Frühling ist die Zeit, an der Angler die Kälte abschütteln, die Sonne wieder auf den Buckel scheint und Fische endlich aktiver werden. Während der Überganszeit verändert sich das Wetter und mit dem Wetter verändern sich unter anderem die Standplätze. Ich erkläre dir, wann du wo Fische beim Angeln im Frühjahr fängst, welche Fallstricke es gibt, wie die Gewässertypen funktionieren und meine Routinen aussehen. Das ist nicht nur ein Bericht, das wird dein ganz persönlicher Frühjahrsdosenöffner!
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Endlich wieder Tageslicht
Frühling ist, wenn mir beim Angeln das Hanfkorn vom letzten winterlichen Rotaugenansitz aus der Hosentasche wächst. Fette Fliegen wieder fliegen, die mir nach der langen Kälte auf die Brille scheißen. Es überall brummt und kleine Beinchen hektisch durch die Büsche rascheln. Es nicht mehr so verrotzt kalt ist, der Pulli ausreicht und es endlich wieder etwas länger hell bleibt. Ich auspennen und trotzdem noch ein paar Fische bei Tageslicht fangen kann. ✅
Anglerisch betrachtet sehe ich den Frühling als Übergangszeit, das Bindeglied der Kaltwasser zur Warmwasserphase. Und er kann verdammt kurz sein, manches Jahr nur einen knappen Monat, so von Mitte April bis Mitte Mai ungefähr. Alles davor ist dann meistens noch schweinekalt, alles danach oft schon FKK am Elbestrand. 2024 war das beispielsweise so. Wichtig zu wissen ist aber erstmal nur, das sich mit dem Frühlingbeginn die Standplätze und Fressgewohnheiten der allermeisten Fischarten nach der kargen Winterzeit verändern. Die Laichzeit kommt noch dazu.

Standplätze und Platzwahl beim Angeln im Frühjahr
Am Frühling schätze ich, das ich mir über die Platzwahl keine große Waffel machen muss. Alles was flach ist wuppt, sobald die Sonne mit den immer länger werdenden Lichtstunden ein bisschen Energie aufs Wasser übertragt. Flache Bereiche erwärmen sich dadurch schneller, das erste Zooplankton siedelt sich an und einer neuer Nahrungskreislauf entsteht. Genau dort stellen sich Brassen, Schleien, Karpfen, Rotaugen, Zander, Aale und Hechte ein, welche den Winter abschütteln, den Stoffwechsel hochfahren und Nahrung finden können, die im tiefen, kälteren oder hart durchströmten Wasser noch nicht verfügbar wäre.
Es gibt verschiedene Gewässertypen, die mit ihrer Struktur, Lage, Tiefe und Größe den Frühlingbeginn unterschiedlich definieren. Der Kalender ist dahingehend und allgemein nur eine Tendenz, sowas wie der Rahmen, das letzte Wort bleibt noch immer beim Wetter. Drei warme 12 Grad Tage im März an kleinen Teichen sind für Fische beispielsweise schon Frühling, an tiefen Baggerlöchern bewegen sich die Wassertemperaturen dadurch aber keinen Millimeter und es bleibt noch um einiges Winter. Flüsse ticken nochmals anders und das Grundverständnis darüber, wie sich der Frühling wo etabliert und Fische sich auf ihn einstellen entscheidet darüber, ob gefangen oder Zeit beim Angeln verschwendet wird. Ich habe viel Zeit verschwendet, darum weiß ich das heuer alles so hinreichend. Schneidertage verhindert aber auch das nicht.
Allgemeingültig wäre ich dazu geneigt zu sagen, das mit konstant 8 Grad Wassertemperatur der Frühling beginnt. An meiner Elbe ist er da, wenn ich die ersten Bachflohkrebse unterm Packwerk greifen kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Gewässertypen im Frühlingsübergang lesen zu können. Schwer ist das freilich nicht, vielem ist mit simpler Logik beizukommen. Die Schwierigkeit in der Frühlingsangelei liegt eher am wilden Anfang, die stramme März und Aprilphase, wenn das Wetter noch willkürlich schwankt und von Minusgraden bis Hitzeschlag alles drin ist. Die Überganszeit eben.
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Teiche, Weiher, flache Seen, Hafenbecken und Seitenarme
Teiche, Weiher, flache Seen, verlandete Hafenbecken und Altarme sind im zeitigen Frühjahr mitunter die ersten Gewässer, die ich zum Angeln ansteuere. Sie heizen sich schnell auf, weil nicht viel Wasserkörper vorhanden ist. Manche kann ich aufrecht durchschreiten, andere haben weitläufige Passagen dieser Art. Meine Platzwahl fällt auf seichte Stellen mit Strukturen wie kleinen Kanten, überhängenden Bäumen, Totholzufern, Schilfbänken oder Senken. Wenn es noch arg kalt ist oder wieder wird, orientiere ich mich an die erste Uferkante entlang des Flachwasserbereiches. Nachteil an kleinen oder flachen Gewässern ist im Frühjahr eher, das sie genauso schnell auskühlen wie sie warm werden. Das passiert mit Kälteeinbrüchen im April gerne mal.
Tipp: Dunkle Untergründe erwärmen sich intensiver, weshalb die Dichte an Insektenlarven dort anfänglich höher ist. Fische wissen das und suchen diese Bereiche gezielt auf, sei es wegen der Wärme oder Nahrung. Das Wasser kann nur knietief sein, trotzdem lohnt es sich, auf dunklen Teichsubstraten ohne Scharm ein Würmchen für Giebel, Karausche, Schleie, Satzkarpfen oder Aal anzubieten. Beißt nichts, fällt dir nicht der Arm ab. 🫡

Tiefe Seen und Baggerlöcher
Tiefe Seen und Baggerlöcher suche ich erst Wochen nach dem Frühlingsanfang auf, weil sie einfach nicht aus dem Arsch kommen und es ewig dauert, bis sich der wuchtige Badewannenkörper erwärmt hat. Je nach geografischer Lage sind auch die flachen Strukturen bis weit in den April hinein mausetot. Besonders an Baggerlöchern ohne anliegenden Baumbewuchs, wo der Wind ungebremst reinbrettert, kann sich das Flachwasser kaum erwärmen und wird permanent umgewälzt. Ich hab mal an so einem Ding an 10 Ansitzen an einem beschissenen März mit Achterbahnwetter nicht einen einzigen Fisch gefangen. Keinen Zupfer. Nichts. Kommen noch kalte Nächte dazu, wird es richtig knifflig. Selbst im tiefsten Winter fange ich an Baggerlöchern manchmal besser, schlicht weil das Wetter konstanter als am Frühjahrsbeginn ist.
Sobald das Wasser wärmer geworden ist, gemeinhin um die Aprilmitte herum, stellen sich die Fische genauso wie an Kleingewässern ins Flachwasser. Weniger lichtscheue Arten wie Schleien, Karpfen oder Hechte paddeln vor der Kante bis in die Schilfbank hinein herum, lichtscheuere Arten wie Brassen, Aale oder Zander knapp hinter der Kante. Diese steigen während der Dämmerung auf, fressen Insekten, Schnecken, Muscheln oder sich gegenseitig. Gewässerkundige Augen können auch das ein oder andere Zandernest entdecken, das im Flachwasser durch sinkende Pegel sichtbar wird und alleinerziehende Väter bei ihrer Pflicht zeigt.
Tipp: Am Aprilanfang ist es häufig sinniger, kleine Testansitze an Baggerlöchern zu starten. Dafür nehme ich mir oft einen Winkelpicker und biete hinter der ersten Uferkante nur ein paar 3mm Pellets mit der Futterschleuder an. Zwei Pinkies an der Hakengröße 16 fliegen hinterher und ich warte ungefähr ein Stündchen, bis etwas beißt. Beißt nichts, ziehe ich weiter und das mache ich solange, bis ich Fische finde. In der Regel sind es Rotaugen und wo Rotaugen sind, treiben sich früher oder später auch Brassen, Schleien, Satzkarpfen, Hechte und Aale rum. In jedem Falle taste ich mich an tiefen Baggerlöchern am Frühlingsanfang behutsam vor, besonders wenn es noch kalt ist oder ich jene kaum kenne, denn viel Schleppen und wenig Fangen ist eine richtig beschissene Kombination.
Kleine und große Flüsse
An kleinen bis großen Fließgewässer startet meine Frühlingsaison häufig bereits Mitte März. Früher als an den allermeisten Stillgewässern und das hat unzählige Gründe, einer davon fußt auf meiner Beobachtung, das sich Elblöcher jedes Jahr durch das Winterhochwasser mit Fisch füllen. Was bedeutet, das sie wandern. Was wandert ist aktiv und pennt nicht halbsteif wochenlang in irgendeiner tiefen Lunke im Flussverlauf rum. Rückschließen kann ich auf dieses Verhalten, weil bei mir vor der Haustür ein flaches Elbloch für gewöhnlich nur während der Wintermonate eine Verbindung zur Elbe aufbaut und Fische einkehren, viele leider den Rückweg verpennen und diese im Sommer wegen Wasser und Sauerstoffmangel allesamt draufgehen. Wassermangel = 20cm flach.
Ein anderer Grund ist schlicht und ergreifend, das sich Flussfische permanent der Strömung ausgesetzt sehen, ebenjene an den Winterplätzen zwar geringfügiger ist, letztlich aber auch an den Energiereserven zerrt und genau das irgendwann seinen Tribut fordert. Entweder Nahrungssuche oder Kleiderhakenkörper. Worüber ich mir mir nie schlüssig war ist, was Fische in der Spätwinterzeit überhaupt finden sollen. Viel zu holen gibt es ja noch nicht. Ein Lichtlein ging mir auf, als ich mit meinem Hund über eine Hochwasserwiese an den ersten Märztagen wanderte. Direkt durchs Wasser, tief war es nicht.
Was dort an abgesoffenen Engerlingen und anderen Viechern hochkam war abenteuerlich und was ich daraus gelernt habe, hat meine Flussangelei im Frühjahr nachhaltig verändert. Flussfische decken ihren Energiebedarf über die Wintermonate bis zum Frühlingsanfang mit dem Hochwasserzyklus. Darauf will ich hinaus. Viele Insektenlarven entwickeln und vergraben sich im Herbst in unmittelbarer Flussnähe, um dort wohlbehütet zu überwintern. Die Hochwasserphase funkt dazwischen, schiebt sich über die Landschaft, weicht das Erdreich auf und spült die Nahrung frei, die sich Fische direkt auf den Hochwasserauen oder an spezifischen Wanderrouten entlang des Flussufers einverleiben.




Diese Wechselwirkung aus Energiebedarf und Hochwassernahrungseintrag halte ich für den Hauptgrund, das sich Flussfische auch bei niedrigen Wassertemperaturen bewegen. Es ist eine Anpassung und ein natürliches Zusammenspiel im Lebensraum Fluss, weshalb ich meine Angelei weitaus früher als an vielen Stillgewässerarten starte. Wobei ich nicht unterschlagen will, das ich im Januar und Februar die Totmannszeit sehe und es so kalt sein kann, das mit den Eisschollen nur wenige Fische durch die Elbe ziehen. Das Randeis macht einem dann auch schnell einen Strich durch die Rechnung, das so laut knackt, das Tama Hanke neidisch wäre. Das sind u.a. diese Phasen, wenn ich mit Sack und Pack durch die Natur stolpere und mich dem Studium der Flora und Fauna wie auf dieser Hochwasserwiese hingebe. Einige Angler belächeln mich dafür, insbesondere jene Typen, die sich selber kaum die Schuhe zubinden können und nicht begreifen, das ich meine Angelei nicht auf Zauberköder eingrenze. Im Gegenteil, ich fange mehr als diese Taugenichtse, weil ich Zusammenhänge ergründe. Ein Spitzenjäger kann nur einer sein, wenn er sein Jagdgebiet kennt. 🤷
Ab März sind die Top Spots an Flüssen strömungsarme und verhältnismäßig flache Flussabschnitte, Buhnenfelder, Strömungskanten, Packwerkgelage, Hafeneinfahrten, Überflutungswiesen und ähnliches. Überall dort, wo das Wasser weniger Druck führt, es ggfs. schon minimal wärmer ist und sich Nahrung finden lässt. Für gewöhnlich Bachflöhe und Bachflohkrebse. Denen folgen die Weißfische. Den Weißfischen folgen wiederum Raubfische. Alles ist ein Kreislauf. Im Mai ist das Angeln an Flüssen weitestgehend schon sommerlich und ich arbeite das ganze Spielfeld nach Situation und Zielfisch ab. Das war jetzt eine längere Ausführung als geplant, das seit ihr aber mittlerweile von mir gewohnt. Sorry. 😂
Tipp: Die Wassertemperaturen und Pegelstände vieler großer Flüsse lassen sich über Messstationen im Internet ablesen. Ich nutze dafür ELWIS* und weiß immer sofort, was an meiner Elbe los ist. Besonders die Pegelstände behalte ich im Auge, damit ich nicht vor vollendeten Tatsachen stehe und das Flusswasser schlimmstenfalls falls über den Anfahrtswegen steht. Aus den Wassertemperaturen mache ich keine Wissenschaft, sobald die Elbe 6 Grad erreicht hat, lege ich konsequent los.

Achtung Schmelzwasserphase!
Eine Besonderheit des Frühlings ist die Schmelzwasserphase, bei der Schnee und Eis mit den ersten warmen Tagen schmilzt, ins Gewässer gelangt und die Wassertemperaturen drückt. Dadurch werden die Fische inaktiver, anstelle der Vermutung, die Angelei könnte sich schon lohnen. Das Schmelzwasser negiert die Sonnenwärme und bis sich alles wieder einpendelt, können einige Tage vergehen. Hab das auf dem Schirm oder zumindest als Ausrede an Schneidertagen parat.

Laichzeit beim Angeln im Frühjahr
Die Laichzeit ist die Phase im Frühjahr, wenn sich Fische auf die Fortpflanzung einstimmen. Generell sind die Wochen davor und danach für Angler herausragend, weil die Friedfischschwärme größer werden, sich auf kleinerer Fläche tummeln und weitaus mehr gefressen wird. Insbesondere die Weiber schroten wie Mähdrescher (analog zur schwangeren Frau), welche hunderttausende Eier in der nunmehr unübersehbaren Wampe aufbauen. Viele Gewichtsrekorde gehen auch fast nur auf Weibchen genau deshalb in die Frühlingszeit zurück, weil zum Maximalgewicht noch ein paar Pfund Laich obendrauf kommen. Davon mal ab, das bei manchen Arten die Männchen ohnehin kleiner bleiben und auf Bestenlisten keinen Stich sehen. #WobleibtdadieGleichberichtung
Der Laichakt hat mir beim Angeln im Frühjahr schon so manchen Ansitz zerschossen. Es steht ja kein Schild am Schilf, das gleich gebumst wird. Zeitlich lässt sich der genaue Zeitpunkt nicht eingrenzen, weil die Temperaturen sich jedes Jahr anders niederschlagen und dementsprechend die Gewässer in Abhängigkeit zu ihrer Größer ebenfalls unterschiedlich schnell die Mindesttemperaturen erreichen. Sehe ich Weißfische laichen, stelle ich die Angelei grundsätzlich ein (beißen sowieso nicht) und schaue mir das Spektakel an. Im März entdecke ich immer mal wieder auch Hechtboys, die um eine größere Dame herum schwadronieren. Das ist ein typisches Gebaren von männlichen Hechten vor der Laichzeit. Hab das für dich mal gefilmt.
Beste Uhrzeit beim Angeln im Frühjahr?
Ende März bis Ende April sind die Mittags und Abendstunden tendenziell mit etwas mehr Fischaktivität verbunden, sofern die Sonne ordentlich ballert. Ab Mai knallt es eigentlich rund um die Uhr. Magische Beißzeiten gibt es beim Angeln im Frühjahr allerdings nicht. Egal um welche Fischart es sich handelt. Erfolg ist von Strategien, Fischbeständen, Gewässereigenschaften, Erfahrung, Wissen und harter Arbeit abhängig. Beißkalender und Wischiwaschiapps kannst du getrost zur Seite lassen. Diese sind viel zu unspezifisch und bringen dir in der Realität überhaupt nichts. Geh einfach Angeln wenn du kannst, mit der Zeit findest du passende Gewässer, die in deinen Zeitrahmen passen.

Welche Fische beißen im Frühling?
Alle.
Die Frage ist nicht ob sie im Frühjahr beißen, die Frage ist WO und WANN sie beißen. Die Beißfenster werden dabei mit jedem Frühlingstag größer, die Angelei ebenfalls einfacher, respektive erfolgreicher, weil Fische mit dem Stoffwechselanstieg mehr Nahrung aufnehmen können, die Nahrungssuche dadurch ausgiebiger wird und die Fangchancen so steigen. Fehler in der Platzwahl werden im Frühlingsverlauf deshalb auch nicht mehr so hart bestraft wie es im Winter der Fall wäre, weil warmes Wasser den Bewegungsradius erhöht. Im Frühling bewegen sich Fische auch auf dich zu, wenn der Platz nicht selten dämlich gewählt wurde. Im tiefsten Winter bewegt sich überhaupt nichts. Sitzt du falsch, wars das.
Raubfisch = Schonzeitkoller
Das Raubfischangeln beschränkt sich im Frühjahr vielerorts auf den Mai, wenn überhaupt. Dann meistens auf Hecht, Rapfen, Wels, Barsch oder Forelle. Zander sind oft noch in der Schonzeit, die Böcke stehen auch gerne mal bis Ende Juni auf den Nestern. Raubfische halten sich wie alle anderen Fischarten im Frühling in Ufernähe auf, jagen dort Brut oder Kleinfischen nach. Sobald erlaubt, stelle ich diesen gerne mit Löffelblinkern und Spinnern* nach, die ich mit Tempo weit über Grund führe, damit ich Zandermänner gar nicht erst erwische (oder diese mich besser gesagt).
Friedfischhochphase
Frühling ist Friedfischzeit. Das merke jedes Jahr auch an meinem massiven Leseranstieg von März bis Juni, wenn leidgeplagte Raubfischfritzen sich mit einer anderen Welt wegen der Schonzeit auseinandersetzen müssen. Friedfische befinden sich in der Laichzeit, dementsprechend fressfreudig und umtriebig sind sie. Die Angelei ist aufgrund der kurzen Wurfdistanzen sehr direkt und intensiv. Es ist auch die Zeit, an der Angelmethoden für den Nahbereich Aufwind haben. Das Stippen oder Winkelpickern meinethalben. Im April und Mai sehe ich die besten Monate für Schleien.
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Meine Frühjahresroutinen
Ich habe Frühjahrsroutinen, wie sie jeder Angler zu jeder Jahreszeit hat. Was ich wann mache hängt von meinen Launen, aber auch der Witterung und den Pegelständen ab. Ich lebe direkt an der Elbe, die kann im März durchaus auch mal alles fluten und die Dörfer hinterm Deich um ein paar Meter verschieden, deshalb ist Flexibilität nie verkehrt. Sind mir die Sterne wohlgesonnen, bleibt mir derlei Naturgewalt erspart und ich kann meinem Kappes beim Angeln im Frühjahr nachgehen, der dir wohlmöglich ebenfalls gefällt.
März: Brasse mit Futterkorb und Brotflocke
An der Elbe checke ich die Fischaktivät im zeitigen März gerne mit der Feederrute, Futterkorb und Weißbrotflocke ab. So habe ich relativ frühzeitig einen Überblick, wann, wo, wie und ob sich die Friedfischschwärme im Flusslauf überhaupt bewegen. Zur Brotflocke füttere ich ein Weißbrotfutter mit Kurkuma, das ich allenfalls mit einigen wenigen Pellets, Maden oder geschnittenem Mais ergänze. Wohldosiert natürlich, es ist noch Arschkalt. Fange ich die ersten Brassen, rücke ich bald mit schweren Geschützen an.

März: Giebel mit Waggler am Teich
Giebel sind kleine geile Koffer und schon frühzeitig im Jahr aktiv. Früher als Schleien definitiv. Die kleinen Scheißer fange ich mit Matchrute* und Waggler an Teichen, wo ich nur ein paar Pinkies, Pellets und einige wenige Maiskörner mit der Madenschleuder anfüttere. Giebel haben ordentlich Saft unter der Haube, das Vorfach und die Strategie muss trotzdem tendenziell feinfühliger sein, ansonsten beißt kein einziger. Verschärft wird das ganze, weil die allermeisten Teiche im Frühjahr glasklares Wasser haben und das Angeln durchaus anspruchsvoll ist.

März und April: Mit treibender Pose oder Winkelpicker am kleinen Fluss
Am kleinen Fluss laufe ich im März und April mit dem Winkelpicker oder einer Matchrute rum. Das ist ebenfalls eine herrlich einfache Angelei, bei der ich nur einen Rucksack und ein Futteral dabei habe. Sehe ich im Wasser etwas plätschern, wohlmöglich Kormorane oder Graureiher rauben, übernehme ich den Platz im Spitzenpredatorstyle. Mit der treibenden Pose habe ich es vor allem auf Rotaugen, Alande und Döbel abgesehen. Mit dem Winkelpicker visiere ich eher Brassen an. Generell klappt beides, hängt aber vom Kontext und der Strategie ab.

April und Mai: Angeln im Frühjahr ist Schleienzeit!
Von April bis Junianfang bin ich im Schleienmodus. Tagsüber wie Nachts, während der Mittagsstunden oder Abenddämmerung. Nur Morgens nicht. Frühaufsteher sind komische Menschen. Ich bin keiner davon. Die Schleienangelei ist deshalb so erfolgreich, weil sich größere Schwärme formieren und Schleien Portionslaicher sind, die Eiablage sich also über mehrere Wochen erstrecken kann, weshalb viel gefressen und dementsprechend auch mehr gefangen wird. Im Frühjahr überliste ich durchaus mehrere kapitale Schleien an einem Tag, das gelingt mir beim Angeln während der anderen Jahreszeiten nicht ansatzweise.

April und Mai: Mammutbrassen mit Method Feeder
Im April und Mai schieße ich mich ebenfalls auf dicke Brasse ein, die ich in großer Stückzahl mit dem Method Feeder fange. Im Frühjahr bewegen sich die Schwärme relativ ufernah wegen der baldigen Laichzeit, wodurch ich mich schön schnell, leicht und unkompliziert aufstellen kann. Das ich beim Method Feedern mit nur wenigen Futtermitteln, ein paar Pellets und den typischen pflegeleichten Ködern auskomme (Miniboilies, Hartmais, Pellets), erfreut meine pragmatische Seite obendrein. Große Brassen fange ich mit dem Method Feeder an Baggerlöchern und Flüssen im Frühling. Beides macht richtig bock.

April und Mai: Angeln auf Aal im Frühjahr in flachen Buhnen
Als Elbkind ist das Aalangeln im April und Mai natürlich fest in meiner Jahresplanung integriert. Ich suche mir dafür gezielt flache Buhnen mit steinigem Untergrund und Packwerk raus, wo Bachflohkrebse und kleine Grundeln rumturnen, auf die sich die Aale typischerweise im Frühjahr einschießen. Die Abenddämmerung und zwei Stunden bis in die Nacht sind meiner Erfahrung nach die beste Fangzeit, danach nimmt die Aprilkälte zu und die Aalaktivität ab. Das verläuft sich aber bald, spätestens Ende Mai.
Mai: Rapfen am Prallhang
Im Mai wird der Rapfen wieder aktiver und den fange ich super gerne mit verschiedenen Taktiken. Entweder mit stramm geführten Blinkern oder Pilkern an der Wasseroberfläche, aber auch mit Weißbrotflocken oder Pellets am Prallhang von Buhnenköpfen. Dort platziere ich für gewöhnlich Festbleimontagen, liege im Sand, lese ein Buch und wenn der Freilauf rattert, hängt ab und zu ein Rapfen dran. Es sind zwar Raubfische, die Weißfischabstimmung kommt aber immer mal wieder durch und das sind keine Zufälle. Regelmäßigkeit schließt Zufälle aus. Ich fange Rapfen regelmäßig mit Friedfischtaktiken.

Mai: Angeln im Frühjahr auf Hecht mit Blech
Hechte sind im Mai (m)ein Selbstläufer, allerdings starte ich die Hechtsaison nicht wie bei uns üblich am ersten Mai, sondern etwas später. Mir laufen da einfach zuviele Spinner in bunten Kostümen rum, die mir ständig ein Ohr abkauen, was sie gleich alles fangen werden, nur um den gleichen Hecht von vor 15 Jahren abends wieder in den gleichen Gruppen zu posten. Ich liebe Hechte, den Kult verballerter Instagramangler nicht.
Meine Taktik ist relativ einfach. Ich führe Blechköder entlang der ersten Uferkante an Baggerlöchern oder durch Elbbuhnenfelder. Oftmals mittelgroße Löffelblinker*, Pilker oder Spinner. Mit Tempo und Oberflächennah, damit ich Zandern bestmöglich ausweiche. Einige Raubfischangler sind da eher lockerer im Frühjahr unterwegs, führen Gummifische mit der Faulenzermethode durch die Buhnen und bereiten die Selfies vor, die sie einen Monat später hochladen, wenn die Schonzeit beendet ist. Es gibt schon komische Mensch.
Herzlichst, dein 16er-Haken

















Herzlichen Dank für den inhaltlich als auch rhetorisch feinsinnigen Artikel.
Bisher war ich der Annahme, Wortspiele seien mehrheitlich meine Aufgabe!
😅
Auszug eines noch nicht veröffentlichten Berichtes zur Winterangelei:
Ich trage ein Winterfell beim Angeln wie das Wappen der Starks von Westeros.
Gruß Christoph 😂😂😂