssache. Bei einer Sternnudel genügt die Hakengröße #16 bis #14, bei zwei #14 bis #12, kommt auf das jeweilige Modell an. Bei drei aufgezogenen Sternnudeln kam mir die Fehlbissquote höher vor, weil die erste aufgezogene im Bogen bis Schaft steht und die Dynamik nachteilig beeinflusst wird.
Unabhängig davon bleiben Nudeln egal welcher Art ein fragiler Köder, die einen aktiven Angelstil einfordern. Also werfen, maximal 5 Minuten warten, Kontrolle. Nach einem Fehlbiss logischerweise sofort. Theoretisch könnte man die Nudeln auch auf einen Quick Stop beim Method Feedern ziehen, soweit bin ich aber noch nicht. Mit den Ideen hört das ja nie auf.

Bewertung und Fazit
Wenn ich jetzt mal von meinen Startschwierigkeiten und der Sisyphusarbeit beim idealen Garpunkt absehe haben mich Sternnudeln als Köder beeindruckt. Die Fangen überdurchschnittlich gut, sind schnell mit dem notwendigen Vorwissen angerichtet, sprechen alle Fischarten an, lassen sich mit Lockstoffen performant aufwerten und können wahrscheinlich sogar beim Quellen gefärbt werden. Das Handling ist nicht so einfach, die Sternnudel ist klein, verklebt, ein eher fummeliger Partner und sicherlich nichts für den Hufschmied, der hängt ganze Piroggen an den Haken, in den richtigen Händen von Feingeistern wie mir und anderen sind sie aber eine tödliche Friedfischwaffe.
Im Einsatzspektrum sehe ich nur wenige Grenzen, man muss seinen Wurfstil etwas anpassen, ähnlich wie bei Dosenmais sich devoter beim Aufladen des Blankes moderieren, ansonsten klappt das erstaunlich unkompliziert. Winkelpickern, Stippen, leichtes Feedern, Matchen, Stick Float und Bolo, all das geht klar. Elbe muss ich mir mit der nunmehr finalisierten Sternnudelformel erneut ansehen, genauso wie Färbeversuche und mögliche Taktiken. Das bekomme ich hier und jetzt nicht unter einen Hut. Aber in Zukunft. Bewertung: 9 von 10 Köderpunkten. Hat man den Dreh raus, fängt die Sternnudel als Köder nahe des Topbereichs. Im Handling ist sie allerdings eine Bitch.
Herzlichst, dein 16er-Haken 🐟🎣❤️
























