Hafenbrasse

Feedern im Hafen -Entwickeln einer Taktik

Das Feedern im Hafen sollte für mich eine Vorbereitung für ein Event sein. Ein neues Gewässer kann einem Angler aber alles abverlangen, wie stellen wir uns also richtig darauf ein? Nichts ist ungewisser als eine Veranstaltung aus dem Bauch heraus.

Hafenbrasse

Ich zeige euch, wie ich eine Taktik zum Feedern im Hafen entwickelt habe. Viel Spaß beim Lesen!

Feedern im Hafen – Unbekannte Gefilde

Während des Verfassens eines neuen Berichtes für meinen Blog klingelte das Telefon. Ein Bekannter vom Angelverein meldete sich und teilte mir eine Veranstaltung zum Feedern im Hafen mit. Ohne zu zögern gab ich ihm meine Zusage.

Obwohl ich während meiner Kindheit an der Elbe groß wurde, hatte ich mit diesem Hafen damals nichts im Sinn. Kurios, oder? Nach meiner Jugendzeit zog ich dann wegen Ausbildung und Arbeit weg, Jahre später sollte ich zu diesem Schauplatz jedoch zurückkehren.

Hafenbecken im Abendlicht

Der Hafen war anglerisch gesehen für mich ein großes Fragezeichen. Ohne Vorkenntnisse wäre eine Veranstaltung der absolute Blindflug gewesen. Nur eines wusste ich. Die Verbindung des Beckens zur Elbe musste mit den Zielfischen Brassen und Güstern einhergehen.

Viel wichtiger aber waren mir die Gegebenheiten, um überhaupt technisch sauber Feedern zu können. Die folgenden Fragen stellten sich mir:

  • Erwartet mich Strömung?
  • Welche Feederruten werde ich brauchen?
  • Wie schwer müssen die Futterkörbe sein?
  • Wie tief ist der Hafen?
  • Welche Bodenstruktur weist er auf?

Fragestunde direkt am Hafen – Ausrüstung zum Feedern wie an Stillgewässern

Um alle wichtigen Informationen zu erhalten, bewegte ich mich wie ein Stalker um den Hafen. Getarnt als Spaziergänger mit dem Hund entlocke ich den heimischen Anglern geschickt die benötigten Antworten.

Etwas verwundert war ich um die Gegebenheiten. Tatsächlich ist das alte Hafenbecken schon Jahre nicht mehr im Betrieb. Der Boden verschlammte über die Zeit, da keine Strömung mehr vorherrscht. Anstellte von Schiffen kreisen nun Sportboote und Ruderer ihre Runden im Wasser. Die Tiefe des Hafens war ebenfalls eine Offenbarung. Er war nicht tiefer als 200 Zentimeter im Sommer.

Feedern im Hafen

Das Feedern im Hafen ist also gleichzusetzen wie an einem See. Deswegen wählte ich die folgende Ausrüstung:

  • Für mittlere Bahnen

  • leichte Feederrute
  • 4000er Rolle
  • 0,20 mm monofile Schnur
  • Futterkörbe bis 30 Gramm
    • Für kurze Bahnen

    • Winkelpicker
    • 2000er Rolle
    • 0,16 mm monofile Schnur
    • Körbchen bis 20 Gramm

    Erster Tag im Hafen brachte Brassen beim Feedern

    Ganz ungeniert setzte ich mich am ersten Tag an eine kleine Treppe die bis zum Wasser reichte. Diesen Komfort wollte ich mir nicht entgehen lassen. Nachdem ich meine Ausrüstung zum Feedern ausgepackt hatte, nahm ich mir viel Zeit zum Loten im Hafen.

    Die gewonnen Eindrücke können sehr wichtig sein. Das Packwerk beispielsweise ging bis zu 6 Meter in den Hafen hinein. Wenn ich einen Fisch landen will, brauche ich entweder einen langen Kescher oder ich muss ihn sehr weit oben halten. Sonst steigt die Gefahr, das ein Futterkorb in den Steinen hängen bleibt.

    Futterkorb mit braunem Lockfutter

    Neben einigen Löchern konnte ich auf einer sehr großen Fläche nur eine Wüste aus Schlamm feststellen. Die Wahl eines Futterplatzes richtet sich also nur nach der Tiefe.

    Meine Taktik für den ersten Tag sah folgendermaßen aus:

    • Feedern auf mittlerer Distanz
    • Einsatz von süßem Lockfutter
    • Nur Maden als Köder
    • offene Körbe bis 30 Gramm

    Nach 5 Minuten der erste Biss

    Nach einer Startfütterung von 5 Futterkörben folgte der erste Biss keine 5 Minuten später. Ein recht stattlicher Brassen ließ sich die Maden schmecken. Ich war zwar begeistert, aber auch etwas verunsichert. Möglicherweise hatte ich den Schwarm direkt vor der Nase. Folglich würde der Eindruck etwas verzehrt sich darstellen.

    Tatsächlich stellte sich keine Beißflaute über den gesamten Ansitz ein. Ich fing etliche Brassen, keine andere Fischart sollte sich zeigen. Eigentlich war die Idee an sich, über Maden im Futter eine breite Palette an Beute zu machen. So richtig sollte das aber nicht funktionieren, das Feedern im Hafen war eher eine Schlacht um große Brassen.

    Brassen im Kescher

    Nach nur wenigen Stunden hatte ich schon über 30 Kilogramm an Gewicht gefangen. Natürlich macht solch ein Feedern Spaß, allerdings fehlte mir der Vergleichswert im Hafen. Zumindest schienen die Maden und süßes Futter eine gute Option zu sein. Tatsächlich spielte mir das Wetter ebenso in die Karten. Ein leichter Wind und der bedeckte Himmel sind klare Vorzeichen für einen guten Fang von Brassen.

    Am zweiten Tag Feedern an der Hafenausfahrt

    Am zweiten Tag meiner Forschungsreise setzte ich mich direkt an die Hafenausfahrt. Dieser Abschnitt ist nur einige wenige Meter von den Plätzen der baldigen Veranstaltung entfernt.

    Hafenausfahrt

    Beim Versuch den Rutenhalter in den Boden zu rammen wäre ich fast verhungert, meine Kiepe samt Feederarm wäre die bessere Option gewesen. Der taktische Kontrast zum ersten Tag sollte das Angeln dicht am Ufer sein. Mit dem Winkelpicker und kleinen Körbchen wollte ich den Güstern am Packwerk nachstellen.

    Die Strategie für den zweiten Tag beim Feedern im Hafen so aus:

    • leichtes Feedern im Nahbereich
    • Einsatz kleiner Futterkörbe
    • Füttern großer Mengen an Pinkies
    • Ein aktives Lockfutter

    Ich hatte mir eine einfache Rechnung aufgestellt. Wenn ich viele Güstern mit 300 Gramm fangen kann, könnte ich einige wenige Brassen übertrumpfen. Es stand also die Idee im Vordergrund, mit Masse zu Punkten. 50 Fische mit 300 Gramm wiegen einfach mehr, als 7 Brassen mit 1000 Gramm. Soweit die Theorie. Funktioniert dieser Ansatz aber?

    Ein Sack voll Güstern bestätigte mich

    Es war schon verrückt. Wiederholt lag ich mit meinen Planungen richtig. Nach der Startfütterung dauerte es keine 10 Minuten und schon nahm das Feedern im Hafen fahrt auf. Das aktive Lockfutter und die große Menge an präsentierten Pinkies mussten einen Fressrausch ausgelöst haben.

    Nach jedem Wurf konnte ich binnen kürzester Zeit eine Güster fangen. Fast minütlich landete ich Exemplare zwischen 15 Zentimeter und 40 Zentimeter. Das salzige Futter mit einem hohen Anteil an Hanfmehl schien eine verheerende Anziehungskraft auszuüben. Relativ schnell war mein ganzer Vorrat beim Feedern im Hafen aufgebraucht.

    eine große Güster

    Da sich das Wetter nicht änderte, hielt ich die Präsentation von den Ködern bis hin zum Takt der Würfe für diese Invasion für Verantwortlich. Warum gelang es mir am ersten Tag aber nicht, eine Güster zu Fangen? Ich rätselte noch eine ganze Weile, vielleicht lag es ja an der Wahl meiner Stelle.

    Ükelei im freien Fall – Das Finale am Hafen

    Am letzten Tag meiner Expedition im Hafen nutzte ich die Chance , direkt auf der Strecke zu Feedern. Ich platzierte mich genau vor ein Schiff, welches als Restaurant dient. Genau hier werden wir später unsere Veranstaltung austragen. Die Erkenntnisse heute könnten Gold wert sein.

    Schiff und Boote im Hafen

    Eine kleine Veränderung sollte es aber geben. Das Wetter drehte sich auf einen schönen Sommertag. Ein blauer Himmel und keinerlei Wind waren das genau Gegenteil meiner ersten beiden Ansitze. Ich wollte aber Pokern und legte meine Strategie entsprechend auf große Brassen fest. Meine Taktik sollte so aussehen:

    • Feedern auf mittlerer Distanz
    • Einsatz grober Partikel
    • gelbes und passives Futter
    • geschlossene Körbe

    Was Brummt im Hafen und schlägt Wolken beim Feedern?

    Meine Planspiele fanden aber ein schnelles Ende nach nur wenigen Minuten. Ein warmer Sommertag am Wochenende sorgt für ordentlich Bewegung auf dem Wasser. Eine Vielzahl an Booten und Ruderern machten mir das Leben also schwer. Notgedrungen musste ich auf eine sehr kurze Bahn ausweichen.

    Leider sollte dieser Plan ebenfalls scheitern. Einige Boote schossen immer wieder über meinen Futterplatz. Etwas hatte ich dabei nicht bedacht. Die Motoren schlugen mein gelbes Futter zu Wolken! Das Wasser im Hafen ist ja ohnehin sehr flach, an dieses Szenario dachte ich dennoch nicht. Tatsächlich folgte ein viel größeres Problem, als ich anfänglich vermutet hatte.

    ein Rotauge beim Feedern im Hafen gefangen

    Während der erste Fisch beim Feedern im Hafen noch ein Rotauge war, folgten im Nachgang nur noch Ukeleis. Menschen außerhalb der Mauer nennen sie auch Lauben. Sie reagieren freudig auf Wolken und Schwebteile. Aus meiner passiven Idee wurde dank der Bootschrauben ein flotter Tanz.

    gefangener Ukelei beim Feedern

    Ich musste letztlich Umstellen und alles über den Haufen werfen. Ich warf nur noch sehr kleine Körbe an langen Vorfächern, um den kleinen Sprotten nachzustellen. Eine Alternative hatte ich ohnehin nicht mehr. Ein weiterer Futterplatz schied wegen dem regen Verkehr aus. Umgehend konnte ich den Rapfen zusätzlich noch guten Tag sagen. Sie waren nämlich genauso schnell da wie die Lauben.

    Fazit zum Feedern im Hafen

    Für mich waren diese 3 Tage sehr wichtig, um verschiedene Eindrücke zu gewinnen. Natürlich reicht es nicht aus, um die perfekte Strategie zu erarbeiten, aber darum geht es auch nicht. Vielmehr wollte ich ein Gefühl entwickeln, um den Fischbestand im Ansatz zu erkennen.

    Alleine der Fakt, das ich nur ein einziges Rotauge innerhalb der Ansitze fangen konnte, hat eine große Bedeutung. Auch die Wahl des Futters in seinen Eigenschaften brachte einen guten Einblick.

    Am Tag der Veranstaltung hatte dann nichts mehr Bedeutung, weil wir im Regen saßen und die Temperaturen um 10 Grad absinken sollten. Tatsächlich konnte ich aber auf Platz 6 bei meinem ersten Feedern im Hafen landen. Wisst ihr wie? Mit einem gelbem Futter und 2500 Gramm an Ükeln!

    Herzlichst, euer 16er-Haken

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