gefangener Barsch mit pinker Kunstmade

Das neue Hausgewässer Kennenlernen – Auf unbekannten Pfaden wandeln

Ein neues Hausgewässer fordert uns Anglern alles ab. Weder der Fischbestand noch die Struktur des Schauplatzes sind uns bekannt, wir stochern also im Nebel. Ein solches Abenteuer hatte ich nach meinem Umzug in die alte Heimat.

Neues Hausgewässer

Wie ich das neue Hausgewässer bewältigt habe, erfahrt ihr wie immer im Bericht. Viel Spaß beim Lesen!

Eine Expedition ins Ungewisse

Nach meinem Umzug in die alte Heimat stand neben dem neuen Lebensabschnitt auch eine weitere Veränderung ins Haus. Viele neue Gewässer in der Umgebung steigerten meine Neugierde auf ein Maximum.

Die Vorfreude war sogar so groß, das ich zwischen den Umzugskartons neue Montagen binden musste. Beinahe 3 Wochen war ich nicht Angeln, dieser Umstand trieb mich fast in den Wahnsinn. Allerdings musste ich mich erstmal durchringen, ein neues Hausgewässer auszuwählen.

Die Entscheidung war nicht einfach, ich entschied mich aber für einen See unweit meiner Haustür. Mit dem Fahrrad könnte ich das alte Baggerloch in 5 Minuten erreichen. Dieser Luxus würde auch das Erkunden mit dem Hund beim Spaziergang ermöglichen.

Hund spielt im neuen Hausgewässer

Einen Tag später nahm ich mir das neue Hausgewässer schon unter die Lupe. Der 800 Meter lange und 70 Meter breite See zeigte sich von seiner schönsten Seite. Schilf und Bäume umsäumten das Ufer, leider sahen die Trampelpfade zu den Angelstellen aber genauso so aus. Zwischen Brennnesseln und totem Holz musste man sich einen Weg zu den wenigen Lücken bahnen.

Zwischendurch tobten der Hund und ich am neuen Hausgewässer, dabei schreckte er einen Kormoran auf. Diesen hatte ich zuerst gar nicht gesehen, gut versteckt ruhte er zwischen dem Schilf. Zumindest eines war nun sicher. Wenn der Schwarze Vogel hier ist, muss es Fische geben!

Am neuen Hausgewässer auf die eigenen Stärken setzen

So ein neues Hausgewässer ist wie Pokern. Mit jeder neuen Runde weißt du nicht, welche Karten gespielt werden. Ich halte es deswegen für äußerst wichtig, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Motivation und Selbstsicherheit sind auch für einen Angler sehr wichtige Elemente.

Das Feedern ist eine Methode, die ich Blind beherrsche. Obendrein bereitet sie mir am meisten Spaß. Wieso sollte ich also etwas anderes am neuen Hausgewässer ausprobieren wollen? Schnell stellte ich mir eine kleine Ausrüstung für den Ausflug zusammen. Sie bestand aus:

Leichte Feederrute für Distanz

  • 3,60 Meter Länge
  • 4000er Rolle
  • 0,20 Millimeter Mono
  • Futterkörbe bis 30 Gramm

Winkelpicker für Nahbereich

  • 2,40 Meter Länge
  • 2000er Rolle
  • 0.16 Millimeter Mono
  • Bleischrote

leichte Feederrute und Winkelpicker

Der Vorteil dieser Aufstellung von Gerät ermöglicht es mir sowohl schnell, als auch flexibel auf Distanz zu Angeln. Ohne Kenntnisse gegenüber der Struktur müssen wir uns zwingend einen größeren Spielraum schaffen. Mit einer Stipprute beispielsweise wäre es mir nur Möglich, im Nahbereich einen Köder zu platzieren. Warum die ganzen Potentiale verschwenden?

Der Rest der Ausrüstung war überschaubar. Nichts weiter als ein Stuhl und Eimer neben dem Hund sollten mich begleiten. Die meisten Dinge waren ohnehin noch in den Kartons vom Umzug verpackt.

An Ködern hatte ich nur Pinkies zur Verfügung, sie sollten mir aber für die ersten Eindrücke durchaus genügen. Mais wäre eine Alternative gewesen, auf dem Land bekommst du am Sonntag aber nichts weiter als geschlossene Türe zu sehen. Der Ansitz war auch eher spontaner Natur, obendrauf sollte ich sogar meine Futterschüssel vergessen……

Loten ist des Anglers erster Schritt

Das Loten ist für mich immer die erste Handlung vor dem eigentlichen Angeln. Wie sollen wir uns mit einem neuen Hausgewässer vertraut machen, wenn wir seine Struktur nicht kennen? Es geht ja nicht darum, eine Tiefenkarte zu erstellen, aber zumindest ein Ansatz von unterschiedlichen Strukturen ist notwendig.

Futterkorb zum Loten an der Feederrute

Beim Feedern fällt das Loten sehr einfach aus. Wir werfen einen Futterkorb an geklippter Schnur auf die Distanz und zählen einfach nur die Sekunden der Absinkphase. Umso länger ein Korb von der Wasseroberfläche bis zum Gewässerboden braucht, desto tiefer ist es auch. Einfacher geht es nun wirklich nicht mehr.

Ein Futterkorb von 30 Gramm legt in einer Sekunde ungefähr 100 Zentimeter zurück. Diese Angabe kann natürlich je nach Form schwanken, aber für grobe Eindrücke reicht es vollkommen aus.

Ich widmete dieser Prozedur beinahe 30 Minuten am neuen Hausgewässer. Am Ende stellte ich fest, dass der Boden abseits der Uferkanten sehr schlammig war. Zum Feedern sind diese Bedingungen natürlich weniger zuträglich, weil das Futter einsinkt. Zumindest aber flache Bereiche und tiefe Löcher konnte ich finden, um mehr geht es auch nicht.

Kein Biss am neuen Hausgewässer nach 90 Minuten

Den ersten Futterplatz meines Lebens am neuen Hausgewässer legte ich auf eine Entfernung von 30 Metern an. Die Tiefe von 3 Metern kurz hinter einer Kante schien mir extrem Ertragsreich zu sein, solche Strukturen sind eigentlich immer Gold wert. Fünf Futterkörbe mit einigen Pinkies sollten für den Anfang komplett reichen, mit nur einigen wenigen Bissen wäre ich zufrieden gewesen.

Um die Fische zu aktivieren, entschied ich mich im Takt von 5 Minuten immer wieder neues Futter anzubieten. Nach 90 Minuten mühsamer Arbeitet passierte allerdings nichts. Weder Zupfer, noch Schnurschwimmer konnte ich verbuchen. So hatte ich mir den Auftakt eigentlich nicht vorgestellt. Aufgeben dürfen wir jetzt aber nicht!

In Gedanken überlegte ich, was nun zu tun wäre. Mir fiel ein Video von Paul Cook ein, der einen wertvollen Tipp für Baggerlöcher gab. Seiner Meinung nach muss man die Fische dicht am Kraut bei Tageslicht suchen. Solch eine Stelle hatte ich direkt vor der Nase. Kurzerhand wechselte ich zum Winkelpicker.

Wechsel brachte Erfolg – Schwanenblume rettet Angeltag

Während des Angelns wunderte ich noch rum, welch schöne Pflanzen in 10 Meter Entfernung ihre Schönheit preisgaben. Sie standen in 70 Zentimeter flachem Wasser, zwischen den Stängeln könnten sich möglicherweise Rotfedern oder Rotaugen verstecken. Ich hätte auch vorher drauf kommen können, die herrliche Lila Blüte musste wohl meine Sinne vernebelt haben.

Schwanenblume

Mit respektvollem Abstand zur Schwanenblume legte ich einen neuen Futterplatz an. Lautlos schlugen die geworfenen Bleischrote auf, voller Spannung wartete ich auf den ersten Biss.

Es dauerte keine 3 Minuten, da konnte ich das erste Rotauge schon landen. Angeln kann manchmal so einfach sein. Ich ärgerte mich sofort, weil ich fast 2 Stunden verschwendet hatte. Das ist aber die Realität unseres Hobbies, deswegen lieben wir es doch?

30 Zentimeter lange Rotfeder

Keine 5 Minuten später wurde der Widerstand am Wickelpicker deutlichst stärker. Nach einen kurzem Drill folgte eine Rotfeder von 30 Zentimeter! Sofort war ich in das neue Hausgewässer verliebt, dieser kleine Goldbarren war wie der erste Kuss. Sogar der Hund wedelte mit dem Schwanz.

Kunstmaden als Experiment

Mit der Zeit nahmen die Fehlbisse besonders kleiner Fisch etwas zu, leicht genervt musste ich mir etwas einfallen lassen. Leider hatte ich nur Pinkies zur Verfügung, einen Joker konnte ich aber ziehen! Kunstmaden wirken nicht sehr vertrauensvoll, tatsächlich können sie die Erfolge aber Steigern.

Mir gefiel die Farbe Pink auf Anhieb, sie erinnerte mich an kotzende Einhörner. In Kombination mit der kleinen Fliegenlarve könnte sich ja ein größerer Fisch an den Haken verirren? Anstatt eines Bisses stieg mir erstmal ein Barsch beim Reinholen der Montage ein. Ihm gefiel der rotierende Köder ganz besonders. Zumindest Fischart Nummer 3 konnte ich überlisten.

gefangener Barsch mit pinker Kunstmade

Die Fehlbisse reduzierten sich ebenso, weitere Rotfedern bis 25 Zentimeter packten jetzt beherzter zu. Scheinbar musste die gewählte Köderfarbe eine Veränderung bewirkt haben. Voller Freude warf ich ein weiteres Mal an die Stelle, während mein Hund mit seinem Hintern den Futtereimer abräumte.

Ich nahm es mit Humor, solche Betriebsunfälle gehören bei gemeinsamen Ausflügen dazu. Charly schiebt sich manchmal gerne auf meine Schoss, da passieren solche Dinge halt. Wir sind aber ein Team, in guten wie in schlechten Momenten.

Hund am Futtereimer

Zum Abschluss bekam er noch ein Leckerchen, dann folgte der Weg nach Hause. Ich hatte an diesem Tag wieder jede Menge gelernt, vielleicht sind ja noch richtig dicke Überraschungen drin?

Herzlichst, euer 16er-Haken

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